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Handy-Unfall im Iran: Karaoke-Selfie endet im Krankenhaus

Jung sein, Spaß haben und lauthals singen - das gibt es auch im Iran. Leider auch Unfälle mit Smartphones. In Deutschland soll jeder fünfte Unfall am Steuer durch SMS und Co. verursacht werden.

Zwei iranische Mädchen sind zu unfreiwilligen Internet-Berühmtheiten geworden. Ihre Karaoke-Darbietung am Steuer führte zu einem Unfall. Während des Stücks "Ghorboni" von Saeed Shayesteh (Video unten) gaben die beiden alles: Augenaufschlag und Liebesherzen inklusive, aber nach nur 15 Sekunden war Schluss. Ihr Fahrzeug prallte auf ein Hindernis. Die schöne Fahrerin hatte es nicht bemerkt, weil sie in die Kamera strahlte.

Wie sehr Social Media auch im Iran zum Alltag gehören, kann man vor allem an weiteren Posts erkennen. Noch im Krankenhaus schossen die Mädchen die nächsten Bilder. Damit zeigten sie aber auch, dass sie nur leichte Verletzungen erlitten.

Nur weil am Ende nichts passiert ist, sollte man das Hantieren mit dem Smartphone am Steuer nicht unterschätzen. Unter dem Motto "Tippen tötet" warnt in Deutschland eine Kampagne vor den Gefahren von SMS-Schreiben und E-Mails-Lesen am Steuer. Die Warnung ist richtig, das Motto etwas altmodisch. Echte SMS werden kaum noch geschrieben, die neuen Gefahren heißen Selfies und Facebook-Status.

Die niedersächsische Verkehrswacht will auf den Autobahnen und in großen Städten mit knallgelben Plakaten auf die Gefahren der Handy-Nutzung im Straßenverkehr aufmerksam machen. Mailen und Simsen soll das Unfallrisiko um das 23-fache erhöhen. Zwar gibt es keine genauen Daten, doch nach Schätzungen der Versicherungsbranche sollen 20 Prozent aller Unfälle auf das Tippen zurückzuführen sein, so Daniela Behrens, Staatssekretärin im niedersächsischenVerkehrsministerium.

In den USA sorgte eine ähnliche Kampagne im letzten Jahr für Aufmerksamkeit. Der Dokumentarfilm "From One Second To The Next" von Werner Herzog wurde von dem US-Telefongiganten AT&T für seine "Texting and Driving - It can wait"“-Kampagne in Auftrag gegeben. Auch wenn der Ausdruck vielleicht unpassend klingt: "From One Second To The Next" ist großes Tränenkino. Niemand kann sich seiner Tragik entziehen. Wenn man ihn gesehen hat, ist man aufgewühlt und zutiefst erschüttert. Werner Herzog beobachtet in seinem 35 Minuten langen Film Opfer und Verursacher schwerer Unfälle, die geschahen, weil Fahrer von SMS abgelenkt wurden.

Gernot Kramper
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