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30 Jahre Elbtunnel: "Nationaldenkmal" mit Staugarantie

Seit 30 Jahren gibt es den Hamburger Elbtunnel und ebenso lange empfinden viele Menschen aus der Hansestadt eine Art Hassliebe zu "ihrer" Verbindung nach Süden. Kein Wunder, sie stehen immer im Stau.

Staus vor dem am 10. Januar 1975 von Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt frei gegebenen Tunnel der Autobahn 7 gehören zu Hamburg wie Hafen, "Michel" und Reeperbahn. Seinerzeit mit drei Röhren auf täglich bis zu 70 000 Autos angelegt, rollen heute an Werktagen bis zu 120 000 Fahrzeuge durch den mit Zufahrten 3,1 Kilometer langen Bau - wenn sie rollen.

Als "Bypass" gegen den drohenden Verkehrsinfarkt am berüchtigten Nadelöhr des Norden wurde sogar eine vierte Tunnelröhre gebaut und im vergangenen Mai in Betrieb genommen. Der als Freund großer Worte bekannte frühere Hamburger Innensenator Ronald Schill feierte den Elbtunnel damals als "Nationaldenkmal". Der von vielen Pendlern und Touristen ersehnte staufreie Vier-Röhren-Verkehr ist vorerst allerdings nur ein kurzes Sommervergnügen. Noch voraussichtlich bis 2007 sind für die Autofahrer weiterhin nur drei Röhren geöffnet: Wegen umfangreicher Sanierungsarbeiten wird jeweils eine der alten Durchfahrten für den Verkehr gesperrt.

Die Ruhe vor dem Tunnel

Auch zum runden Tunnel-Geburtstag gucken viele Autofahrer in die Röhre: Gegenwärtig läuft das etwa 45 Millionen Euro teure "Nachrüstprogramm" der Behörde für Stadtentwicklung in der Ostdurchfahrt. Dort sind Arbeiter im Schichtbetrieb mit der Modernisierung des Brandschutzes, der Asbestsanierung und dem Bau einer neuen Tunnelentwässerung beschäftigt.

"Rechtzeitig zu Beginn der Ferienreisezeit haben wir das abgeschlossen", verspricht Behördensprecherin Claudia Eggert. Man sei "voll im Zeitplan", voraussichtlich von April an seien alle vier Röhren frei. Allerdings wieder nur bis zum Herbst - dann würden die anderen alten Röhren modernisiert. Im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums geht es dabei vor allem um die Umsetzung neuer europäischer Richtlinien in Sachen Tunnelsicherheit. Dazu gehören laut Eggert die Installation einer Brandnotbeleuchtung und der Bau zusätzlicher Notausgänge zwischen den Röhren. Zudem würden die Lüftungssysteme so umgebaut, dass bei einem Feuer eine effektive Rauchabsaugung gewährleistet ist.

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"Das ist richtig so", lobt der verkehrspolitische Sprecher des ADAC Hamburg, Carsten Willms, und nimmt für die optimale Sicherheit unter der Elbe zähneknirschend sogar die Monate langen Sperrungen in Kauf: "Da muss man durch." Aber selbst wenn von 2007 an auf Dauer alle vier Röhren offen sind, werde die Lage an der A 7 nicht entscheidend entlastet. Laut ADAC steigt der Verkehr von Personenwagen bis 2015 um 15 Prozent und von Lastwagen sogar um 60 Prozent. Hamburg brauche darum eine Westumfahrung mit der A 20 bei Glückstadt und eine östliche Elbquerung bei Geesthacht. Willms: "Beides muss unbedingt gebaut werden, sonst wird es auch am Elbtunnel nicht besser." Allenfalls würden dann auch mit vier Röhren die Staus

Von Friedhelm Schachtschneider

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