HOME

Volkswagen Gol: Der simple Golf

Was den Europäern ihr VW Golf ist den Südamerikanern der VW Gol - eine Nummer kleiner als der Golf und im Namen fehlt gerade einmal ein Buchstabe.

Wenn in Europa eine neue Golf-Generation auf den Markt kommt, steht die Automobilwelt ein paar Wochen still. In der beliebten Kompaktklasse muss sich jeder am Golf messen - seit 1974. Die Gegner versuchen alles - und verzweifeln. Da macht die neue, mittlerweile siebte Golf-Generation keinen Unterschied zu den sechs Generationen davor. Beim VW Gol sieht es kaum anders aus. 1980 erstmals vorgestellt, entwickelte sich das Einstiegsmodell von Volkswagen do Brasil zum Bestseller und übernahm 1987 Platz eins in der Verkaufsliste. Hier steht er seit 25 Jahren. "Und wir können sagen, dass der Gol auch im 26. Jahr in Folge das meistverkaufte Modell auf dem brasilianischen Markt sein wird", strahlt Thomas Schmall, Präsident von Volkswagen do Brasil, "der Gol ist ein Stück Brasilien.".

Technisch ist die neueste Gol-Generation eine Mischung aus verschiedenen in die Jahre gekommenen Volkswagen-Plattformen. Der ausgelaufene VW Polo spendiert dem brasilianischen Gol große Teile seines Unterbaus. Dazu kommen Komponenten von verschiedenen Golf-, Fox- und Polo-Generationen. Das Design des neuesten Gol präsentiert sich ähnlich unspektakulär wie vom hiesigen Golf. Der lateinamerikanische Kunde steht nicht auf extravagante Designeskapaden. Der VW Gol ist seit Jahren insbesondere gut, günstig und ein treuer Begleiter - das kommt an.

Der 3,90 Meter lange VW Gol ist technisch nicht mit dem europäischen Polo oder gar dem klassenhöheren Golf zu vergleichen. Den gibt es auch in Brasilien - allerdings nach wie vor in der betagten Modellvariante des Golf IV. Ein wirklich billiges Vergnügen ist der VW Gol in seinem Heimatland jedoch nicht. Das liegt weniger an überzogenen Preisen der in Brasilien seit 1953 beheimateten VW do Brasil, sondern an üppigen Steuern, die den Einstiegspreis des Basis-Gol auf umgerechnet rund 11.000 Euro ansteigen lassen. Dafür gibt es solide Technik, eine mäßige Ausstattung und wenig Komfort. Die grauen Kunststoff-Oberflächen sind nach europäischen Maßstäben rustikal und lieblos, die Schalter rar gesät und die Sicherheitsausstattung mehr als dünn. Doch für Sicherheits- und Assistenzsysteme interessiert sich in Brasilien kaum jemand. Auf dem neusten Stand sind das Lenkrad und das Radiosystem. Die würden sich auch in einem deutschen Polo gut machen.

Auch bei den Motoren bleiben moderne Turbo-Direkteinspritzer außen vor. Der Kunde hat die Wahl zwischen Drei- und Fünftürer sowie zwischen 1,0 und 1,6 Litern Hubraum. Das 72 PS starke Einsteigermodell ist für das tägliche Fortkommen im Land des Zuckerrohrs ausreichend. Ein Wunder an Drehfreude ist der leistungsstärkere Gol 1.6 Power mit seinen 101 PS jedoch nicht. Er bietet für 14.000 Euro immerhin Alufelgen, Bordcomputer, elektrische Fensterheber und Funkfernbedienung. Die sinnvolle Klimaanlage kostet rund 1.000 Euro extra. Die Fahrleistungen sind ordentlich. 0 auf Tempo 100 schafft der Fronttriebler in rund zehn Sekunden und 188 km/h sind deutlich mehr, als sich die brasilianische Polizei auf den Autobahnen gefallen lässt. Das maximale Drehmoment von 154 Nm bei 2.500 U/min reicht aus, um den eine Tonne schweren Brasilianer flott zu bewegen. Wirklich sparsam kann man mit ihm jedoch nicht unterwegs sein. So laufen selbst bei normaler Gangart mehr als acht Liter Kraftstoff durch die Einspritzdüsen. Getankt werden kann ein beliebiges Mischungsverhältnis von Ethanol und Benzin.

Der VW Gol 1.6 ist zumindest nach europäischen Maßstäben ein echtes Billigmodell vom Schlage eines Dacia Sandero. Auch wenn der Preis durch die üppigen Steuern a der 40.000-Real-Marke kratzt, lassen Materialien und Geräuschdämmung Wünsche offen. Bei längeren Autobahnfahrten nervt der fehlende sechste Gang, der das Geräuschniveau absenken würde. In Brasilien interessiert das zumindest in dieser Kleinwagenklasse niemanden. Rund 70 Prozent der Brasilianer suchen ihren Traumwagen in der Liga von Gol, Sandero, Corsa und Clio. Kein Wunder, dass von VW Gol seit 1980 mehr als sieben Millionen Fahrzeuge gebaut wurden. Das bedeutet Platz fünf in der Volkswagen-Konzernhitliste. Wer den Gol als Stufenheckversion mit Kofferraum will - kein Problem. Der ungleiche Bruder heißt Vovage. Der Erfolg von VW Gol und Voyage dürfte noch einige Zeit anhalten. So fährt sich der Gol weiter nach vorn - die Zehn-Millionen-Grenze fest im Blick.

Press-Inform / pressinform
Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.