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TECHNOLOGIE: Schichtbetrieb

Beim Diesel längst Standard, zieht die Direkteinspritzung jetzt auch in den Benziner ein. Audi, VW und Mercedes reiten vor, um den Verbrauch zu senken.

Arm durch Tanken

Schluss mit der Verschwendung. Einen Euro und zwölf Cent will die Tankstelle an der Ecke für einen Liter Superbenzin sehen. Das reicht für zehn bis fünfzehn Kilometer. Jetzt kommt die Benzin-Direkteinspritzung auf breiter Front. Bei Audi, Mercedes und VW: Damit es ein paar Kilometer mehr werden - oder eben ein paar Cent mehr in der Geldbörse.

Ölige Finger

Zwei helle Augen im Rückspiegel, zack, den Blinker rechts gesetzt und den Heizer vorbei gelassen. Zu sehen ist vom Passat Variant nur noch ein kleines schwarzes Wölkchen und der Schriftzug TDI. Das geht so, seit Audi 1989 für den Diesel die Direkteinspritzung vom LKW in den PKW geholt hat. Wer seinen Wagen allerdings nicht 20-30.000 Kilometer im Jahr über die Autobahn treibt, blieb beim Benziner - abgeschreckt von hoher Steuer, immenser Versicherung und schmierigen Fingern.

Konzeptioneller Nachteil beim Benziner

Nun will der Benziner den Verbrauchsvorsprung zum Diesel verkürzen. Mit dem gleichen Wort - nämlich Direkteinspritzung - und ähnlicher Technologie. Das Problem: Jeder Benzinmotor, egal ob Uraltvergaser oder moderner Einspritzer, ist ein unwirtschaftlicher Verschwender. Bei niedrigen Drehzahlen und leichtem Gasfuß verbrennt das Benzin-Luftgemisch ineffizient. Drosselverluste heißt das im Fachjargon. Übersetzt: Umwelt- und verbrauchsschonend läuft ein Benzinmotor physikalisch gesehen erst bei Bleifuß.

Mager wie Putenfleisch

Fuel Stratified Injection (FSI) im VW-Konzern und Stratified Charged Gasoline Injection (CGI) bei Daimler-Chrysler heißen die neuen Zauberkürzel. Zwei Namen, eine Technologie. Bei niedrigen Drehzahlen und Teillast wird dem Benziner eine Magerkur verordnet. Statt des üblichen Benzin-Luft-Verhältnisses von eins zu 14,7 wird der Luftanteil deutlich erhöht: Der Motor spart Sprit. Damit dieses Gemisch aber überhaupt noch zündet, wird der Kraftstoff mit hohem Druck und direkt in den Brennraum gespritzt. Durch eine Klappe und einen speziell geformten Kolbenboden entsteht eine Kraftstoffwolke, die genau im richtigen Augenblick vor der Zündkerze aufgeschichtet wird.

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Mächtig Aufwand

Angenehmer Nebeneffekt: Weil die Gemischwolke ein Stück von der Zylinderwand entfernt ist, gibt es auch hier wenig Wärme- und damit Energieverlust. Unangenehmer Nebeneffekt: Durch den Luftüberschuss bei der Verbrennung entstehen zu viele Stickoxide, denen mit einem normalen Katalysator nicht beizukommen ist. Erst eine Abgasrückführung plus zweitem Katalysator machen die Luft rein.

Kraftvoll präsentiert

Bei den deutschen Produzenten greifen die Benzin-Direkteinspritzer an: Mercedes lässt den neuen CLK 200 CGI auf die Kundschaft los. 170 PS sind gut für 231 km/h und - mal sehen, wo die Realität liegt - 7,9 Litern Normverbrauch. Bei VW laufen ein kleiner 1,4-Liter im Lupo und ein 1,6-Liter im Golf. Letzterer sitzt mit 110 PS auf 995 kg auch im Audi A2 FSI. Die Ingolstädter haben die neue Technik vorsichtshalber im Rennsport getestet. Ihr 2001er Le-Mans-Renner lief mit einem V8-Biturbo und Benzindirekteinspritzung. Ergebnis: Sieg beim 24-Stunden-Marathon. Der Audi musste einfach seltener tanken.

Christoph M. Schwarzer

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