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Preisexplosion Urlaubsschock – Mietwagen zehn Mal teurer als vor der Pandemie

Euen Mietwagen verspricht unbeschwerte Mobiltät im Urlaub.
Euen Mietwagen verspricht unbeschwerte Mobiltät im Urlaub.
© Getty Images
Ein Mietwagen am Urlaubsort – das war ein billiges Vergnügen, doch in dieser Saison explodieren die Preise.

Endlich wieder Sonne tanken, endlich wieder Süden. Doch das Aufatmen nach dem Lockdown wird häufig getrübt, wer zu seinem Urlaubsflug einen Mietwagen dazu bucht, erlebt eine üble Überraschung: Der fahrbare Untersatz kostet schnell mehr als Unterkunft und Flugreise.

Und das auch oder gerade bei Kleinwagen. In den Jahren zuvor waren Wagen der Polo- und auch der Golfgröße am Mittelmeer ausgesprochen billig. Buchte man für 14 Tage, konnte man sich für etwa 10 Euro pro Tag mobilisieren und das auch noch zu guten Konditionen. Ab 150 Euro war man dabei, und mehr als ein Corsa brauchte es häufig nicht für die Fahrt vom Ferienhaus zum Strand.

Die Verhältnisse haben sich komplett geändert. Anstatt von Preisen zwischen 150 und 230 Euro muss man inzwischen mit 1500 und über 2000 Euro für zwei Wochen rechnen. Die Verhältnisse sind regional unterschiedlich, aber der empfindliche Preisanstieg ist im ganzen Mittelmeerraum zu spüren. Am teuersten wird es dort, wo es zuvor am billigsten war: auf den Balearen.

Dahinter steckt keine Urlauber-Abzocke, Portugal ist ein Beispiel: Kaum wurden die Reiseregeln in Großbritannien gelockert, wurde das Land praktisch über Nacht von Briten leergebucht. Nun ist Portugal wieder auf die Rote Liste von London geraten ,und die Briten fliehen von der Algarve, um eine Quarantäne zu vermeiden. Übersetzt auf Mietwagen bedeutet das: von null auf hundert Prozent Auslastung und wieder zurück auf null - und das in wenigen Wochen.

Bars, Hotels oder Restaurants habe keine Wahl: Sie können die Kapazität mit weniger Personal herunterfahren, doch sie behalten Tische und Zimmer. Bei Mietwagen sieht das Geschäftsmodell anders aus: Die Kleinwagenflotten der Großanbieter werden jede Saison ausgetauscht. Darum hat auch kaum ein Mietwagen dieser Größe in den Ferienregionen mehr als 10.000 Kilometer auf dem Tacho.

Im Prinzip läuft das Modell so: Die Verleiher kaufen riesige Mengen an Kleinwagen zu Preisen, die etwa 40 Prozent unter den Listenpreisen liegen. Die Hersteller haben so verlässlichen Abnehmer und frisieren ihre Zulassungszahlen nach oben. Am Ende der Saison werden die Fahrzeuge aus der Flotte genommen und als „junge Gebrauchte“ irgendwo in Europa angeboten. Der Käufer zahlt dann mehr, als der Vermieter für den Wagen neu bezahlt hat. Der gesamte Erlös aus dem Mietgeschäft ist Marge.

Da rechnen sich dann auch neun Euro am Tag. Dazu verdienen die Vermieter am Zusatz Geschäft. Mit Bringdiensten, Abholung, einem Upgrade des Versicherungsschutzes wird weit mehr verdient. Familien wissen: Zwei Kindersitze sind teurer als das ganze Auto.

Keine Planungssicherheit

Doch in der Corona-Krise ist diese Kleinwagen-Pumpe ins Stottern geraten. Denn ohne Urlauber funktioniert der Kreislauf nicht. Die Anbieter haben ihre Bestellungen massiv nach unten gefahren. Einfach gesagt: Im Wesentlichen sind Fahrzeuge der letzten Saison im Markt.

Und kurzfristig können die Vermieter nicht reagieren. Die Mini-Preise erhalten sie nur, wenn sie mit großem Vorlauf Modelle ordern. Wer von heute auf morgen hundert Kleinwagen haben möchte, bekommt auch als Großabnehmer keine 40 Prozent Rabatt.

Und das Beispiel Portugal zeigt, wie riskant ein Aufblähen der Flotte ist. Es muss nur eine neue Variante auftauchen, und das Geschäft geht innerhalb einer Woche auf null.

Ende eines Modells

Dazu kommen weitere Faktoren. Der Kauf der Mietwagenflotte wird über eine Bank finanziert. Und die Finanzhäuser haben sich bei diesem unsicheren Geschäft zurückgehalten. Dazu führt ein Mangel an Chips bei fast allen Autoherstellern zu Produktionsengpässen. Da ist die Neigung gering, die wenigen Fahrzeuge dann so zu verschleudern. Außerdem haben die Mietwagenfirmen Konkurrenz bekommen. Wenn Autos schon so weit unter dem Listenpreis abgegeben werden, ziehen Hersteller es inzwischen vor, Anbieter von Billig-Leasing-Angeboten und Auto-Abos zu beliefern.

Das sind die Lösungen

Für den Urlauber gibt es durchaus Lösungen. Gerade in Zeiten der Pandemie ist eine Finca oder ein alleinstehendes Landhaus attraktiv. Doch dafür benötigt man meist zwingend ein Auto. Alternative ist ein Urlaub mit Anreise im eigenen Fahrzeug. Das schränkt allerdings die Wahl der Urlaubsländer ein.

Bei Flugreisen können die Orte und geschlossene Ressorts eine Alternative sein, bei denen der Urlaub an einem Ort verbracht und alles zu Fuß zu erreichen ist. Der Transfer vom Flughafen ist im Reisepreis inkludiert. Städtereisen und Kreuzfahrten kommen ohne Mietwagen aus – ein Fahrradurlaub natürlich auch. Zu Bedenken ist dabei, dass die beliebten E-Bikes in aller Regel nicht als Sportgerät bei Flugreisen mitgenommen werden können.

Ansonsten muss man diese Saison mit mehr als 1000 Euro Aufpreis für den Mietwagen rechnen. Einziger Tipp: Bevor Flug und Unterkunft gebucht werden, sollte man sich unbedingt nach Preisen und Verfügbarkeit der Autos erkundigen. In der Hochsaison kann es passieren, dass das Angebot noch knapper wird.


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