HOME

Alternative Antriebe: Durchbruch mit Wasserstoffpille

Wasserstoff könnte die quälende Abhängigkeit vom Öl lösen. Dänischen Wissenschaftlern ist es gelungen, die Energie des aggressiven Gases in Pillenform zu pressen.

Wasserstoff als Antriebsquelle für Autos. Das könnte die quälende Abhängigkeit vom Öl lösen. Könnte, denn bislang machte der "Benzin-Ersatz" den Ingenieuren mehr Kummer als Freude. Wasserstoff verbrennt denkbar umweltschonend, am Ende der Reaktion dringt nur Wasserdampf aus dem Auspuff, aber leider reagiert das Gas nicht nur aggressiv mit vielen Materialen, es benötigt auch enormen Transportraum. Eine Alternative zur herkömmlichen Verflüssigung des Gases haben Forscher der Dänischen Technischen Universität (DTU) bei einer Konferenz in den USA vorgestellt. Sie bannten die zerstörerische Kraft des Wasserstoffes in Tablettenform. Das meldete die Zeitung Jyllandsposten.

Kein Verlust bei Lagerung

Den Forschern zufolge, handelt es sich um die erste wirklich praktikable Methode, um Wasserstoffenergie zu speichern. "Während der letzten 20 Jahre haben Forscher versucht, eine brauchbare Methode zu entwickeln, Wasserstoff zu speichern. Bevor diese nicht gefunden worden ist, kann man nicht sagen, dass die Wasserstoffgesellschaft Wirklichkeit geworden ist. Wir haben diese Methode nun gefunden", sagt Chemieprofessor Claus Hviid Christensen von der DTU stolz. "Die Menge Wasserstoff, die man brauchte, um mit einem Personenwagen 500 Kilometer zu fahren, füllte früher neun Personenwagen. Mit unserer Wasserstofftablette kann die Energie in einem gewöhnlichen 50-Liter-Tank untergebracht werden“, sagt Claus Hviid Christensen. Die Erfindung ist vor allem darum ein Durchbruch, weil die Tablette anders als die Verflüssigung des Gases keinen Wasserstoff während der Lagerung freisetzt. "Dies ist ein Durchbruch, kein Zweifel. Nicht zuletzt, weil die Wasserstofftablette keine Energie verliert, wenn sie nicht gebraucht wird“, bestätigte Physikprofessor und Wasserstoffforscher Andreas Züttel von der Universität Fribourg der Jyllandsposten.

Was sagen Sie zur dänischen Wasserstoff-Erfindung?

Keine Primärenergie

Versuchsfahrzeuge fahren bereits seit längerem mit Wasserstoffantrieben, durch die dänische Erfindung könnte nun die Speicherung des Energieträgers gelöst werden. Dennoch müssten Autofahrer mindestens zehn Jahre warten, bis auf kommerzielle Fahrzeuge beim Händler stehen. Aber auch nach diesem Durchbruch ist die drohende Energiekrise durch die dänischen Krafttabletten nicht gelöst.

Anders als etwa Ergas kommt Wasserstoff nicht in unterirdischen Lagestätten vor, die nur angepiekst werden müssten. Wasserstoff muss durch Zufuhr von Elektrizität zunächst gewonnen werden. Das Gas ist also Transportmedium. In den Hochzeiten der Atomenergie träumte man davon, die Kraft der Kernspaltung über den Umweg "Wasserstoff" in den Tank zu packen. Heute sind die Vision sanfter, Solarenergie soll in Wasserstoff verwandelt werden. Die umweltfreundliche Erzeugung passt auch besser zum Antriebsgeräusch des Wasserstoffantriebs, anstatt eines röhrender Brüllen kann man nämlich nur ein sanftes Säuseln vernehmen.

Richard Holtz/Gernot Kramper

Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity