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Teure Extras: Frech wie Oskar

Was ist schon ein Auto ohne die netten Annehmlichkeiten, wie Sonderausstattungen und Komfortdetails? Die Hersteller kassieren hier fürstlich ab. Oftmals ohne Sinn und Verstand.

Auch wenn die Serienausstattungen in den vergangenen Jahren immer umfangreicher geworden sind, sind die Listen mit den Sonderausstattungen keinesfalls kürzer. Manche Hersteller können den Buchcharakter der Optionsliste nur dadurch vermeiden, dass sie Extras und Preise in Kleinschrift darstellen. Der Einfallsreichtum kennt dabei kaum Grenzen. Premium- oder Volumenhersteller - Luxus- oder Kreisklasse, In- oder Ausland haben alle schwarzen Schafe. Besonders ärgerlich sind die Navigationssysteme, die den Shell-Atlanten von einst den längst überfälligen Rang abgelaufen haben. Exzellente Routenhelfer gibt es im Zubehörhandel bereits ab rund 150 Euro - für ganz Europa, inkl. neuesten Kartenmaterials und Stauumfahrung. Die Hersteller lassen sich Bildschirmsysteme mindestens 1.700 Euro kosten. Einige Hersteller ziehen ihren Kunden für den rechten Weg mehr als 2.500 Euro aus der Tasche - das grenzt fast an Wucherei.

Doch es wird noch besser. Bestellt man einen Mercedes ML 320 CDI zum Beispiel mit dem fraglos guten und 2629 Euro teuren Bildschirmnavigationsystem Command APS mit Bluetooth-Kompatibiltät kann man damit keinesfalls gleich eine Verbindung zu seinem Mobiltelefon herstellen und telefonieren. Hierfür muss nochmals ein rund 600 Euro teurer Bluetooth-Adapter bestellt werden. Ein solcher Adapter kostet in der Computerbranche zwischen 10 und 30 Euro - die Autohersteller verlangen für die gleiche Technik zwischen 200 und 700 Euro. Produzenten von Vans und Kombis verweisen nur allzu gern auf die grenzenlose Variabilität, die kaum Grenzen kennt. Eine verschiebbare Rückbank, Zurrösen und ein sinnvolles Gepäckkonzept kostet jedoch ebenfalls unangenehme Aufpreissummen. Schnell ist ein halber tausender beisammen - nur damit der Kombi das kann, was er soll: laden.

Ford gibt sich Blöße

Doch es sind nicht nur die teuren Extras, die einem beim Studium der Bestelllisten den letzten Nerv rauben. BMW verlangt wie viele andere für die Abschaltfunktion des Beifahrerairbags unglaubliche 40 Euro. Fiat möchte nicht zurückstehen und berechnet seinen Kunden beim Kompaktklassemodell Bravo für eine praktische 12-Volt-Steckdose im Kofferraum 30 Euro. Auch Volumenhersteller Ford, der mit Stolz und Nachdruck auf die kompletten Serienausstattungen verweist, gibt sich zahlreiche Blößen. Eine geringfügig verstärkte Batterie schlägt bei kleineren Modellen schon einmal mit 75 Euro zu Buche. Ein Aschenbecher kostet wie bei vielen zehn Euro Aufpreis. Einen zweiten Fahrzeugschlüssel mit Funkfernbedienung lassen sich Kölner mit frechen 50 Euro vergolden - ebenso wie der Szene-Hersteller Mini, der ab Werk nahezu nackt ausgeliefert wird. Der in unendlicher Zahl zu variierende Spaßmacher sieht besonders im Streifenlook cooler denn je aus. Die Klebefolien mit einem Realpreis von wenigen Euro kosten schnell ein paar hundert Euro. Wer noch 20 Euro übrig hat, entscheidet sich noch für die gesicherten Radmuttern. Dass ESP, beheizbare Spiegel und Klimaanlage trotz üppiger Preise trotzdem extra kosten, sei nur am Rande erwähnt. Ganz nebenbei: die teuren Extras haben noch keinen Mini-Kunden abschreckt.

Sonst gibt es auf den hinteren Plätzen billige Fensterkurbeln

Wer denkt, dass sich nur deutsche Hersteller Selbstverständlichkeiten teuer bezahlen lassen, irrt. Peugeot schreckt selbst davor nicht zurück, für die seit vielen Jahren etablierten elektrischen Fensterheber des neuen Peugeot 308 Tendance an den hinteren Türen 260 Euro zu verlangen - sonst gibt es auf den hinteren Plätzen billige Fensterkurbeln. Der Kunde zahlt es ebenso gern wie die Fußmatten, um die beim Neuwagenkauf oft noch hart gefeilscht werden muss. Matten vorne und hinten sind je nach Hersteller kaum unter 80 Euro zu bekommen. Smart verlangt bei seinem knuffig-trendigen Fortwo sogar für die Cockpituhr und den Drehzahlmesser 145 Euro Aufpreis. Da fällt es kaum noch ins Gewicht, dass ein abschließbares Handschuhfach, das seinen Durchbruch in den frühen 70er Jahren feierte, nach wie vor mit 30 Euro berechnet wird. Das Basismodell hat nicht einmal elektrische Fensterheber.

Stefan Grundhoff/Pressinform

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
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