Oldtimer Rolls-Royce zum Schleuderpreis


Vom Morris Minor bis hin zu Rolls Royce, Porsche, BMW-Isetta, DKW oder Ford-T-Modell reicht die Spanne. Schon für knapp 10 000 Euro wechselt am Kap ein exzellent restaurierter Chevrolet Tourer aus dem Jahre 1929 den Besitzer - Ersatzteile inklusive.

Kurz hinter Hout Bay zieht Michael Bernecker die Gänge seines roten Jaguar E hoch und jagt ihn durch die Kurven am Chapman’s Peak. Die Arbeiter entlang Südafrikas spektakulärster Küstenstraße schauen beim röhrenden Sound des Prachtexemplars erstaunt auf. Das gepflegte Cabriolet ist ein Hingucker - auch wenn rund um Kapstadt an gut restaurierten Oldtimern kein Mangel besteht. "Er hatte gerade mal 50 000 Kilometer auf dem Tacho, als ich ihn in Johannesburg gekauft habe", sagt der Münchner, der die Hälfte des Jahres in seinem Haus am Kap verbringt. So wie er entdecken immer mehr Ausländer in Südafrika nicht nur attraktive Wohnlagen, sondern auch das enorme Oldtimer-Potenzial des Landes.

Vom Morris Minor bis hin zu Rolls Royce, Porsche, BMW-Isetta, DKW oder Ford-T-Modell reicht die Spanne. Schon für knapp 10 000 Euro wechselt am Kap ein exzellent restaurierter Chevrolet Tourer aus dem Jahre 1929 den Besitzer - Ersatzteile inklusive. Ein gut erhaltener Buick aus den 40er Jahren bringt es gerade mal auf 38 000 Rand (4000 Euro), einen Rolls Royce gibt es schon ab 149 000 Rand (16 000 Euro). Gepflegte Nachkriegsmodelle wie der DKW Junior aus den 1960ern sind dagegen ab 20 000 Rand (2400 Euro) zu haben, eine BMW-Isetta, ein VW- Käfer mit Bretzelfenster oder ein Goggo-Coupé für um die 30 000 Rand (3650 Euro). Lediglich Raritäten wie Porsches 356 BT6-Cabriolet mit Hard-Top aus dem Jahre 1963 sind auch am Kap mit rund 290 000 Rand relativ hochpreisig.

"Viele Südafrikaner ahnen gar nicht, was diese Autos wert sein können"

In Südafrika, wo zu Zeiten der Apartheid vor allem im Bergbau das große Geld verdient wurde, wurden alle PS-Klassen aus aller Herren Länder importiert. Die weißen Ingenieure, Zuckerbarone und Manager verdienten gut, und Autos waren ein Teil der Kompensation für das mitunter eintönige Leben in den entlegenen Siedlungen. Die guten Wetterverhältnisse in den meisten Landesteilen stellten sicher, dass die Fahrzeuge kaum Rostprobleme bekamen. So manches Auto hat auch nach 50 Jahren noch immer den Originallack und sieht aus wie neu.

"Viele Südafrikaner ahnen gar nicht, was diese Autos wert sein können", sagt Patricia Brenner. Die 34-Jährige Deutsche ist Managerin von MotorClassic - einem noch jungen Unternehmen, das den Tourismusboom am Kap mit dem Wunsch nach Nostalgie und Exklusivität kombinieren will. Mit 21 Oldtimern sieht sich das Ende April an den Start gegangene Kapstädter Unternehmen als weltweit größtes seiner Art. Die Bandbreite reicht vom Flaggschiff - einem feuerroten Jaguar E-Coupe - über einen 45 Jahre alten Bentley SII oder einen nur leicht jüngeren Volvo P 1800 bis hin zum legendären VW-Käfer-Cabrio. Der jüngste Bolide ist ein Jaguar XK8-Cabriolet aus dem Jahr 1997.

Treibende Kraft hinter MotorClassic ist der Möchengladbacher Unternehmer und Oldie-Fan Ullrich Walter. Als er vor zwei Jahren nach Kapstadt zog, machte er sein Hobby zum Geschäft. Vor allem Hochzeits- und Filmgesellschaften klopften bisher bei ihm an, um sich einen seiner automobilen Veteranen auszuleihen. Nur ein paar Kilometer weiter, im Weinanbaugebiet um Paarl, hat der Deutsche Fred Uhlendorff gerade seine Autokollektion um ein rares Stück Autogeschichte bereichert: einen seltenen Mercedes-Pritschenwagen, von dem nur 160 Stück gebaut wurden. "Weltweit gibt es nur noch einige Exemplare, die fahrbereit sind", freut sich Uhlendorff.

Von Ralf E. Krüger


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