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Mobilität Swapfiets: Das niederländische Fahrrad-Abo im stern-Test

Das Fiet ist gemütlich und nicht besonders sportlich.
Das Fiet ist gemütlich und nicht besonders sportlich.
© PR
Fahrradfahren ist beliebt wie nie. Das Start-up Swapfiets beweist, dass man Fahrräder nicht kaufen muss. So sorgenfrei fährt es sich im Fahrrad-Abo.

Seit vier Wochen düse ich mit einem Hollandrad durch Hamburg. Das Auffälligste an dem Rad ist der blaue Vorderreifen – das Erkennungszeichen des niederländischen Start-ups Swapfiets, das in immer mehr deutschen Städten Fahrrad-Abos anbietet. Mir gehört das Fiets (Niederländisch für Fahrrad) nur auf Zeit, und das ist genau das Richtige, wenn man für ein paar Monate in eine neue Stadt zieht.

Günstiges Angebot 

In vielen Städten gibt es Mietradsysteme wie die MVG-Räder in München, die Stadträder in Hamburg oder die Limebikes in Berlin. Nach der Fahrt stellt man das geliehene Rad ab, und der Nächste freut sich darauf. Doch spätestens seit Corona will ich mir mein Fahrrad nicht mehr mit Fremden teilen. Deshalb entscheide ich mich für die Langzeitmiete. In Hamburg gibt es zwei Modelle zur Auswahl: das "Robuste Hollandrad ohne Gangschaltung" für monatlich 16,50 Euro (mit Studentenrabatt 14,50 Euro) und das "Luxusfahrrad mit 7-Gängen" für monatlich 19,50 Euro (mit Studentenrabatt 17,50 Euro). Vom Aufbau und Sitzposition ähnelt auch das "Luxusmodell" einem Hollandrad. Wirklich sportliche Modelle gibt es nicht, das stört mich allerdings nicht. Auch wenn ich nur in der Stadt unterwegs sein werde – eine Gangschaltung muss sein. In Karlsruhe und München gibt es für monatlich 75 Euro sogar E-Bikes im Abo.

Einfache Kündigung 

Am Tag der Lieferung hält ein kleines weißes Auto mit mehreren Rädern auf dem Dach in meinem Innenhof. Ein junger Swapper, so werden die Mitarbeiter genannt, steigt aus und wickelt die kontaktlose Übergabe ab. Er erklärt mir das Doppelschloss, das ich stets abschließen muss, um im Falle eines Diebstahls für 60 Euro Eigenanteil ein neues Rad zu bekommen. Als Beweis gilt der Schlüssel des Schlosses, den ich bei mir haben sollte. Neben dem Schloss hat mein dunkelblaues Modell einen Frontgepäckträger, Vorder- und Rücktrittbremse sowie Vorder- und Rücklichter. Am besten finde ich den im Preis inbegriffen Reparaturdienst, der innerhalb von 24 Stunden erfolgen soll, und das monatliche Kündigungsrecht. Die Abmeldung geht supereasy per Mausklick, genau wie bei meinem Netflix-Abo.

Erste Enttäuschung

Die anfängliche Euphorie legt sich bei der ersten Fahrt entlang der Alster, als der Sattel komplett runterrutscht. Obwohl mir bewusst war, dass die Räder gebraucht sind, hätte ich nicht damit gerechnet, den Reparaturservice so schnell zu benötigen. Denn der Sattel kann nur mit entsprechendem Werkzeug verstellt werden. Per App, Mail oder Telefon kann ich einen Termin ausmachen. In Folge der Covid-19-Pandemie sind viele Shops vorübergehend geschlossen. Deshalb steht mein Rad mehrere Tage unbrauchbar im Innenhof, bis endlich ein Swapper vorbeischaut und den Sattel festschraubt. Ich kann wieder in die Pedale treten, doch schon nach wenigen Fahrten fängt der Sattel erneut an, sich in Bewegung zu setzen. Auch beim zweiten Swap-Termin kann Swapfiets das 24h-Service-Versprechen nicht einhalten. Das scheint nicht nur an Corona zu liegen. Ein Blick in verschiedene Internetforen zeigt, dass Abonnenten in der Vergangenheit ähnliche Erfahrungen mit dem Service gemacht haben. Sie benötigten Hilfe, als bei ihnen das Licht ausfiel oder sich die Schrauben des Sattels lockerten. 

Probleme mit dem 24-Stunden-Versprechen

Sobald mein Sattel-Problem gelöst ist, läuft mein Fiets wieder und ich kurve vergnügt durch die Stadt. Für ebene Strecken und kurze Wege zum Einkaufen ist das Rad ideal. Aber auch längere Strecken machen dank des gepolsterten Sattels Spaß. Mir gefällt, dass ich auf dem Hollandrad aufrecht und relativ hoch sitzen kann. Ich throne regelrecht auf meinem Rad. Der einzige Minuspunkt ist momentan der dunkle Rahmen. Aber der Kundenservice hat mir bereits am Telefon versprochen, dass ich, sobald die Shops wieder geöffnet haben, das Rad gegen meine Lieblingsfarbe austauschen kann.

Interessant für bestimmte Zeiträume 

Das Swapfiets-Abo lohnt sich für die zeitlich begrenzte Miete. Das spricht vor allem Studenten und ungebundene Menschen an. Der entscheidende Vorteil gegenüber einem Drahtesel aus den Kleinanzeigen ist der im Preis enthaltene Reparaturdienst. Das Fiets lässt auch die Leihräder, die in der Stadt verteilt sind, blass aussehen. Bei der regelmäßigen Nutzung ist es deutlich billiger als ein Leihrad, bei dem pro Minute abgerechnet wird. Als Abonnent muss man sich um Reparaturen keine Gedanken machen – sogar zum Reifenaufpumpen kommen die Swapper vorbei. Wer neugierig geworden ist, sollte die Tchibo-Webseite besuchen. Seit Kurzem kooperiert die Kaffeedynastie mit dem niederländischen Start-up. Wer über Tchibo ein Swapfiets-Abo abschließt, spart sich die Anmeldegebühr von 15 Euro.

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Sonja Meinke

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