HOME

Fahrradkleidung: Warm und trocken durch den Winter

Wenn es kalt wird, muss man das Bike nicht im Stall lassen. Mit der richtigen Kleidung wird der tägliche Trip zum winterlichen Vergnügen.

Von Gernot Kramper

Radkleidung für den Winter: Nie wieder frieren
Maloja bietet Radkleidung an, die am wenigsten nach Tour de France aussieht. Die Stücke erinnern an Skatewear und Freeride-Bekleidung, wirken durch den verspielten Alpenschick nicht so martialisch. Die meisten Kunden sind weiblich.

Maloja bietet Radkleidung an, die am wenigsten nach Tour de France aussieht. Die Stücke erinnern an Skatewear und Freeride-Bekleidung, wirken durch den verspielten Alpenschick nicht so martialisch. Die meisten Kunden sind weiblich.

Nur weil es kalt ist, muss man nicht auf das Rad verzichten. Mit der richtigen Kleidung kann man auch eine Tour in frostiger Kälte überstehen. Dass Radkleidung nicht nur funktionell ist, sondern auch gut aussieht, zeigt die Fotostrecke. Der Alpenlook einer Marke wie Maloja ist besonders trendy, aber auch die gezeigten Funktionsklassiker von Gore Bike Wear und Sugoi müssen sich nicht verstecken.

Wer benötigt Funktionskleidung?

Wer nur kurze Strecken unterwegs ist und dabei ein "gemütliches" Rad mit geschützter Kette benutzt, muss sich nicht in einen Renndress hüllen. Sportliche Räder mit offener Kettenführung und normale Hosen vertragen sich jedoch nicht. Straßenkleidung wird auf Rädern ohne Spritzschutz über den Reifen schnell hoffnungslos verdreckt.

Wer länger und intensiver in die Pedale tritt, sollte sich auch richtig anziehen. Dieser Unterschied ist wichtig: Wer nur gemütlich ein kurze Strecke radelt, muss sich lediglich warm anziehen. Wer sich aber anstrengt, benötigt eine spezielle Kleidung, die die Bewegung nicht behindert und den Körperschweiß absorbiert, ohne nass zu werden oder auszukühlen.

Hilft das Zwiebelschalenprinzip?

Wenn es kalt wird, schützen mehrere Schichten Kleidung besser als eine dicke Thermoisolierung. Die Atmungsaktivität von Sportkleidung funktioniert allerdings nur, wenn jede Schicht mitspielt. Ein Baumwoll-T-Shirt untendrunter geht also nicht, es blockiert den Flüssigkeitsaustausch. Bei Kälte sollte man als erste Schicht lange Sportunterwäsche anziehen. Für den Oberkörper sollte dann ein Fleeceunterzieher folgen, darüber kommt eine winddichte Sportjacke. Dazu eine gefütterte Radhose. Das sollte für den sportlichen Einsatz reichen.

Sind Sie Sportler oder Trödler?

Schätzen Sie Ihre körperliche Aktivität richtig ein. Wer trainiert, bringt sein eigenes Kraftwerk auf Touren. Die Kleidung muss dann die Körperflüssigkeit nach draußen transportieren, ohne Kälte und Wind an den Körper zu lassen. Wichtig ist, dass Kleidung und Haut vom Schweiß nicht feucht werden. Richtig kalt wird es dem sportlichen Fahrer angesichts seiner Anstrengung so schnell nicht. Für die größte Auskühlung wird die intensive Atmung sorgen. Wer aber ohne große Anstrengung dahinradelt, benötigt viel mehr Isolation und weniger Flüssigkeitstransport. Funktionskleidung für hochaktive Athleten sieht toll aus, ist aber für gemütliche Fahrer rausgeschmissenes Geld.

Wo sitzen die kritischen Stellen?

Durch den Fahrtwind kühlen Gesicht und Augen bei höheren Geschwindigkeiten stärker aus, als man vermutet. Neben einer Mütze oder einem Helm mit Unterziehmütze helfen Mundschutz und Brille. Die Hände werden beim Radfahren wenig bewegt, die Finger kühlen auf längeren Strecken daher stark aus. Verstärkt wird dieser Effekt noch, wenn die Hände "abgeknickt" auf dem Lenker ruhen. Handschuhe müssen daher besonders wärmen und winddicht sein. Vorsicht vor einfachen Fleece-Handschuhen. Besser sind speziell gepolsterte Radhandschuhe. Etwas unbeholfen aber sehr warm sind Snowboardhandschuhe, sie bieten meist auch einen festen Griff.

Achtung: Trainingshandschuhe für den Sommer wärmen nicht. Warme Radschuhe mit entsprechenden Socken sind ebenso wichtig. Gegen starke Nässe helfen wirklich wirksam nur Überschuhe aus Neopren. Sie wirken auf den ersten Blick übertrieben, aber klatschnasse Schuhe bei Temperaturen von knapp über Null Grad sind kein Vergnügen.

Muss es immer spezielle Radkleidung sein?

Für den überzeugten Biker ist es kein Problem, sich eine komplette Ausstattung nur fürs Rad zuzulegen, für den Gelegenheitssportler schon. Glücklicherweise lassen sich viele Kleidungsstücke auch von anderen Sportarten zweckentfremden. Sportunterwäsche, Shirts, Unterzieher und leichte Softshells sind vielseitig verwendbar. Wegen der gestreckten Haltung auf dem Rad muss man jedoch darauf achten, dass Hose und Oberteile überlappen. Wenn die Nieren blank liegen, nützt die restliche Kleidung wenig. Eine hochgezogene Latzhose mit Trägern sorgt zuverlässig für den gewünschten Schutz.

Wer Clips benutzt, benötigt auf dem Rad spezielle Schuhe, mit denen er sonst kaum etwas anfangen kann. Bei Rad Hosen ist es ähnlich. Die sinnvolle Verstärkung im Schritt macht einen Gebrauch ohne Rad praktisch unmöglich. Von Marken wie Maloja gibt es Hosen mit optionaler Verstärkung, sie kann man auch zum Joggen nutzen.

Worauf muss man bei der Pflege achten?

Funktionskleidung ist leider alles andere als pflegeleicht. Die Hinweise im Etikett müssen unbedingt befolgt werden, sonst verlieren die Textilien ihre Funktion. Ohne richtige Pflege kann man sich das Geld für teure Funktionskleidung nämlich sparen. Grundsätzlich sollte Radbekleidung häufiger gelüftet und ausgebürstet als gewaschen werden. Niemals sollte die Sportkleidung in die gleiche Wäschetonne wie die normale Wäsche getan werden, sonst wird sie früher oder später auch "normal" gewaschen. Maschinenwäsche in der Pflegestufe ist meistens möglich, ein Spezialwaschmittel ist zu empfehlen. Weichspüler ist grundsätzlich verboten, es zerstört die atmungsaktive Wirkung der Membranen. Auf den Einsatz eines Trockners sollte man ebenso verzichten, wie auf Mangel oder Bügeleisen. Bei starker Verschmutzung kann man die Wäsche entweder sofort waschen oder zunächst vollkommen trocknen lassen, um den gröbsten Dreck dann vor der Wäsche abzuklopfen.

Welche Größen passen wem?

Bei Sportbekleidung ist Anprobe Pflicht. Eine gute Passform entscheidet über die Zufriedenheit. Der Kauf im Internet ist daher eine Glückssache. Grundsätzlich gilt: Trainierte Radfahrer sind schlank und drahtig. Sie sind weder dick und noch Schwerathleten. Auf ihre Figuren ist die Radbekleidung angepasst. Besonders große, muskulöse oder auch nur normal beleibte Radler sollten die Kleidung vor dem Kauf auf jeden Fall anprobieren.

Was taugt mit Discounter-Ware?

Regelmäßig bieten Aldi, Tchibo und Konsorten auch Fahrradkleidung an. Leider ist der Kauf reine Glückssache. Neben brauchbaren Teilen zu günstigen Preisen werden auch vollkommen formlose, unbrauchbare Stücke angeboten. Für Radler, die Kleinteile wie Mützen und Handschuhe immer wieder verlieren, kann der Discounter eine brauchbare Alternative sein. Sonst darf man hier nur einkaufen, wenn man sich nicht scheut, ein unpassendes Stück schnurstracks wieder zurückzubringen.

Bei Markenkleidung wird die Preisempfehlung der Hersteller übrigens weitgehend im Markt durchgesetzt, echte Billiganbieter gibt es kaum. Nur Auslaufware wird merklich günstiger angeboten.

Was hilft, wenn es richtig schüttet?

Wenn es eimerweise schüttet, ist die beste Funktionskleidung nach einiger Zeit überfordert. Auch wenn die Werbung anderes verspricht. Wirksam sind dann nur noch absolut regendichte Kombis - zum Training sind sie allerdings ungeeignet, weil sie den Schweiß aufstauen. Für Notfälle bieten sich Rad-Ponchos oder Overalls an. Sportliche Bestleistungen kurbelt man mit ihnen nicht zusammen, aber sie sind billig, lassen sich platzsparend zusammenfalten und sind absolut regendicht.

Kann man bei Eisglätte fahren?

Fahren bei Glätte und bei wirklich schlechtem Wetter muss nicht sein. So etwas ist Hardcore-Sport und nur für trainierte und geübte Fahrer zu empfehlen. Wer es dennoch nicht lassen kann, sollte einiges bedenken. Bei Glatteis verlieren Radfahrer schnell die Kontrolle über das Rad. Simpel gesagt, kann ein Auto schlingern, aber es fällt nicht um, ein Rad dagegen schon. Nicht nur die Bremswirkung lässt auf Eis rapide nach. Noch mehr müssen Radfahrer den Traktionsverlust in Kurven oder beim Antritt fürchten, das Rad rutscht dann einfach weg. Einziges Mittel sind Reifen mit Spikes – das sind kleine Dornen aus Metall oder Kunststoff, die in den Mantel eingearbeitet sind und auf Eis für Haftung sorgen. In Deutschland sind diese Reifen für Fahrräder zugelassen.

Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.