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Urteil zur Helmpflicht: Dann steig ich eben ab

Noch macht das Radfahren Spaß. Aber das könnte der Bundesgerichtshof ändern, wenn er die Helmpflicht einführen sollte. Dann hilft nur eins: Einfach absteigen.

Ein Kommentar von Gernot Kramper

Bisher macht mir das Radfahren Spaß. Einfach rauf und los. Das kann bald vorbei sein, denn vielleicht wird das Radfahren zur besonders gefährlichen Tätigkeit erklärt. Zu einer Art Extremsport, dem man sich nur mit spezieller Schutzkleidung überlassen darf. Ohne Helm kein Fahrrad, hieße die Konsequenz, sollte der Bundesgerichtshof ein Urteil des Oberlandesgerichts Schleswig von Juni 2013 bestätigen.

Juristisch ist die Sache verzwickt: Es geht um einen Unfall in Kiel. Damals stürzte eine Radfahrerin schwer. Sie traf keine Schuld, sie hatte alle Vorschriften eingehalten, dennoch will die gegnerische Versicherung ihren Schadenersatz kürzen. Begründung: Hätte sie einen Helm getragen, hätte sie den Unfall vermutlich besser überstanden.

Wut auf die Versicherungen

Kein Wunder, dass dieses Urteil starke Emotionen weckt. Beim mir ist es blanke Wut. Wut auf die Versicherungen. Denn hier geht es überhaupt nicht um Auto- und Radfahrer, um Helme oder Sicherheitsabstände. Hier geht es darum, dass die Versicherungen ein Schlupfloch suchen, um Zahlungen zu verweigern. Im Verhältnis Bürger gegen Versicherung könnte das Urteil eine Zäsur bedeuten. Wenn Radfahrer sich mit einem Helm schützen müssen, dann müssten auch bald andere damit rechnen, dass ihnen unterlassene Schutzmaßnahmen vorgehalten werden, wenn sie Geld von einer Versicherung fordern.

Nun zum Fahrrad. Natürlich ist es besser, einen Helm zu tragen. Das ist sehr vernünftig, damit beugt man Gefahren vor. Nur: Wenn jeder Badegast eine Rettungsweste tragen müsste, würde zwar kaum jemand ertrinken, aber wer würde dann noch Schwimmen wollen? Ich nicht. Wenn ich mich erst mal ganz verantwortungsbewusst einkleiden muss, bevor ich aufs Rad darf, dann macht es mir keinen Spaß mehr.

Sicher ist das Auto

Mein Rad gehört für mich noch zum Alltag, und da will ich mir keinen Kopf machen. Noch nehme ich das Fahrrad, wenn ich zum Laden oder zur S-Bahn will. Es steht vor der Tür - bei uns wird nicht geklaut - und ist stets zu Diensten. Aber mit Helm? Eher nicht, mich stört er einfach. Ich müsste ihn den ganzen Tag mit mir herumtragen, nachdem mich das Rad zur Haltestelle gebracht hat. Natürlich könnte ich auch einen Koffer auf dem Gepäckträger anbringen oder einen Rucksack für den Helm tragen. Wo ein Wille, da findet sich auch ein Weg. Nur mein Wille zum Radfahren ist nicht so ausgeprägt, dass ich große Hindernisse in Kauf nehmen würde.

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Und die Sicherheit? Darüber denk ich als Radfahrer besser nicht allzu lange nach. Aber was müsste ich machen, wenn ich ganz vernünftig wäre? Dann müsste ich natürlich immer mit dem Auto fahren. Mit einem Wagen der Mittelklasse ist in der Stadt kaum ein Unfall denkbar, bei dem die Insassen einen größeren Schaden erleiden. Diesen Schutz kann ein Rad nicht ansatzweise bieten, auch nicht mit Helm und Warnweste.

Nur mit Helm, heißt für mich: dann eben nicht.

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