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Partikelfilter: Die Debatte legt sich - der Staub nicht

Vor allem die deutschen Autobauer standen in der Kritik, nicht genug zur Vermeidung von Feinstaub zu tun. Nun werden die Diesel-Neufahrzeuge zwar mit Partikelfiltern ausgestattet, viel geändert hat sich dennoch nicht.

Die Aufregung war groß. Als im Frühjahr in deutschen Großstädten Feinstaub-Alarm ausgerufen wurde, war der Hauptschuldige für die hohe Belastung der Bevölkerung mit dem gesundheitsschädlichen Staub schnell gefunden: die deutsche Automobilindustrie. Für den Feinstaub nämlich seien vor allem "dreckige" Dieselmotoren ohne Filter verantwortlich, wetterte die Umweltlobby. Die heimischen Autobauer, allen voran Marktführer VW, hätten den Einbau umweltfreundlicher Diesel-Partikelfilter jahrelang massiv behindert. Sie hätten damit den Dieselmotor "künstlich" billig halten wollen, um die Zahl der Diesel-Neuzulassungen weiter zu steigern - der Anteil liegt bereits bei mehr als 40 Prozent. Die Autobauer keilten zurück: die Vorwürfe seien "blanker Unsinn", die Pkw-Branche sei für weniger als 10 Prozent des Feinstaubs verantwortlich. Noch nicht einmal ein halbes Jahr später sind die Rauchschwaden der hitzigen Debatte erst einmal verflogen - und das, obwohl nach Darstellung von Greenpeace inzwischen in 30 Großstädten die Feinstaub-Grenzwerte überschritten worden sind.

Die deutsche Autoindustrie hat inzwischen reagiert und die Ausstattung ihrer Neuwagen mit Partikelfiltern vorangetrieben. Schritt für Schritt soll es zudem Angebote für die Nachrüstung der bestehenden Diesel-Flotte geben. Allerdings müssen die Kunden dafür ziemlich tief in die Tasche langen: bei VW zum Beispiel kostet ein Partikelfilter 565 Euro. Finanzielle Anreize für einen Filter fehlen bislang. Die geplante steuerliche Förderung liegt auf Eis. Die Bundesregierung will rußarme Dieselfahrzeuge mit 350 Euro und Filter-Nachrüstungen mit 250 Euro fördern. Die Länder, für die Kfz-Steuer zuständig, aber haben die Pläne im Bundesrat abgelehnt. Sie fordern mit Blick auf Einnahmeverluste eine aufkommensneutrale Regelung, bei der zudem nur Gebrauchtfahrzeuge und nicht Diesel-Neuwagen gefördert werden.

Patt zwischen Politik und Industrie

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) kritisiert diese Patt-Situation. Wer die Bürger monatelang zum Kauf rußarmer Diesel bewegen wollte, könne nun nicht die versprochene Förderung für Neufahrzeuge "klammheimlich" unter den Tisch fallen lassen, so VDA-Präsident Bernd Gottschalk. "Es ist nicht nachvollziehen, dass die Politik keine klaren Rahmenbedingungen schafft für die Gesundheit der Bürger", kritisiert der Verkehrsexperte von Greenpeace, Günter Hubmann. Auch die Autoindustrie tue immer noch zu wenig, lautet der Vorwurf etwa des Verkehrsclubs Deutschland. "Hersteller, die heute noch Autos ohne Partikelfilter anbieten, handeln bewusst gegen die Gesundheit der Menschen." Dabei haben die deutschen Autobauer anders als vor allem französische Hersteller, die bereits seit Jahren Partikelfilter in ihre Autos einbauen, lange auf andere technische Lösungen zur Emissionsreduzierung gesetzt. Das Ziel: Ruß sollte gar nicht erst entstehen und damit einen Filter überflüssig machen. Erreicht werden sollte dies mit so genannten innermotorischen Maßnahmen. Damit würden alle Emissionen gleichzeitig reduziert, also neben den Partikeln auch Stickoxide und Kohlenwasserstoffe, sagt ein VW-Sprecher.

Dieser "ganzheitliche" Ansatz stößt aber bei der Umweltlobby auf Skepsis. Die innermotorischen Lösungen hätten nicht viel gebracht. Bei der Initiative "Kein Diesel ohne Filter" etwa heißt es, nur mit dem Filter könnten 99 Prozent der vermutlich Krebs erregenden Rußpartikel aus den Diesel-Abgasen herausgefiltert werden.

Andreas Hoenig/DPA / DPA
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