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Rallye Dakar: Todesfall hätte verhindert werden können

Nach Meinung der argentinischen Polizei hätte der gestern gefundene Motorradfahrer Pascal Terry nicht sterben müssen. Bei früherer Alarmierung der Polizei durch die Rennleitung hätte eine sofortige Suche das Leben des Franzosen retten können, so die Einschätzung der Behörde.

Der Tod des Motorradfahrers Pascal Terry hätte nach Polizei-Einschätzung vermieden werden können und hat zu harter Kritik an den Dakar-Organisatoren geführt. Eine frühere Alarmierung der Polizei durch die Rennleitung wäre notwendig gewesen, zitierten argentinische Medien am Donnerstag den Polizeikommissar Julio Acosta. "Er hätte gerettet werden können, wenn er rechtzeitig gefunden worden wäre." Nach Krankenhaus-Angaben ist der Franzose an einem Herzinfarkt als Folge eines Lungenödems gestorben. Auch in Frankreich wurde harte Kritik an den Veranstaltern laut.

Die Rallye ging weiter. Die Donnerstag-Etappe wurde erst mit zwei Stunden Verspätung aufgenommen, da die Strecke wegen Unpassierbarkeit einer Wasser-Durchfahrt von 394 auf 178 Kilometer verkürzt werden musste.

Terry war am Sonntag wegen Spritmangels liegen geblieben und hatte kurz darauf ein Notsignal abgesetzt. Die Suche lief jedoch erst am Montag an. Dann sei die Suche sogar unterbrochen worden, weil Pascal Terry angeblich in einem Zwischenlager der Rallye in Neuquén gesichtet worden war. Erst als sich dies als Irrtum herausstellte, wurde die Suche wieder intensiviert und die Leiche Terrys am frühen Mittwochmorgen gefunden. Die Rennleitung räumte zunächst keine Fehler ein. Dagegen wurden in den französischen Medien die Organisatoren der Rallye, die französische Firma "Amaury Sport Organisation" (ASO), an den Pranger gestellt.

Alles deute auf einen "unglaublichen Fehler" der ASO hin, schreibt das Blatt "Ouest France" in seiner Onlineausgabe. "Es ist in der Tat unmöglich, einen Piloten aus den Augen zu verlieren, dessen Notsignal-Instrumente funktionieren", meinte die Zeitung. Pascal Terry habe ein Signal abgegeben, das in Paris zwar empfangen, in Argentinien aber nicht rechtzeitig weitergeleitet worden sei. Die Tageszeitung "Liberation" beklagt, dass die Suchaktion "aufgrund eines Kommunikationsfehlers zwischen Paris (wo die GPS-Daten der Piloten eintreffen) und dem Südosten Argentiniens" mit etwa zwölfstündiger Verspätung gestartet sei.

Von "totalem Chaos" bei ASO sprach der Radiosender France Info auf seiner Internetseite. Rallye-Direktor Etienne Lavigne stellte fest: "Es gibt Sachen, die man sich nicht erklären kann. Die Nachricht vom Notsignal ging in Paris am 4. Januar ein, und wir wurden erst am Morgen des 5. informiert."

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385 von 500 Fahrzeugen sind nach Angaben der Organisation noch im südamerikanischen Schotterrennen. Am Mittwoch hatte Nasser Al-Attiyah aus Katar im BMW X3 des deutschen X-Raids die Führung vor dem Deutschen Dirk von Zitzewitz und dessen südafrikanischen Fahrer Giniel de Villiers im VW Touareg übernommen. Der bisherige Spitzenreiter Carlos Sainz war nach einem Unfall mit dem VW Touareg auf den dritten Platz zurückgefallen.

Dem Radiosender Cadena 3 sagte Sainz, er habe einen Stein ungünstig getroffen, worauf die Servolenkung ausgefallen sei. Bei einem Überschlag wurden an seinem Auto die Motorhaube und Teile der Dachverkleidung fortgerissen. Sainz und sein Co-Pilot Michel Périn blieben unverletzt. Das Fahrzeug wurde über Nacht so gut wie möglich repariert und war auf der 6. Etappe wieder am Start. Der spanische KTM-Pilot Marc Coma baute am Donnerstag auf der verkürzten sechsten Prüfung seine Führung auf 40:29 Minuten zu dem US-Amerikaner Jonah Street auf der privaten KTM aus.

Jan-Uwe Ronneburger und Toni Hoffmann, dpa / DPA

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