BMW Efficient Dynamics Viel Wind für wenig Durst


Geht es um Verbrauchsminderung und effiziente Motoren ist kein Premium-Autohersteller derzeit so gut aufgestellt wie BMW. Immer wichtiger beim Spritsparen wird die Aerodynamik.
Von Michael Specht

Außenspiegel mögen die Aerodynamik-Experten bei BMW nicht. Am liebsten würden sie die "Rücksicht" per Minikamera auf einen Bildschirm im Cockpit übertragen. Die "Eselsohren" stehen ihnen zu sehr im Wind, erzeugen Verwirbelungen, was wiederum den Luftwiderstand verschlechtert. "Das Weglassen der Spiegel würde im EU-Verbrauchszyklus etwa ein Gramm CO2-Reduzierung bringen", sagt Designtechniker Holger Winkelmann.

Nie zuvor im Automobilbau war die Optimierung der Aerodynamik wichtiger als heute. Beim Kampf ums Gramm scheint den Herstellern nichts zu teuer zu sein. Die Münchener Autobauer weihten den modernsten Windtunnel der Welt ein. Baukosten: 170 Millionen Euro. In ihm lassen sich Windgeschwindigkeiten von bis zu 300 km/h realisieren.

"Die Messgeräte sind so empfindlich, dass sie selbst eine Papierschwalbe im Windkanal registrieren würden", sagt Winkelmann. Zusammen mit den Designern suchen die Aero-Spezialisten jede noch so kleine Verwirbelung. Je ruhiger der Luftstrom an der Karosserie vorbei streicht, desto besser. Ein großes Problem sind die Radhäuser und die sich drehenden Räder. Würde man nur die Karosserie in den Wind stellen - im Fachjargon heißt dies "Gliding Fish" - der Widerstand würde sich um gut 35 Prozent reduzieren. "Dies lässt erahnen, wie viel Potenzial noch in den Radhäusern steckt", sagt Winkelmann, "und einige Prozent davon wollen wir holen."

Fündig wurden die Techniker im Stoßfänger im Bereich der Nebellampen. Zwar mündet der Lufteintritt auch hier im Radhaus, der Schacht ist jedoch so gestaltet, dass die Luft gezielt geführt und vor allem beruhigt wird. Ergebnis: Es entsteht ein Air Curtain (Luftvorhang), der sich seitlich vor die Räder legt, starke Verwirbelungen sind nicht mehr zu erkennen. Störend sind die Luftwirbel auch am Heck. Sie üben auf den Wagen eine Art Sog aus, hindern ihn also am Vortrieb, was wiederum den Verbrauch erhöht.Um hier Ruhe rein zu bekommen, feilen die Aerodynamiker im Millimeterbereich, selbst die Rückleuchten besitzen kleinste Abrisskanten.

Alle die Optimierungen laufen bei BMW unter dem Dachbegriff "Efficient Dynamics". Dazu zählt auch die Überarbeitung des gesamten Antriebsstranges, Motor, Getriebe, Achsen. Schon vor Jahren erkannten die Bayern die Wichtigkeit dieses Themas, um den Verbrauch und damit auch den CO2-Ausstoß zu senken. Nach dem Motto "Der frühe Vogel fängt den Wurm" haben die Münchener bis heute bereits über eine Millionen Autos verkauft, die mit einem Start-Stopp-System ausgerüstet sind. Die Konkurrenz hinkt hier um Jahre hinterher und lässt sich zudem ihre Sparmaßnahmen mit bis zu 500 Euro Aufpreis vergüten, BMW baut Efficient Dynamics serienmäßig ein.

Laut Werksangabe sollen alle in Deutschland im vergangenen Jahr neu zugelassenen BMW- und Mini-Modelle durchschnittlich nur 5,9 Liter pro 100 km verbrauchen. Dies entspricht einem mittleren CO2-Ausstoß von 158 g/km, ein Wert, der deutlich unter dem Durchschnitt aller 2008 in Deutschland neu zugelassenen Fahrzeuge liegt. Selbst das Sparen in der Ober- und Luxus-Klasse ist für die BMW-Entwickler kein Tabuthema mehr. So wird es im neuen Siebener keinen Achtzylinder-Dieselmotor mehr geben.

Zu viel Hubraum, zu schwer, zu hoher Verbrauch. Ihn löst ein hoch effizienter Sechszylinder-Diesel mit Doppelturbolader ab, der bei 306 PS und 600 Newtonmeter 23 Prozent weniger verbrauchen und im Ansprechverhalten um 40 Prozent besser sein soll. Auch auf der Benzinseite will BMW Klassebester sein. Der neue 306 PS starke Dreiliter-Twinturbo besitzt neben der Benzindirekteinspritzung erstmals auch die vollvariable Ventilsteuerung namens Valvetronic und soll dadurch neun Prozent weniger verbrauchen als die Vorgängerversion. Im Vergleich zum Vierliter-V8 sollen es sogar 29 Prozent weniger sein.

Sein Debüt wird der sparsame Sechszylinder im Herbst im Fünfer Gran Turismo (intern F07 genannt) haben. Dann kommt auch das in Zusammenarbeit mit ZF entwickelte Achtgang-Automatikgetriebe zum Einsatz. Es soll nach BMW-Angaben eine höhere Effizienz besitzen als die so viel gerühmten Doppelkupplungsgetriebe der Konkurrenz. Nach Lexus ist BMW die zweite Automarke, die acht Mal schaltet. Sogar für ein Start-Stopp-System ist der Automat konzipiert. Die ersten sind die Münchener damit allerdings nicht, der Porsche Panamera fährt bereits mit Start-Stopp-Automatik. BMW-Kunden müssen sich mindestens noch ein Jahr gedulden.


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