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Premium-SUV auf dem Vormarsch Flügeltüren, 800 PS, italienische Werte: Wie sich das Start-up Aehra von der Konkurrenz abheben will

Das Crossover-SUV-Modell von Aehra in Frontansicht
Mit seinem Crossover-SUV-Modell will sich Aehra vom Massenmarkt absetzen
© Aehra
Aehra will sich mit ungewöhnlichen Elektroautos von der Konkurrenz abheben. Das Start-up entwickelt Fahrzeuge nach italienischem Design, die im Premium-Luxus-Segment angesiedelt sein sollen. PS-Wert sowie Reichweite sollen bei stolzen rund 800 liegen, ein Crossover-SUV soll Flügeltüren haben.

Das junge Start-up Aehra hat den Anspruch, es anders zu machen als die anderen Elektroauto-Hersteller. "Mit unserem SUV haben wir ein Fahrzeug geschaffen, das weit über die Standards der Automobilindustrie für ein gewöhnliches Sport Utility Vehicle [SUV] hinausgeht", sagte Filippo Perini, Head of Design bei Aehra in einer Pressemitteilung.

Das Unternehmen aus Mailand stellte Anfang November sein erstes Fahrzeug der Marke, ein Crossover-SUV vor, das "radikal anders" sein soll als die Autos auf dem heutigen Markt. Mit einer Fahrzeuglänge von gut fünf Metern und einer Höhe von 1,60 Meter besitzt es ziemlich kurze Überhänge, einen langen Radstand von drei Metern und eine niedrige Frontpartie. Dazu ziehen sich Glasscheiben über das Fahrzeugdach bis zur Heckklappe. Eine Besonderheit dürften außerdem die Flügeltüren sein, welche nicht zuletzt auch die Werte des klassischen italienischen Designs verkörpern sollen.

Auffällig sollen auch die schmalen, langgestreckten Scheinwerfer in Kombination mit den LED-Lichtbändern sein, welche an den unteren Lüftungsschlitzen verbaut sind. Perini erklärte: "Wir wollen neue Maßstäbe für Stil und Komfort setzen." Der Head of Design bei Aehra kennt das Handwerk, denn er hat bereits für Lamborghini Autos designt. Dass das Crossover-SUV seines Unternehmens durchaus eine gewisse optische Ähnlichkeit mit Lamborghini aufweist, dürfte daher auch nicht allzu verwunderlich sein. Wie es im Inneren des Fahrzeugs aussieht, zeigen die Italiener hingegen noch nicht. Es soll aber so geräumig sein, dass vier NBA-Spieler darin bequem sitzen können. 

Auch technisch will die erst in diesem Jahr gegründete Firma ganz oben mitspielen. Ein hochmoderner Elektroantrieb soll eine Motorleistung von 750 bis 815 PS haben und das E-Auto auf eine Höchstgeschwindigkeit von 265 km/h bringen können, wo es dann automatisch abriegelt. Welche Beschleunigungswerte das unter zwei Tonnen schwere Fahrzeug haben soll, ist noch nicht bekannt. Unklar ist auch noch, ob zwei oder drei Motoren verbaut werden – die Entscheidung soll mit der Wahl des entsprechenden Zulieferers fallen.

Crossover-SUV setzt auf Monobody-Konstruktion aus Supersportwagen-Seqment

Um die sportlichen Werte zu erreichen, habe Aehra bewusst eine sogenannte Monobody-Konstruktion verwendet, "die in Italien in der Vergangenheit weit verbreitet war, heute aber normalerweise nur noch Supersportwagen vorbehalten ist", so Perini. Tatsächlich will der Hersteller "die Werte von italienischem Design, Weltklasse-Ingenieurwesen und amerikanischem Kundenservice" kombinieren.

Der Designer führt fort: "Einen ebenso radikalen Ansatz haben wir bei der Aerodynamik gewählt, die eine zentrale Rolle für das Design, die Fahreigenschaften und die Effizienz des SUV spielt." Aehra, dessen Name wohl aus dem Griechischen ("Aeras" zu Deutsch: Luft) abgeleitet ist, hat nach eigenen Angaben die Aerodynamik so konzipiert, dass der Luftwiderstand optimiert und das Wärmemanagement der Batterie sowie die Reichweite des Fahrzeugs verbessert wurde. Dazu beitragen soll auch die Verwendung leichter und nachhaltiger Verbundwerkstoffe, wie etwa speziell gefertigte Carbonfasern. Eine große Antriebsbatterie mit einer Kapazität von 120 kWh soll das Crossover-SUV schließlich mit einer Batterieladung über 800 Kilometer weit bringen. Wenn Aehra tatsächlich hält, was es verspricht, so kommt sein Auto auf die Reichweite eines Lucid'. Konkurrenten dürften ansonsten etwa der Porsche Taycan und der Mercedes-Benz EQS sein.

Das Crossover-SUV soll auf den wichtigsten Märkten, darunter Nordamerika, Europa, China und die Golfstaaten erhältlich sein. Bis das soweit ist, wird nach Herstellerangaben aber noch etwas Zeit vergehen. Das E-Modell soll erstmals im Jahr 2025 ausgeliefert werden. Und ihr Streben nach einem grundlegend neuem Fahrzeug wollen sich die Italiener auch gut bezahlen lassen. Das Crossover-SUV soll 160.000 bis 180.000 US-Dollar kosten. Dass es keinen Namen hat, liegt nicht etwa daran, dass dieser noch nicht bekannt ist. Stattdessen will Aehra seine Fahrzeuge schlichtweg nicht benennen.

Aehra kündigt auch Limousine an

Doch was ist eine Premium-Elektroautomarke mit nur einem Fahrzeugmodell im Angebot? Um das "bestehende Automobil-Ökosystem nachhaltig [zu] verändern", wie es sich die Firma vorgenommen hat, ist bereits ein zweites Auto in der Konzeption: eine "Superauto-Limousine". Sie soll mit äußerlichen Ähnlichkeiten mit dem Crossover-SUV erscheinen.

70 Prozent der Bauteile sollen mit denen des ersten Fahrzeugmodells übereinstimmen, was Produktionskosten und Zeitaufwand einsparen soll. So sollen sich die beiden Wagen etwa die kurzen Überhänge, die schnittige Dachlinie und das Lichtdesign teilen. Auch die Monobody-Konstruktion ist gleich – sowie die Batterie und  der Antrieb.

Perini sagte gegenüber dem britischen Magazin "Autocar", dass das Fahrzeug eher we ein Supersportwagen als wie eine Limousine aussehen werde. Und es sei das "beste Fahrzeug", das er je entworfen habe. "Das Exterieur ist erstaunlich", gab er an. Wenig überraschend soll die Limousine jedoch eine deutlich niedrigere Sitzposition haben, während das große Platzangebot trotzdem gegeben sein soll. 

Ein weiterer Unterschied zum angekündigten Crossover-SUV liegt in den Türen. Sie werden "nicht gewöhnlich" sein, kündigte Alessandro Serra, der Designchef von Aehra gegenüber "Autocar" an. Sie sollen sich aber von den hochaufschwingende Türen des Crossover-SUVs unterscheiden. Weiter gab Serra bekannt: "Er wird sich vertraut anfühlen und die Sprache wird die gleiche bleiben [wie beim Crossover-SUV], aber mit einigen Unterschieden an der Front." Das Fahrzeug soll in Konkurrenz zu Luxuslimousinen wie dem BMW i7, dem Nio ET7 oder dem Tesla Model S stehen.

Die Produktion der Aehra-Limousine soll sechs Monate nach der des Crossover-SUVs starten. Die Auslieferung ist dann für die zweite Jahreshälfte von 2025 oder für Anfang 2026 geplant. Sie soll 160.000 Euro kosten und damit ins Premium-Luxus-Segment fallen.

Quellen: Aehra, Autocar

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