Messehostessen Lächeln, bis die Lippe krampft


Lange Arbeitszeiten, langes Stehen, ständiger Trubel und manchmal aufdringliche Besucher: Messehostessen haben einen Stress-Job. Spaß macht er trotzdem. Vor allem, wenn man sich an einen Maserati schmiegen darf.

Iris Müller lächelt und schaut in die Kameras. Das Make-up ist makellos, das glitzernde Designer-Kleid sitzt perfekt. Während die Fotografen im Blitzlichtgewitter ihre Speicherchips voll schießen, lässt Iris die Finger über das Lederlenkrad des Maserati GranTourismo gleiten. Man fragt sich, wer hier eigentlich der Star auf dem Drehteller ist: Der dunkelblaue Sportwagen-Traum oder die nicht minder attraktive Messehostess?

Iris Müller ist eine von vielen hundert Hostessen, die bei der IAA zwei Wochen lang Autoschönheiten präsentieren. "Den ganzen Tag stehen und lächeln - das macht irgendwann die Muskulatur nicht mehr mit", sagt die junge Frau. Wenn die 25-jährige Architektur-Studentin abends nach Hause kommt, ist nur noch Ausspannen angesagt: "Ich esse etwas, schlüpfe in gemütlichere Klamotten und lasse den Abend ausklingen", erzählt sie. "Wenn man im Bett liegt, hat man allerdings das Gefühl, es dreht sich - weil man auf der Messe den ganzen Tag auf der Drehplattform gestanden hat."

Faszinierende Technik in eleganter Hülle

Doch die Studentin liebt ihren Nebenjob. Und das nicht nur, weil die Bezahlung "durchaus akzeptabel" ist. "Mich faszinieren schöne Autos und die ganze Technik, die in so eine elegante Hülle gepackt wird", sagt sie. Die Hersteller wünschen sich natürlich, dass sich ihre Hostessen mit den Autos identifizieren. Bevor die Damen auf den Maserati-Stand geschickt werden, bekommen sie denn auch eine Schulung, bei der es unter anderem um die Historie und die Zielgruppen der italienischen Renner geht. Die Identifikation mit der Marke fällt offensichtlich nicht schwer: "Einmal konnte ich auch selbst einen Maserati fahren - einfach traumhaft", sagt Iris Müller.

Diplomatie des Lächelns

Manche IAA-Besucher scheinen von den Autos allerdings nicht so begeistert zu sein wie von den hübschen Frauen, die die PS-Träume flankieren. Iris Müller kann kaum noch zählen, wie oft sie nach ihrer Telefonnummer gefragt oder zu irgend einer Veranstaltung eingeladen wurde. Da ist dann Diplomatie gefragt: "Auf solche Sachen gehe ich grundsätzlich nicht ein. Natürlich lehnt man immer höflich und mit einem Lächeln ab", sagt sie. Die Hersteller besorgen sich ihre Hostessen meistens über Casting-Agenturen. Nur gut auszusehen und auf Kommando lächeln können, reicht freilich nicht aus. Viele Hersteller wünschen sich ein selbstbewusstes, aber nicht arrogantes Auftreten der Damen. "Es wird darauf geachtet, dass man tough ist - also nicht nur dumm herumsteht, sondern auch einmal schnell etwas organisieren kann und mit problematischen Situationen fertig wird", sagt Iris Müller.

Gerade bei den italienischen Edel-Produzenten Maserati oder Ferrari darf schließlich nicht jeder Besucher auf den Stand. Wer nicht zu den Auserwählten gehört, wird bestimmt, aber höflich wieder weggeschickt - wie in einer angesagten Diskothek. Bei einer Automesse mit Besuchern aus aller Welt sind auch sprachliche Hürden zu überwinden. Gute Englischkenntnisse sind für eine Messehostess Pflicht, eine zweite Fremdsprache oft erwünscht. Ein attraktives und gepflegtes Äußeres ist natürlich immer ein Kriterium und auch die Figur muss passen: Die Messekleider haben oft Größe 34 oder 36. So auch die edlen Tücher der italienischen Star-Designerin Mariella Burani, mit denen Maserati die Hostessen einkleidet.

Heiratsantrag neben Ferrari und Maserati

Das Alter der Messehostessen schwankt je nach Hersteller. Bei manchen Messeständen hat man das Gefühl, die Hostessen wurden alle von einer Abi-Fete weggezerrt und unter der Versprechung "Wir machen einen Star aus dir" in die hautengen Klamotten gesteckt. Je edler die Marke, desto seltener hat man allerdings den Eindruck vom Messe-Kindergarten. Bei Maserati zum Beispiel ist die jüngste Hostess 22, die älteste 28. Bis zum 23. September müssen die vielen hundert jungen Damen noch jeden Tag perfekt gestylt sein, sich auf Motorhauben räkeln und in die Kameras lächeln. Neben der Bezahlung gibt es meistens Abschiedsgeschenke von den Herstellern - und manchmal lustige Erinnerungen: "Einmal," erinnert sich Iris Müller, "hat ein Besucher einer Hostess direkt auf dem Stand einen Heiratsantrag gemacht."

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