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Elektroautos: Regierung träumt vom Leitmarkt Deutschland

Deutschland will zum Weltmarktführer für Elektroautos werden. Während andere Länder den Kauf von E-Mobilen bereits massiv subventionieren, kann der Kunde in Deutschland jedoch nicht mit Staathilfen rechnen.

Mit dem "Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität", den die Regierung im Kabinett verabschiedet, soll die Entwicklung von batteriebetriebenen Wagen gefördert und die nötige Infrastruktur bereitgestellt werden. Dafür will Regierung über 500 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Ziel der Regierung ist es, bis 2020 eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen zu bekommen. Experten zeigten sich jedoch skeptisch und verwiesen darauf, dass deutsche Hersteller bisher kein Elektroauto in Serie bauen.

"Unser Ziel ist es, Deutschland zum Leitmarkt für Elektromobilität zu machen", sagte Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Der Plan werde helfen, den Traum vom Individualverkehr ohne Lärm und Abgase Realität werden zu lassen. Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee sagte, ein neues Zeitalter sei eingeleitet. "Ab 2011 wird es den Massenmarkt (für Elektroautos) geben - das ist ein Riesensprung nach vorne", erklärte Umweltminister Sigmar Gabriel.

Kaufanreiz für Kunden unwahrscheinlich

Guttenberg betonte jedoch, dass es bis zur Serienproduktion von Elektroautos noch einige Jahre dauern werde. Ob die ersten Käufer von Elektroautos einen Kaufanreiz ähnlich wie bei der Abwrackprämie erhalten, ließ die Regierung zunächst offen. Darüber soll erst nach der Bundestagswahl entschieden werden.

Umwelt- und Verkehrsverbände warnten angesichts der Ankündigungen vor zu viel Optimismus. Bei dem Entwicklungsplan handele es sich um Augenwischerei, kritisierte der Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Es gebe noch zu viele Stolpersteine und Unklarheiten. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) plädierte dafür, statt einer bestimmten Technologie generell den Bau spritsparender Modelle zu fördern. Dies hatte auch die Deutsche Umwelthilfe gefordert.

Förderung der Batterietechnik

Laut dem Forschungsministerium konzentriert sich der Aktionsplan der Regierung auf die Entwicklung marktfähiger Batterien sowie zuverlässiger Elektrofahrzeuge. Dafür gebe es nicht nur 500 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket, sondern zusätzliche Gelder aus dem Forschungsministerium. Moderne Batterien sind Voraussetzung dafür, dass die Autos nicht schon nach wenigen Kilometern wieder an der Steckdose aufgeladen werden müssen. Sie stellen derzeit eine der größten Hürden bei der Entwicklung dar und sind zudem extrem teuer.

Tiefensee zufolge ist erst 2017 damit zu rechnen, dass Elektroautos zur Normalität im Straßenbild werden. Derzeit liefen erstmals verschiedene Modellprojekte. So werde in den Gebieten Berlin/Potsdam, Bremen/Oldenburg, Rhein-Ruhr, Rhein-Main, Stuttgart, München und Sachsen die Praxistauglichkeit von Elektrofahrzeugen wie Autos, Nutzfahrzeugen und Zweirädern getestet.

Nadine Schimroszik/Reuters / Reuters

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