Porsche Rennplakate Die 24 Stunden von Zuffenhausen


Rennwagen, Pisten und verdreckte Fahrergesichter fliegen durcheinander. Dazwischen Ziffern, Buchstaben und Stoppuhren. Rennplakate dokumentieren die Gummispur, die Porsche in der Renngeschichte hinterlassen hat.

Fast jeder kleine Junge weiß, wie ein Porsche aussieht. Fast jeder große Junge weiß auch, wie er sich anhört. Nur wenige Jungen wissen, wie er sich fährt. Die Erfolgstory der Autos aus Zuffenhausen begann 1948, als Ferry, der Sohn vom großen Ferdinand Porsche, aus dem Schatten des Vaters heraustreten wollte. Die Konstruktion des ersten Porsche 365 wurde zu Ferrys Vermächtnis und die Erfolgsgeschichte der schnellen Autos begann.

Denn schon im gleichen Jahr gewann der 365er seine erste Straßenmeisterschaft. Insgesamt ca. 28.000 Siege folgten bis zum Jahr 2008. Ein Name begleitet die Siege und deren Präsentation auf Papier durch die Jahrzehnte: Erich Strenger, Grafiker bei Porsche und Gestalter unzähliger Rennplakate.

"Porsche- Die Rennplakate", ein Bildband im Großformat, herausgegeben von Jürgen Lewandowski, präsentiert die plakativen Momente der Motorssporterfolge von 1951 bis heute. Die Poster, individuell für jedes Rennen und als Gesamtwerk fürs Jahr gestaltet, illustrieren die Siege und zeigen Strengers visionäres grafisches Können. Ursprünglich nur für den Porsche Rennstall gefertigt, fanden die begehrten Plakate bald eine eigene Anhängerschaft. 1983 war Porsche bereit, die Poster in einer 1000er Auflage nachzudrucken.

Porsches Rennsiege bis 1984 waren überwiegend Straßenrennen. Namen, die das Adrenalin im Blut schneller fließen lassen: Die Siege bei der Mille Miglia, der Carrera Pan Americana quer durch Südamerika, der Targa Florio, auf dem Nürburgring sowie bei über zwanzig Europäischen Bergmeisterschaften sind auf den großformatigen Plakaten verewigt. Die ersten Siegesmeldungen aus dem Jahre 1953 aus Südamerika mit den 365er wurden mit Aquarellfarben gemalt. Das perspektivisch nach links unten aus dem Bild flitzende Porsche Cabrio saust an einem vergeistigt blickenden Aztekenkopf vorbei. Die gewischte Optik und die kunstvoll eingesetzten weißen Glanzstreifen verleihen dem Bild eine Spannung und Dynamik, wie man sie sonst von Filmplakaten kennt.

Wie vorausschauend Erich Strenger nicht nur Plakate sondern auch Schriften entwarf, sieht man an dem Porscheschriftzug, der 1952 erstmalig auftauchte. Stand ein Jahr zuvor noch Porsche-Zuffenhausen in banal schnörkelloser Schrifttype am unteren Bildrand, so verschwand das provinziell klingende Zuffenhausen vollständig und der Porscheschriftzug bekam die noch heute verwendete Optik, bei der jeder Buchstabe breiter ist als hoch. Ein für die frühen 50er Jahre, die von Nierentischen und Heimatfilmen nur so wimmelten, avantgardistischer und mutiger Wurf.

Neben den Straßenrennen dominierte Porsche in den Langstreckenrennen. Die 12 Stunden von Sebring wurden 18mal gewonnen, das 24-Stunden-Rennen in Daytona 20mal, die IMSA Supercar-Rennen 15mal, Le Mans (24-Stunden-Rennen) bis heute 16 Siege. Alles Namen, die den Steve McQueen in jedem Fahrer wach werden lassen. Der bekam übrigens damals ein eigenes Plakat. In Sebring errang er 1970 auf seinem Porsche 908 den zweiten Rang.

Visionäre Gestaltung

Strenger wusste jeden Erfolg neu zu gestalten. Länderfahnen, Rennstreckennamen, stilisierte Uhren, Porschemobile gezeichnet und fotografiert, Fahrerbilder, die aktuellen Jahreszahlen und Schriftzüge wirbelten durcheinander. Mal schräge versetzt oder durch Auspuffdämpfe optisch verzerrt, ineinander verschlungen, transparent, vertikal gesetzt und farblich abgestuft, keines der Plakate ist langweilig. Schon in den Sechzigern arbeitete Strenger mit Vierfarbfehldruckfarbverläufen, eine Technik die, absichtlich eingesetzt, erst in den 80ern in dem kreativen Durcheinander der Fanmagazine bekannt wurde. Jedes Bild ist ein gebrauchsgrafisches Kunstwerk.

Natürlich spiegeln die Poster auch den Wechsel der Jahrzehnte. Die Fünfziger präsentierten sich in stark perspektivischen Bildern, die Sechziger warten mit originellen Stilisierungen und Reduzierungen auf. Die Poster aus den Siebzigern bringen psychedelische Effekte in den Rennsport: Porschemotoren sparkeln in solarisierenden Discofarben. Der Gruseleffekt, den man heute beim Betrachten von Bildstrecken der Achtziger hat, bleibt aus. Strenger konnte selbst den wirren Achtzigern Klasse abgewinnen. Seine Bildsprache ist von optischer Klarheit geprägt.

Kein Sinn für Ästhetik

1984/85/ und 86 enterte Porsche den Olymp des Rennsportes, die Formel Eins. Fünfundzwanzig Siege und drei Weltmeisterschaften für McLaren mit Porsche Motoren waren das Ergebnis. Jochen Maas, Stefan Bellof und Jacky Ickx erscheinen auf den Werkspostern. Nach 1986 zog sich die Firma aus Zuffenhausen aus dem Formel Eins Sport zurück, nicht aber aus dem Motorsport. Etwas erdverbundener geht es auf den Siegesbildern der Rallyes zu. Der Porsche 911 mit Vierradantrieb präsentiert sich dreckverkrustet. Er kann sich die Schmuddeloptik leisten. Der Slogan 1986 lautet: "Triumph der Zuverlässigkeit". Sechs on- und offroad Siege bei den Rallyes Paris- Dakar und Monte Carlo machen aus dem Rennwagen einen echten Offroad- Familienbenutzer.

Das Porsche Werk nennt jetzt Wendelin Wiedeking seinen Vorstandsvorsitzenden. Er und sein Rennteam in Weissach setzen statt auf die teure Formel Eins verstärkt auf GT-Rennen und förderten diverse Porsche-Cups. Eine Entwicklung, die die Verkaufszahlen der renntauglichen Autos stark erhöhte. Der 911 GT3R, ein 410 PS starker Rennwagen, der auch von ambitionierten Privatrennfahrern in den Porsche Cups gefahren werden kann, war für schlappe 180.000 Euro schon fast ein Schnäppchen, seit 1990 verkaufte Porsche weltweit über 1000 Stück. Die Neuzeit seit 2006 präsentiert den Supercup Rennwagen Porsche RS Spyder. Auch er geht bei Semi-Profis weg wie warme Semmeln. Wendelin Wiedeking macht selbst mit dem klassischen Verlustbringer "Autorennen" noch Gewinn. Der Optik der Rennplakate litt dagegen unter Wiedeking. Seit 1996 ziert mittig und prominent unter dem immer noch modern wirkenden Porscheschriftzug von 1952 das Porsche Wappen die Rennplakate. Die Poster sehen damit nicht spannender aus als eine beliebige Zeitungswerbung.

Marina Kramper

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