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Mercedes-Benz CLK 280 Cabrio: Schwäbische Sonnenbank

Echte Cabriolet-Fans kennen keinen Schmerz. Sie sind daran zu erkennen, dass sie auch in der kühlen Jahreszeit mit geöffnetem Verdeck unterwegs sind. stern.de-Redakteur Jens Maier hat im Mercedes-Benz CLK Cabriolet die Härteprobe gemacht.

Mütze, Wollschal und Handschuhe gehören leider nicht zur Serienausstattung des Mercedes-Benz CLK 280 Cabriolets. Warum das so schlimm ist? Ich darf das Verdeck nicht schließen - egal bei welchem Wetter. Eine Woche lang soll ich den Viersitzer offen durch den Hamburger Schmuddelherbst bewegen. Recherche nennen Journalisten so was. Ich soll testen, wie alltagstauglich das Cabriolet in der kühlen Jahreszeit ist. Denn angeblich fahren echte Cabriolet-Fans immer offen. Und was passiert wenn’s regnet? Hab’ ich auch gefragt. Ein Schulterzucken meines Chefs war die Antwort. Wie weit ich mich von der Firmentiefgarage - neben dem Elbtunnel meine letzte Rettung bei Regenschauern - entfernen kann, soll deshalb die Wettervorhersage beantworten. Und ein kräftiges Hoch sagt mir: sehr weit!

Sitz- und Lenkradheizung an, die Klimaanlage auf wohlige 23 Grad temperiert, düse ich am Morgen Richtung Autobahn. Mein Ziel: Freiburg im Breisgau. Über 320 Sonnentage im Jahr kann die Studentenstadt laut Statistik vorweisen - ein Paradies für Cabrioletfahrer. Und vor allem für solche, die ihr Verdeck nicht schließen dürfen. Die Gefahr eines plötzlich einsetzenden Regenschauers nehme ich dafür in Kauf. No risk, no fun! Und wofür gibt es schließlich überdachte Autobahntankstellen.

Doch Petrus hat es gut gemeint. Kein Wölkchen ist am Himmel zu sehen, die Temperaturanzeige im Armaturenbrett zeigt herrliche 24 Grad. Bis zu einer Geschwindigkeit von 140 Stundenkilometern ist dank des Windschotts kaum etwas vom Fahrtwind zu spüren, erst darüber wird es unangenehm. Die neidischen Blicke der 3er-BMW-Fahrer, die in voreiliger Fürsorge um ihre Gesundheit bereits das Hardtop aufgezogen haben, sind dem CLK dabei sicher. Die Lederbestuhlung wird zu meiner privaten Sonnenbank. Der Clou: Belüftete Sitze sorgen dafür, dass der Fahrer nicht ins Schwitzen kommt. Wer jemals den Ledersitz eines aufgeheizten Fahrzeugs bestiegen hat, wird dieses Extra zu schätzen wissen. Jetzt im Oktober ist der Knopf der Sitzheizung allerdings deutlich mehr wert.

Nervöser Bremsfuß fährt mit

Für entspanntes Fahren sorgt zudem der aus der S-Klasse bekannte Tempomat mit Distronic-Funktion. Zumindest dann, wenn man der Technik vertraut. Die Distronic passt die eingestellte Geschwindigkeit automatisch der Fahrsituation an. Fährt ein langsameres Fahrzeug voraus, bremst sie automatisch ab. Gerade im Kolonnenverkehr auf überfüllten Autobahnen macht sich der 1800 Euro teure Abstandsregeltempomat bezahlt. Nervenkitzel kommt allerdings auf, wenn der Vordermann unverhofft in die Eisen steigt. Die Distronic reagiert darauf mit leichter Verzögerung, der Fahrer mit Zucken im rechten Fuß. Doch selbst einzugreifen ist unnötig, die Technik funktioniert zuverlässig, auch wenn man ihr nicht blind vertrauen sollte.

Nach 700 Kilometern erreiche ich Freiburg, die Abendsonne versinkt bereits in den Weinbergen der Rheinebene. Bei kühlen 11 Grad verspüre ich zum ersten Mal ein Kribbeln im rechten Zeigefinger. In nur 20 Sekunden könnte er auf Knopfdruck für einen wärmenden Stoffhimmel sorgen. Die wohlige Wärme einer Freiburger Weinstube rettet mich vor der Versuchung.

Und als wäre der Wettergott ein Cabriolet-Fan, blitzt auch am anderen Morgen die Sonne über dem eleganten Heck des CLK auf. Perfektes Wetter für eine Spritztour ins benachbarte Elsass. Jenseits des Rheins, wo deutlich weniger Cabriolets zugelassen sind als in Deutschland, sorgt der Benz für noch mehr Aufmerksamkeit. Ob Coupé oder Cabriolet, der CLK bleibt ein Showcar, nach dem man sich verzückt die Hälse reckt.

Sanfter Verführer statt Draufgänger

Dabei schlummern die wahren Werte des CLK 280 unter der Haube. Ein Sechszylindermotor mit fast 3 Litern Hubraum und 231 PS sorgen für den nötigen Vortrieb. In 7,8 Sekunden beschleunigt das Cabriolet von Null auf Hundert. Das macht den 1,7 Tonnen schweren CLK zwar nicht zum Sportwagen, aber diese Ambitionen hegt er auch gar nicht - im Gegenteil. Die sanft abgestimmte Automatik verführt zum gemütlichen Cruisen auf Landstraßen und Autobahnen. Der Weg ist das Ziel.

Noch 480 Kilometer zurück bis nach Hamburg. Hinter Kassel ziehen verdächtig dunkle Wolken auf. Jetzt heißt es Daumendrücken. Das Navigationssystem spuckt Notfallpläne aus: Autobahnbrücken, Raststätten und Hotels entlang der Strecke, die Schutz vor Wasser von oben bieten könnten. Zwei bange Stunden später erreiche ich den schützenden Elbtunnel und bin kurz darauf zu Hause. Trocken, warm und glücklich. Den besagten Knopf betätige ich tatsächlich erst nach sieben Tagen. Und als ich kurz darauf mit dem Fahrrad in die Redaktion fahre, gießt es in Strömen.

Jens Maier

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.