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TansNamib Museum in Namibia Klein aber fein

Der Bahnhof von Windhoek liegt 1.652 Meter über dem Meeresspiegel.
Der Bahnhof von Windhoek liegt 1.652 Meter über dem Meeresspiegel.
© press-inform - das Pressebuero
In Namibias Hauptstadt Windhoek existiert seit 22 Jahren ein gut gepflegtes Transportmuseum. Hier lässt sich die über 100 jährige Verkehrsgeschichte der einstigen deutschen Kolonie in wenigen Räumen sehenswert nacherleben.

Namibia ist seit vielen Jahren ein Geheimtipp für Urlauber aus aller Welt. Weshalb besonders Deutsche das über zwei Millionen Einwohner zählende Land im Süden des afrikanischen Kontinents für sich entdecken, liegt auf der Hand. Namibia war von 1884 bis 1915 eine deutsche Kolonie und die Flugverbindung könnte nicht direkter sein. Dementsprechend finden sich dort noch zahllose Straßen- und Familiennamen in deutscher Sprache. Die Amtssprache ist zwar Englisch, doch ist die deutsche Sprache noch immer weit verbreitet. Da wundert es nicht, dass bei einem spontanen Besuch des TransNamib Museums der sympathische Herr am Gittertor einen "Guten Morgen" wünscht. Konrad Schüllenbach ist Kurator des kleinen aber feinen Museums, das sich im Bahnhofsgebäude befindet und durch einen nicht auf den ersten Blick zu sehenden Seiteneingang zu betreten ist. Der Eintritt beträgt für Erwachsene fünf und für Kinder drei Dollar. Namibische Dollar wohlgemerkt, sprich 35 und 20 Euro-Cent. Der Satz "Kinder, das geht heute nicht - ist zu teuer" zieht hier also definitiv nicht.

Die größten Ausstellungstücke gibt es völlig gratis zu sehen, denn sie stehen vor dem Gebäude. Zu ihnen gehören zwei kleine, gelbe Funkey-Bahnen, eine Draisine, die erste Diesellok Namibias von 1959 mit der Nummer 32.001 und ein Schienengerät, das wie ein stählernes Monster auf Rädern ausschaut. "Das ist eines der beiden Panzerfahrzeug-Prototypen, die während der Aufstände in Südafrika eingesetzt werden sollten", erklärt der Kurator. Beim "sollten" ist es allerdings auch geblieben. Denn sie kamen über den Status des Testfahrzeugs nie hinaus. Ihre Aufgabe sollte eigentlich darin bestehen, vor den Güter- und Personenzügen zu fahren und terroristische Sprengsätze zur Detonation zu bringen. "Sie wären kurz hochgehüpft und das war es dann. Den Passagieren beziehungsweise den Gütern wäre dann nichts passiert", verrät Konrad Schüllenbach. Der eigentliche Stolz des Museums steht prominent direkt vor dem Bahnhofsgebäude im Kolonialstil. Die 7,5 Tonnen schwere Illing-Schmalspur-Dampflokomotive 154 A mit 600 Millimetern Spurweite und der Fabriknummer 5.376 nahm im Jahr 1904 ihren Betrieb auf. Die halbe, ursprüngliche Doppel-Lokomotive des Verbund-Systems wurde nach fast 600.000 gefahrenen Kilometern im Jahr 1915 außer Dienst gestellt.

Was die anderen Exponate mit den aktuell in Namibia verkehrenden Zügen gemeinsam haben ist, unabhängig vom Aussehen, ihre Spurbreite. Genau 1.067 Millimeter machen sie zu Schmalspurbahnen, was zugleich auch viel über ihre erreichbare Höchstgeschwindigkeit verrät. Schneller als 120 Kilometer pro Stunde fahren in Namibia weder Auto noch Zug. 2005 wurde mit dem Omugulugwombashe Star aus China zwar ein 120 Kilometer pro Stunde schneller Zug mit 142 Passagieren in Dienst gestellt. Doch drei Jahre später war Ende mit der Tempohatz, da er ständig defekt war und die Spurbreit nicht wirklich für derlei Geschwindigkeiten gedacht ist. "Auf den meisten Streckenabschnitten wird daher nicht schneller als 60 gefahren. Tempo 80 ist schon grenzwertig", meint Schüllenbach. Zumal ständig irgendetwas repariert werden muss. Richtig ärgerlich wird es, wenn im dichter besiedelten Norden des Landes eine neue Bahntrasse gelegt wird, die Materialzüge dorthin aufgrund fehlenden Ingenieur-Wissens jedoch viel zu schwer beladen wurden. Das Resultat ist ein erneut zerstörtes Streckennetz.

Den Einwohnern Namibias ist das aber so ziemlich egal, da sich im Laufe der Jahre sowieso Bahnalternativen wie ein Bus-Taxi durchgesetzt haben. "Bei uns fahren nur die wenigsten mit der Bahn. Die meisten Strecken werden daher nur einmal am Tag bedient. Hauptsächlich fahren Güterzüge durchs Land", erklärt Konrad Schüllenbach und führt durch die nach Themen sortierten Zimmer des Museums, vorbei an Halt-Schildern, deutschen Fahrplänen, Schreibmaschinen und zahllosen sehr gut erhaltenen Ausstellungstücken. Seit am 1. Juli 1993 der damalige Minister für Arbeit, Transport und Kommunikation, Marco Hausiku das kleine Museum eröffnete, kommen ständig neue Exponate hinzu. Neben dem Schienenverkehr finden sich hier auch Flugverkehr- und Schifffahrtsverkehr-Relikte.

Das Hauptaugenmerk liegt jedoch auf dem Schienenverkehr, der seit 1897 in Namibia stattfindet. Die erste Bahnstrecke wurde allerdings schon zwei Jahre zuvor gebaut. Zwar nur knapp 20 Kilometer lang, aber dafür regelmäßig befahren. Der Grund: Weißes Gold, oder besser gesagt Guano. Das aus Kot, Kadaver, Federn und Eierschalen bestehende Material sorgte Ende des 19. Jahrhunderts für einen wahren Dünger-Rausch. Ursprünglich nach Namibia versendet um über Pelze der Seehunde zu berichten, machte der Brite Walter Mathews im Süden seine eigenen Entdeckungen und Geschäfte - zu denen eben jener Guano-Abbau zählte. Und damit der begehrte Dünger aus Cape Cross möglichst schnell und effektiv zum nächsten Schiffs-Anleger transportiert werden konnte, baute er kurzerhand eine Bahntrasse.

Mit dem Bau der ersten Passagier-Trasse wurde im September 1997 unter der Führung der State Northern Railway zwischen der Hafenstadt Swakopmund und der Hauptstadt Windhoek begonnen. Der Grund dafür war ebenfalls tierischer Natur - jedoch um einiges tragischer. Denn die in dieser Zeit einsetzende Rinderpest raffte nahezu jedes Zugtier wie Ochsen und Stiere dahin, so dass keine andere Möglichkeit bestand, als auf den Schienenverkehr zu setzten. Über 1.000 Arbeiter waren damals involviert. Im Oktober 1899 war fast die Hälfte geschafft. Die Gleise erreichten das 177 Kilometer entfernte Karibib. Im Juni 1902 wurde in Windhoek die gesamte Strecke eröffnet. Was sowohl damals als auch heute nicht zu unterschätzen ist, ist der Höhenunterschied zwischen der Küste und der Hauptstadt. Auf dem Schild über dem Bahnhofseingang ist "1.652 Meter über dem Meeresspiegel" zu lesen. Und nicht nur Maschinen haben in solchen Höhen ab und an mal ihre kleinen Problemchen.

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