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Ältere Autofahrer im Straßenverkehr: Oma muss doch nicht zum Senioren-TÜV

Unfallforscher wollen Senioren regelmäßig zum Nachsitzen in die Fahrschule schicken. Doch daraus wird nichts, sagt das Verkehrsministerium – zum Glück.

Senioren reagieren langsamer, fahren dafür aber auch vorsichtiger.

Senioren reagieren langsamer, fahren dafür aber auch vorsichtiger.

Opa am Steuer – das wird teuer. Lesen wir nicht regelmäßig von verwirrten Senioren, die mehrere Wagen auf dem Parkplatz zusammenschieben oder deren Irrfahrt in einem Schaufenster endet? Viele Storys bedeuten aber nicht viele Unfälle. Der rasende Rentner teilt das Schicksal des Hais: Insgesamt werden zwar nur sehr wenige Menschen von einem Hai getötet, aber jeder einzelne schafft es weltweit in die Medien. Ähnlich kommen die Opas mit ihren Stunts in die Presse.

Unterproportionaler Anteil 

Es gibt Auffälligkeiten im Straßenverkehr: "Wenn Senioren über 75 Jahren in Unfälle verwickelt sind, haben sie diese zu rund 75 Prozent selbst verursacht", sagte der Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV), Siegfried Brockmann. Die Quote liege damit höher als bei der Hochrisikogruppe der 18- bis 24-Jährigen. Dennoch kann man kaum von einer besonderen Gefahrenquelle sprechen. 2013 betrug der Anteil von Senioren an Unfällen mit Personenschaden 11,8 Prozent. Laut Statistischem Bundesamt entspricht dies, gemessen am Seniorenanteil der Gesamtbevölkerung von rund 21 Prozent, einer unterproportionalen Unfallbeteiligung. Auch wenn man weitere Faktoren berücksichtigt, dürfte sich das Bild des rasenden Rentners kaum halten lassen. Sicherlich dürfte ein größerer Anteil der Senioren nicht mehr Auto fahren, anderseits müsste man beim Vergleich zum Bevölkerungsdurchschnitt auch bedenken, dass unter 18-jährige überhaupt kein Auto steuern dürfen.

Teurer Spaß für Senioren

Die Vorschläge, die vor dem Verkehrsgerichtstag in Goslar gemacht wurden, sehen  einen regelmäßigen Senioren-TÜV vor. In einigen Ländern der EU ist ein einfacher medizinischer Eignungstest ab einem bestimmten Alter vorgeschrieben. So kann relativ einfach verhindert werden, dass Personen, die die körperlichen Voraussetzungen für den Straßenverkehr nicht mehr mitbringen, weiterhin am Steuer sitzen. 

Die Unfallforschung der Versicherung hat in zwei Studien untersucht, wie sich die abnehmende Leistungsfähigkeit auf das Fahrverhalten auswirkt. Das Ergebnis: gar nicht. Es "bedeutet, dass Personen mit einer geringen individuellen Leistungsfähigkeit durchaus noch gut gefahren sind und umgekehrt. Ältere Pkw-Fahrer kompensieren ihre nachlassende Leistungsfähigkeit und passen ihre Fahrweise an." Ein System von Prüfungen hört sich vernünftig an, in der Praxis lässt sich aber kein positiver Effekt nachweisen. Fazit. "Die Ergebnisse der UDV-Studien unterstützen keine verpflichtende Fahreignungsprüfung für ältere Pkw-Fahrer."

Notbremsung Verkehrsministerium 

Die Lösung der Unfallforscher ist allerdings nicht, auf eine nutzlose Prüfung zu verzichten. Sie plädieren für ein weit aufwendigeres Verfahren. Dem Leistungsverfall des Alters wollen sie mit individuellen Test-und Schulungsfahrten beikommen. Nebenbei wäre dieser Plan eine weitere Goldader für die Fahrschulen. Ob dieses System allerdings bessere Ergebnisse bringt, ist nicht gesichert. Doch auf absehbare Zeit wird es dazu nicht kommen. "Pflicht-Tests für Senioren am Steuer wird es nicht geben", teilte das Bundesverkehrsministerium  mit. "Wir setzen auf Freiwilligkeit und wollen die Autofahrer nicht bevormunden."

Hilft die Technik?

In der Zukunft wird sich die Gesellschaft in jedem Bereich auf mehr Senioren einstellen müssen, auch im Unfallgeschehen. Das liegt einfach daran, dass es immer mehr Senioren gibt und sie mehr als früher am gesellschaftlichen Leben teilnehmen als früher. Doch es gibt einen Lichtblick: Ältere Fahrer geben mehr Geld als andere Altersgruppen für ihr Auto aus und sind bereit, in Assistenzsysteme zu investieren. Abstandswarner und Notbremssysteme dürften die körperlichen Gebrechen vermutlich besser ausgleichen als Nachsitzrunden in der Fahrschule.

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Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.