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German Tec Day: Die Schlacht um Kalifornien

Ausgerechnet in San Francisco, der militant-umweltfreundlichsten Stadt in den USA, begannen Audi, VW und Bosch den Kampf um den wichtigsten Dieselmarkt der Welt. Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger ließ herzlichst grüßen.

Von Helmut Werb, San Francisco

Großes Aufgebot in San Francisco: warme Grußworte des schwarz-grünen Gubernators, der deutsche Konsul als Gastgeber und die Handelskammer mit dabei, ein veritabler Audi-Chef und ein VDA-Vorstandsmitglied - gemessen am Kaliber der Beteiligten war selbst für Laien abzusehen, dass es bei der Veranstaltung in der schicken Absteige des hiesigen W-Hotels um einiges ging. Audi, Volkswagen, die Elektriker von Bosch und die bundesdeutsche Vertretung hatten gemeinsam zum "German Tec Day" nach San Francisco geladen, um den zunehmend grünlichen Amerikanern vor allem deutsche Sauberdiesel nahezubringen - immerhin wartet am Pazifikstrand ein ansehnlicher Markt auf umweltfreundlichere deutsche Personenkraftwagen, ein Markt, der bisher meist von japanischen Hybrid-Modellen unter Beschlag genommen worden war.

Vor allem der durchschlagende Erfolg des Toyota Prius in Kalifornien liess Autoverkäufer aufhorchen: der angeschlagene Riese General Motors wirbt hier um sein Volt-Konzept (und verkauft nebenher E85-betriebene Autos), alternative Antriebe werden seit Amtsantritt des Grazer Vorzeige-Gouverneurs Schwarzenegger vor allem in Kalifornien immer lauter diskutiert, und die "anderen" Bayern stellten hier vor einigen Wochen ihre Siebener-Wasserstoff-Flotte vor. Also machte es durchaus Sinn, eine Präsentation in San Francisco durchzuführen, der wohl militant-umweltfreundlichsten Stadt der USA, und nicht in der Autometropole Los Angeles, in der in wenigen Wochen die ungemein wichtige L.A. Autoshow beginnt, während der das Interesse vor allem der amerikanischen Presse sicherlich von der Konkurrenz abgelenkt werden wird. Und ungeteiltes Interesse wollte vor allem Audi-Vorstandsmitglied Ralph Weyler (zuständig für Marketing und Verkauf) für die neueste Dieselgeneration des Volkswagen-Konzerns, die ab Frühjahr nächsten Jahres in den USA in die Verkaufsräume kommen wird.

Schwierig an den Mann zu bringen

Da steht ihm einiges bevor, dem Herrn Weyler und seinen tapferen Kollegen, denn bisher wird der Begriff Diesel im grössten Automarkt der Welt eher assoziiert mit dem Image Russ-pustender, frenetisch nagelnder Lahm-Enten, die zum Überholen von 55-Meilen-fahrenden Kollegen auf den Freeways mehrere Meilen Anlauf benötigen und die dabei der Umwelt mehr schaden als ein halbes Kabinett des (inzwischen ungeliebten) Präsidenten Bush. Kommt hinzu, dass im Gegensatz zu den stark subventionierten japanischen Hybrid-Fahrzeugen Diesel in den USA keine Steuervorteile bietet, und der Sprit somit um einiges teurer ist als reguläres Benzin. Einen Hard Sell, nennt man sowas hier, schwierig an den Mann zu bringen, denn moderne Diesel-Generationen durften bisher vor allem wegen der extrem stringenten Abgasvorschriften auf dem lukrativen kalifornischen Markt gar nicht mitspielen. "Dabei sind Diesel-betriebene Autos prädestiniert für den amerikanischen Strassenverkehr", dozierte Ralph Weyler, "bei dem es mehr auf großes Drehmoment ankommt als auf hohe Spitzengeschwindigkeiten." Extrem niedrige Verbrauchswerte für komfortable Luxusfahrzeuge, bessere Effizienz im Vergleich zu existierenden Hybrid-Autos und grosse Reichweiten sehen Weyler & Co als weitere gewichtige Verkaufsargumente für den umkämpften Markt.

Spontaner Applaus

Das soll sich nun ändern - die Amis sollen die bisher ungeliebten Diesel lieben lernen, koste es, was es wolle. Als erstes werden im Frühjahr 2008 die Volkswagen Jetta Modelle mit Bluemotion-Diesel ausgeliefert, die den kalifornischen Abgas-Standards entsprechen, einige Monate später sollen dann der in den USA immens erfolgreiche Audi-SUV Q7 und Volkswagens Touareg mit Dreiliter-V6 Diesel Aggregaten folgen. Zum Testen für die US-Presse brachten die Ingolstädter - zusammen mit den Wolfsburger Familienangehörigen - die gesamte Dieselpalette, plus einiger Bonbons wie den Audi Q7 3.6 FSI Hybrid, den Wasserstoff-betriebenen VW Touran HyMotion und Ferdinand Piechs Lieblingskind, den zwischenzeitlich fünf Jahre alten 1-Liter-Volkswagen, der im herben Stadtverkehr San Franciscos für spontanen Applaus des anwesenden Publikums sorgte.

Verkehrssünder benutzen verbotenerweise den Standstreifen.

Den Sechsliter-Diesel-V12 mit 500 PS und dem Drehoment einer Mittelstreckenrakete, der ab Ende nächsten Jahres amerikanische Leistungshörige mit grünem Gewissen versorgen soll, hatten sich die Ingolstädter - passenderweise - für andere Anlässe aufgehoben, sehr zum Bedauern einiger anwesender amerikanischer Journalisten, die die Leistung des Monstermotors für geradezu überirdisch hielten. "Wollen Sie den in LKWs einbauen?", fragte eine ungläubige Dame aus Sausalito, ohne eine Miene zu verziehen, "Oder als Schiffsmotoren?"

"Once you go TDI, you never go back!"

Wie groß der Anteil von Diesel-Motoren am US-Markt denn sein sollte, und vor allem wieviele der billig gewordenen Dollars die Selbstzünder denn kosten sollen, darauf wollte sich Ralph Weyler nicht festlegen. "Wir werden so viele bauen, wie wir verkaufen können”, tröstete der Audi-Chef einen stark seufzenden Händler aus Oakland, dessen Verkaufsbücher offensichtlich schon voll sind mit Bestellungen von "Born Again"-Diesel-Fans. Wenn nur ein Drittel aller in den USA verkauften Autos mit modernen Dieselmotoren ausgestattet würden, so prophezeite der Mächtige aus Ingolstadt, hätte sich Amerikas Abhängigkeit von Erdöl aus Saudi Arabien von heut’ auf morgen erledigt. Das verleitete Wolfgang Hatz, Entwicklungschef für Motoren und Antriebsysteme bei Volkswagen, zu einer Abwandlung des auch in Deutschland weithin bekannten sexistischen Spruches: "Once you go TDI, you never go back!" Der Mann wird wissen, von was er spricht.

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