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Hummer-Ausverkauf: Spritpanzer im Angebot

Zeichen der Zeit: Ein uramerikanisches Symbol reitet in den Sonnenuntergang. Hummer, die Marke, die lange, herrliche Jahre den Lebensstil überschwänglicher Amerikaner geprägt hatte, soll verkauft werden. Der schillerndste, goldbehangene US-Verkäufer der Marke hat auf Smart umgesattelt

Von Helmut Werb

"Zwei bis vier Milliarden Dollar", so viel soll laut General Motors Manager Walter Borst der Hummer kosten. Eine Menge Geld, selbst in einer Zeit, in der Gehirn-erschütternde Auslagen in den USA eher in dreistelligen Milliardensummen gerechnet werden. Aber für die hehre Summe bekommt der potenzielle Käufer nicht nur ein geländegängiges Automobil mit mächtig viel Schnick und noch mehr Schnack, sondern gleich den ganzen pseudo-militärischen "brand" mit dazu. General Motors, einst das Aushängeschild für chromblitzende amerikanische Automobilgeschichte ist in der Krise, muss in kurzer Zeit zehn Milliarden Dollar an Kosten einsparen und zusätzliche fünf Milliarden durch Kredite und sonstige Verkäufe reinholen, um einen drohenden Konkurs abwenden zu können. Da käme die Summe vom Verkauf der Marke Hummer doch gerade recht. Einen "fire sale", wie die Amis einen verzweifelten Ausverkauf gerne und ironisch nennen, will Mister Borst im Angebot einer gesamten Automarke trotzdem nicht sehen, immerhin gäbe es ja einige Fabriken gleich mit dazu – eine im französischen Strassburg ist im Preis inbegriffen.

Benzinvernichter im Angebot

So gesehen wären die Hummer-Milliarden fast ein Schnäppchen, wäre da nicht die zunehmende Unlust der US-Konsumenten, sich solch prächtige Benzinvernichter in profitablen Stückzahlen anzuschaffen. "Wir kriegen die Dinger nicht vom Hof", seufzte ein Verkäufer von Towbin Hummer in Las Vegas, einer der bis dato größten Verkaufsstellen in den USA. Weshalb sich der Chef des Hauses, Dan Towbin, entschloss, die Hummers aus dem illustren Angebot zu nehmen. Ein harter Schlag nicht nur für die Hummer-Fans in der Glückspiel-Oase in der Wüste, sondern auch für GM’s Walter Borst.

Als Anfang des Jahres in San Francisco die Hummer-Verkaufsräume schlossen, wunderte sich niemand – in der politisch korrekt umweltbewussten San Francisco-Bay Area galten die H2s und H3s schon immer als ein Symbol überschwänglicher Energievernichtung, Arnolds Vorliebe für die Zivil-Panzer hin oder her. Aber ausgerechnet in Las Vegas, im erz-konservativen Hort von Luxus, Hedonismus und reichlichem Geldregen?

Ein Raser zerlegte bei einer sinnlosen Angeberaktion einen seltenen "La Ferrari", von denen nur rund 500 Exemplare existieren.

Es bräche ihm schon ein wenig das Herz, verkündete Dan Towbin dem Wall Street Journal zur Schließung der Hummer-Filiale mitten im Sand. "Ich fühle mich der Marke sehr verbunden", meinte Towbin, der in seiner eigenen Fernsehshow "King of Cars" gerne laut, goldbehangen und mit dicker Sonnenbrille auftritt. "Weder General Motors noch ich selber wollten diesen Weg beschreiten." Immerhin hätte ihm der Hummer einmal gar das Leben gerettet. Aber es sei eben notwendig geworden, obwohl die Hummer eigentlich gut gepasst hätten. Bei den Hummer wäre es hauptsächlich um Bling gegangen, und außerdem läge Vegas ja mitten in der Wüste, die Off-Road affine Spielwiese also gleich vor der Tür.

Abschläge weit über der Schmerzgrenze

Aber Geld ist eben Geld, und die Verkäufer durstiger Automobile ziehen sich warm an in der sich wandelnden amerikanischen Autoverkaufslandschaft. Einen riesigen SUV vollzutanken setzt den fröhlichen Geländefahrer runde hundert US-Möpse zurück, viel Moss, wenn man bislang nur die Hälfte gewohnt war. Und um die Dinger überhaupt ins Kaufbewusstsein der sparsam gewordenen Konsumenten zurück zu bringen, erlässt der durchschnittliche Hummer-Verkäufer fast 9000 Dollar vom ausgeschriebenen Verkaufspreis, was sich in einem 22prozentigen Discount übersetzen lässt. Das geht durch die Bank: Wer sich heute einen Dodge Durango Pickup Truck kaufen will, dem werden ganz öffentlich 40 Prozent Nachlass gewährt. Im Gegensatz dazu erhält Miss America beim Kauf eines Minis durchschnittlich 80 Dollar Rabatt, der Käufer eines eines Toyota Scion kann höchstenfalls 130 Dollar einsparen. Kein Wunder, dass Hummer-Verkäufe in diesem Jahr um 47 Prozent einbrachen – und neben Dan Towbin noch sieben weitere Hummer-Verkäufer die überdimensionierten Segel strichen.

Was die Hummer-gewohnten Jungs und Mädels aus den Fernsehserien "CSI: wo-auch-immer" demnächst fahren werden, wird sich noch klären müssen. Sollte sich ein Käufer in Russland, Asien oder dem Nahen Osten finden, wo Hummer immer noch extrem gesunde Zahlen schreibt, müssten Horatio Caine und Mac Taylor wohl auf einen Opel Astra umsteigen, man stelle sich vor! Dan Towbin, der schillernde Autoverkäufer aus Nevadas Wüsten-Babel hat jedenfalls schon mal vorgesorgt – er hat gerade eine SMART-Vertretung in Las Vegas eröffnet.

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