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Crashtest der Unfallforscher Großes Risiko für kleine Fahrer


Die Autokonstruktion hat sich bislang offenbar hauptsächlich am größeren Durchschnittsfahrer orientiert - auf Kosten der kleinen Autofahrer.
Von Harald Kaiser

Die Unfallforschung der Versicherer (UDV) hat mit der Durchführung von Crashtests herausgefunden, dass kleine Fahrer einem erhöhten Verletzungsrisiko im Auto ausgesetzt sind.

Knirschend wird die Frontpartie des blauen Opel Corsa zusammengestaucht. Der Kleinwagen ist gerade mit 50 km/h auf eine starre Barriere geknallt. Das war ein Crashtest, den die Unfallforschung der Versicherer (UDV) durchgeführt hat. Eigentlich sieht alles gut aus, die Knautschzone vorne links hat sich so gefaltet wie von den Konstrukteuren vorgesehen. Anders im Innenraum. Die Knie der Fahrerpuppe, nur 1,50 Meter groß, hatten Kontakt mit dem Unterteil des Armaturenbretts. Das verheißt nichts Gutes. Der Aufprall war hart. So schlimm, dass sich ein Mensch bei einem echten Unfall mit diesem Tempo an Knie, Oberschenkel und Becken schwerstverletzt hätte. „Das liegt daran“, sagt UDV-Chef Siegfried Brockmann, „dass kleine Leute den Fahrersitz weit nach vorne schieben müssen, um an die Pedale zu kommen.“

Autokonstruktion orientiert sich am größeren Durchschnittsfahrer

Dass es ein hohes Verletzungsrisiko von kleinen Leuten geben könnte, ist den Unfallforschern im Rahmen einer Analyse ihrer Datenbank aufgefallen, in der alle Straßenverkehrsunfälle Deutschlands nach Schwere und Auswirkungen erfasst sind. Brockmann: „Bei den Schwerstverletzten waren erstaunlich viele kleine Leute unter den Opfern.“ Vor allem Frauen, die zumeist deutlich kleiner sind als Männer. Zudem hat sich herausgestellt, dass in der Kategorie schwerer Frontalaufprall der Anteil der schwerwiegenden Verletzungen bei weiblichen Fahrern um 50 Prozent über dem der männlichen liegt. Um wissenschaftlich zu ergründen, woran das liegt, haben die UDV-Experten zwei Crashtests durchgeführt. Einen, bei dem der Dummy wie in der Praxis saß, und einen mit verlängerter Pedalerie. Ergebnis: Bei dem Aufprallversuch mit dem unveränderten Auto waren die Kräfte, die auf den Oberschenkel einwirken, bis zu fünf Mal höher als bei dem Wagen mit verlängerten Pedalen. Siegfried Brockmann: „Das ist natürlich keine böse Absicht der Autoindustrie.“ Er führt die Sachlage auf ein Ergonomieproblem zurück. Bei der Erreichbarkeit von Lenkrad, Schaltern und Pedalen hätten sich die Autokonstrukteure offenbar hauptsächlich am größeren Durchschnittsfahrer orientiert.

Verbesserte Ergonomie soll Verletzungsrisiko senken

Dieses Phänomen gibt es auch in größeren Autos. Brockmann: „Nehmen Sie einen Fünfer-BMW. Wer als kleiner Mensch an die Pedale kommen will, muss den Sitz ganz nach vorne schieben. Der Vorteil ist allerdings, dass der große BMW mehr Aufprallenergie schluckt als ein kleiner Corsa.“ Verringert werden kann dieses Verletzungsrisiko von kleinen Leuten nur, so Brockmann, wenn die Ergonomie in künftigen Modellen verbessert wird. Gemeint sind damit besser einstellbare Lenkräder, verstellbare Pedale und auch über Knieairbags müsse nachgedacht werden.


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