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Steuern und Subventionen Dienstwagen - so werden E-Autos unglaublich billig

Steuern und Subventionen: Dienstwagen - so werden E-Autos unglaublich billig
© Hendrik Schmidt/ / Picture Alliance
Dienstwagenfahrer sparen jede Menge Geld, wenn Sie vom Verbrenner auf ein E-Modell umsteigen. Von diesem Modell profitieren auf Dauer auch normale Kunden.

Bei den Dienstwagenfahrern wirft der Bund derzeit "mit dem Schinken nach der Wurst". Um den Anteil der E-Autos zu fördern, vergisst man jede finanzielle Zurückhaltung. Wird sich für ein Elektrofahrzeug als Dienstwagen entschieden, wird der Kauf mit der Innovationsprämie belohnt und gleichzeitig wird der Fahrer steuerlich massiv bessergestellt. Von beiden Faktoren zugleich profitiert man nur dann, wenn man selbstständig oder freiberuflich tätig ist und so die Firmenseite und die private Nutzung in einer Person zusammenkommen.

Kauf und Nutzung werden subventioniert

Bei der Anschaffung beträgt die Innovationsprämie für E-Fahrzeuge bis zu einem Nettolistenpreis von 40.000 Euro 9000 Euro und für Plug-in Hybride - Nettolistenpreis ebenfalls bis zu 40.000 Euro - 6750 Euro. Für Fahrzeuge in der Preisklasse zwischen 40.000 und 65.000 Euro reduzieren sich dieser Werte auf 7500 Euro (E-Autos) und 5625 (Plug-in Hybride).

Der große Hebel: geldwerter Vorteil

Wer einen Dienstwagen fährt, ob nun Angestellter oder Selbstständiger, muss für die private Nutzung einen sogenannten geldwerten Vorteil versteuern. Bei der Einkommenssteuererklärung wird dieser Wert zum Einkommen addiert und wegen der Progression mit einem relativ hohen Steuersatz belegt. Bei einem Verbrenner wird 1 Prozent des Bruttolistenpreises pro Monat als geldwerter Vorteil zugrunde gelegt. Bei einem Auto mit einem Wert von 50.000 Euro sind das 500 Euro im Monat oder 6000 Euro im Jahr. Bei einem Grenzsteuersatz von 42 Prozent kassiert das Finanzamt also 2520 Euro.

Vollelektrische Dienstwagen müssen nur noch mit 0,25 Prozent versteuert werden. Bei 50.000 Euro sind das nicht mehr 500 Euro im Monat, sondern nur noch 125 Euro. Das macht 1500 Euro im Jahr. Bei gleichem Steuersatz ergibt sich nun eine Belastung von 630 Euro im Jahr. Die Ersparnis gegenüber einem Diesel oder Benziner beträgt in diesem Beispiel 1890 Euro im Jahr.

Auf lange Sicht enorme Ersparnis

Auf lange Sicht spart man hier noch weit mehr, als beim Kauf durch die Innovationsprämie – im Zeitraum von zehn Jahren kommen immerhin 18.900 Euro zusammen. Vorausgesetzt, das Steuerrecht ändert sich nicht. Bei Plug-in-Hybriden ist der Vorteil geringer, anstelle von 1 Prozent wird nicht mit 0,25 Prozent, sondern mit 0,5 Prozent gerechnet. Die Förderung der Hybrid-Modelle ist zudem umstritten, da nicht kontrolliert wird, ob das Fahrzeug überhaupt mit Strom aufgeladen wird. Theoretisch kann das Auto nur mit dem Verbrennungsmotor bewegt werden, dennoch profitiert der Fahrer von den günstigen Steuersätzen.

Nebenbei werden auch die Fahrten zwischen der Wohnung und Arbeitsstätte billiger, sie werden sonst mit 0,03 Prozent pro Entfernungskilometer besteuerten – dieser Wert wird nun für E-Autos geviertelt, für Plug-in-Hybride geteilt.

Wie teuer darf das Auto sein?

Doch das Auto darf aber nicht beliebig teuer werden, um in den Genuss der erhöhten Förderung zu kommen. Dabei ist es verwirrend, dass für die Frage der Dienstwagenbesteuerung nicht die gleichen Sätze wie für die Innovationsprämie gelten. Mit dem Corona-Konjunkturpaket wurde die Bemessungsgrenze im Juni 2020 von 40.000 Euro auf 60.000 Euro angehoben – dieser Wert bezieht sich aber den Brutto-Listenpreis – hier ist die Mehrwertsteuer inklusive und nicht auf den Netto-Listen Preis der Innovationsprämie. Teurere Fahrzeuge werden mit dem Konjunkturpaket nicht gesondert gefördert.

Wer profitiert?

Die Frage der Dienstwagen und ihrer Besteuerung ist ein rotes Tuch in Deutschland und führt zu hitzigen Diskussionen. Doch über den Gebrauchtwagenmarkt profitieren auch normale Fahrer von der Dienstwagenflotte. Meist sind diese Fahrzeuge geleast und gehen nach drei bis vier Jahren an die Leasinggeber zurück. Dann drängen sie in den Gebrauchtwagenmarkt. Solange E-Autos im Flottengeschäft der Dienst- und Firmenwagen nur eine Nebenrolle einnehmen, werden sich auch im von privaten Käufern dominierten Gebrauchtwagenmarkt keine Bedeutung haben können. Die starke Förderung seit Juni 2020 wird aber in ein paar Jahren zu einer Flut an gebrauchten E-Fahrzeugen führen, die dann relativ preiswert erworben werden können. Angesichts der Fahrleistungen bei Firmenwagen ist auch zu erwarten, dass die Autohersteller sich verstärkt darum kümmern müssen, wie die Akkusysteme gebrauchter Wagen ertüchtigt werden können, denn nur so werden sich die Fahrzeuge erneut vermarkten lassen.


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