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Tuning-Trends: Zwischen Öko-Chips und Flügeltüren

Die Tuning-Szene hat sich in Deutschland zu einer wichtigen Branche gemausert. Stern.de sprach mit Mathias R. Albert über aktuelle Trends und die Zukunft des Tunings.

Stern.de sprach mit Mathias R. Albert, Pressesprecher des deutschen Tuningversandhauses dts und Vorstandsmitglied des Verbands Automobiltuning und -zubehör (VATZ) über aktuelle Trends und die Zukunft des Tunings.

Herr Albert, letztes Jahr waren Flügeltüren zum Nachrüsten ein großer Trend auf der Motor Show. Was wird in diesem Jahr der große Zubehör-Renner?

Flügeltüren sind nach wie vor ein Trend. Einfach deswegen, weil die Anwendungsbreite viel größer geworden ist. Wir haben heute im Flügeltüren-Segment etwa 80 Fahrzeuge, für die diese Türen lieferbar sind. Diese sind eben auch TÜV zugelassen – und das ist ein wichtiges Kriterium. Ein weiterer Trend sind Felgen im so genannten US-Style, mit Chromoberflächen. Also alles, was sich so ein bisschen am amerikanischen Trend orientiert. Das ist mit Sicherheit auch etwas, was hier in Essen 2006 zu sehen ist und die Leute interessiert.

Was hat denn dts dieses Jahr als Highlight mitgebracht?

Dts ist eine Mail-Order-Company, also ein Versandhändler. Dts führt Markenprodukte, unter anderem von FK. Da gibt es Heckleuchten im LED-Style – das heißt, mit eingebauten LEDs. So, wie sie jetzt auch in der Erstausrüstung verbaut werden. Oder auch Frontscheinwerfer mit LED-Einsatz. Das sind die Trend-Produkte, die dts am Stand hat.

Durch die hohen Kraftstoffpreise ist Autofahren so teuer wie nie. Die Autohersteller bringen Billig-Modelle, wie zum Beispiel den Renault Logan. Wird es auch in der Tuning-Branche Knauser-Angebote geben?

Die gibt es sogar schon. Es ist so, dass zum Beispiel Heckleuchten und Frontscheinwerfer in den letzen Jahren immer mehr im Preis gefallen sind. Das hat damit zu tun, dass viele dieser Produkte letztendlich zu Massenware geworden sind und sich Massenmärkte entwickeln. Wenn Sie bestimmte Anwendungen haben, die tausendfach gekauft werden, dann wird auch der Preis entsprechend reduziert werden können. Insofern gibt es eine ganze Reihe von preiswerten Produkten in diesem Markt. Wichtig ist aber trotzdem der Hinweis: Qualität hat ihren Preis, ohne jeden Zweifel. Und insofern ist es so, dass sicherlich die Vielzahl der Produkte, die heute angeboten wird, qualitativ hochwertig ist. Dadurch herrscht eben auch ein Preisniveau, das nicht weit unter dem liegt, wie es vor ein paar Jahren schon war.

Wo wir gerade beim Thema Qualität sind: Die technischen Überwachungsvereine haben in letzter Zeit darüber geklagt, dass Extrem-Tuning nach der Art des Tuning-Kultfilms „The Fast and the Furious“ nach Deutschland geschwappt ist. Mit Umbauten, die jenseits von gut und böse sind. Glauben Sie, dass diese Freaks ein Problem für das Ansehen der Tuning-Branche sind?

Sie haben letztendlich in jeder Branche missbräuchliche Anwendungen. Das können auch wir nicht verhindern. Aber die Masse derer, die heute tunt, weiß sehr wohl, was TÜV-zugelassen ist. Der gesetzliche Spielraum ist im Übrigen sehr groß. Sie können viele Veränderungen am Fahrzeug durchführen, für die sie auch ohne jedes Problem TÜV bekommen. Die große Masse der Tuner hält sich an diese Spielregeln, weiß damit umzugehen. Markenanbieter liefern ausschließlich Produkte, die auch TÜV-zugelassen sind. Der Verbraucher sollte darauf achten, dass er ein entsprechendes Gutachten oder eine ABE (allgemeine Betriebserlaubnis, Anm. d. Redaktion) dazu bekommt. Und dann gibt es auch keine Probleme.

Unter dem Stichwort "Eco-Tuning" entwickeln Chip-Tuner Motorsteuergeräte, die gegenüber dem Original nicht die Leistung erhöhen, sondern den Verbrauch senken. Zeigt sich hier eine völlig neue Ausrichtung des Thema Tunings?

Es ist so, dass zum Beispiel das Unternehmen Carlsson einen Eco-Chip für die Mercedes B-Klasse entwickelt hat. Das Fachmagazin Auto, Motor und Sport hat da gerade aktuell einen Test abgeschlossen. Das getunte Auto hat in der Tat auf der Autobahn zwei Liter weniger verbraucht als das Serienmodell. Wenn man diesen Wert mal hochrechnet, lohnt sich der Chip schon bei jährlich gefahrenen 12.000 Kilometern. Die Investition amortisiert sich also nach nur einem Jahr. Für Leute, die lange Stecken fahren, ist das hundertprozentig ein Thema. Das wird sicherlich auch ein Markt werden, in den die Tuner jetzt eben auch einsteigen. Und man sieht sehr schön, dass Tuning eben nicht nur "Show and Shine" bedeutet, sondern sehr viel mit Technik, mit Innovation zu tun hat. Ich bin davon überzeugt, dass wir in der Zukunft mehr solcher Anwendungen sehen werden. Dieses Chiptuning bedeutet ja nicht nur eine Verbrauchssenkung, sondern auch mehr Drehmoment. Also eine optimierte Leistungsentfaltung. Das sind zwei Komponenten, die im Zusammenspiel sicherlich reizvoll sind.

Im September sorgte die IAA in Frankfurt für eine ganze Menge neuer Serienwagen. Gibt es ein besonderes Modell, auf das sich alle Tuner stürzen?

Die wichtigste Neuheit ist – in der Oberklasse – sicherlich die neue S-Klasse gewesen. Da haben die markenbezogenen, also die Mercedes-Tuner, eine ganze Menge an Zubehörteilen entwickelt. Ansonsten ist der 3er BMW als Kombi ein wichtiges Modell. VW hat nichts wirklich völlig Neues gezeigt. Die deutschen Marken sind aber auf jeden Fall die Kern- und Hauptmarken. Hierfür wurden zahlreiche Zubehörteile entwickelt.

Wir erleben momentan eine Zeit schleppender Neuwagenverkäufe, auch die Werkstätten klagen über weniger Aufträge. Wie ist die Stimmung auf dem Tuning-Markt?

Auch am Tuning-Markt geht das generelle Kaufverhalten nicht spurlos vorüber. Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist, dass wir heute deutlich mehr Anbieter haben, wie noch vor fünf oder sechs Jahren. Tuning ist ein Thema geworden, das den Main-Stream erreicht hat. Insofern hat sich die Angebotsbreite deutlich erhöht. Dadurch gibt es natürlich mehr Wettbewerb. Das hat sinkende Preise zur Folge. Für den Verbraucher ist das sicherlich sehr gut. Auf der anderen Seite ist es für die Hersteller durchaus schwierig, in diesem Wettbewerb zu bestehen. Man kann mit Sicherheit sagen, dass es auch der Tuning-Branche nicht mehr so geht, als dass wir noch mit zweistelligen Wachstumsraten aufwarten können. Wir spüren eher eine Stagnation und erleben durchaus auch eine Kaufzurückhaltung auf Seiten des Verbrauchers. Wobei ich denke, dass wir in unserer Branche immer noch ganz gut dastehen, wenn wir uns das gesamtwirtschaftliche Umfeld anschauen.

Wird sich der Anteil getunter Autos noch erhöhen?

Das ist eine gute Frage. Der Anteil von individualisierten Fahrzeugen, der wird sich mit Sicherheit erhöhen. Ob das dann aber Tuning ist, bei dem außer einer Rad-Reifenkombination oder einem Fahrwerk viel mehr gemacht wurde, ist die Frage. Insofern denke ich, dass wir in den nächsten Jahren auf der einen Seite das Tuning sehen werden, das sich auf Rad-Reifenkombinationen, das Fahrwerk konzentriert. Und auf der anderen Seite aufwendige Umbauten, die an Fahrzeugen betrieben werden. In Deutschland haben wir aber sicher eine gewisse Sättigungsgrenze erreicht, auch wenn der europäische Markt insgesamt wächst.

Welche Zielgruppen haben die Tuner heute?

Der Hauptteil sind nach wie vor junge Leute, zwischen 18 und 30 Jahren. Wir haben aber auch in der Tat eine ganze Menge an Verbrauchern, die nicht am optischen, sondern am technischen Tuning Gefallen gefunden haben. Sie legen Wert auf eine bessere Performance, eine bessere Leistungsentfaltung oder eine bessere Straßenlage ihres Autos. Und da finden wir mittlerweile doch einen sehr interessanten Markt von Leuten, die dem klassischen "Show-and-Shine-Tuning" entwachsen sind. Die wollen die Vorzüge des Performance-Tunings aber nicht missen, lassen ihre Fahrzeuge weiterhin veredeln. Und bewegen sich daher tatsächlich in einer Altersschicht, die um 45 bis 50 Jahre tendiert. Jemand, der vor 20 Jahren mit dem klassischen Tuning am Golf GTI angefangen hat, lässt heute eben seinen 5er BMW oder die S-Klasse in der Leistung steigern oder dezent optisch veredeln.

Zu guter Letzt: Welche Maßnahmen empfehlen Sie Kunden, die durch Tuning viel Leistung für wenig Geld haben wollen?

Viel Leistung für wenig Geld bedeutet in letzter Konsequenz auf jeden Fall einen Diesel mit Chiptuning. Da erfahren sie rund 15 bis 25 PS an Mehrleistung für um die 1000 Euro. Das ist heute der einfachste und preiswerteste Weg. Man sollte allerdings darauf achten, dass die Anbieter TÜV-Gutachten und Garantie anbieten. Das sind zwei sehr wichtige Komponenten. Wir haben in Deutschland mittlerweile schätzungsweise 250.000 bis 300.000 Fahrzeuge, die mit Chiptuning ausgerüstet sind. Chiptuning ist also eine ausgereifte Technologie.

Herr Albert, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Das Interview führt Martin Westerhoff

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Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
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