VG-Wort Pixel

Van Tourer Urban Drei Tage campen mit Kleinkind: Lohnt sich die Anschaffung eines Campers für eine Familie?

Mit Camper auf den Strand. Hier in Vejers in Süddänemark. Der Van Tourer Urban wurde uns für den Kurztrip von Eurocaravaning über Freeway Camper in Hamburg zur Verfügung gestellt.
Mit Camper auf den Strand. Hier in Vejers in Süddänemark. Der Van Tourer Urban wurde uns für den Kurztrip von Eurocaravaning über Freeway Camper in Hamburg zur Verfügung gestellt.
© privat
Die Coronakrise hat das Campen befeuert wie nie zuvor. Auch wir, Mann, Kind und ich haben uns oft gefragt: Sollten wir uns einen Camper zulegen? Drei Tage im dänischen Regen mit dem Van Tourer Urban haben uns allen eine Antwort gegeben.

Ein Camper ist ein riesengroßer Spielplatz. Das aufklappbare Dach, das zum zweiten Bett wird, eignet sich wunderbar als Kletterturm, an dem man sich abseilen und wieder hinaufklettern kann. Die Fahrerkabine wird zum Raumschiff, das Warnblinklicht zur Discokugel. Drückbare Verschlüsse an Schubladen und Schranktüren sind Teil des Experiments, in welcher Geschwindigkeit sie sich schließen und wieder öffnen lassen bis sie abfallen. Die LED-Spots unter der Decke sind etwas für Tüftler, die herausfinden wollen, wie diese dort befestigt sind. Spoiler: An einem Kabel. Wirklich alles ist spannend an einem Camper. Zumindest für meine zweijährige Tochter. Drei Tage lang haben meine kleine Familie aus Mann, Kind und mir den Van Tourer Urban auf einem Kurztrip in Dänemark getestet.

Normalerweise baut der Camping-Spezialist Eurocaravaning auf Fiat Ducato, der Van Tourer Urban ist damit der erste auf Mercedes Vito und dem beliebten VW Bus nicht unähnlich, zumindest was Größe und Komfort angeht. Der Ausbau des Basis-Modells, das es ab etwa 60.000 Euro gibt, sieht wie folgt aus: zwei Drehsitze vorn, eine Sitzbank hinten, die zum Bett wird. Entlang der linken Fahrzeugseite sind Küche und Schränke inklusive Klapptisch verbaut. 

Es kann auch romantisch sein, wenn der Regen aufs Dach prasselt und die Sonne dazu scheint.
Es kann auch romantisch sein, wenn der Regen aufs Dach prasselt und die Sonne dazu scheint.
© privat

Vier Erwachsene sind zwei zu viel 

Das Aufstelldach bietet nicht nur Höhe zum Stehen, wenn man sich unten aufhält und auf den zwei Gasherdplatten kocht, sondern auch zwei weitere Plätze zum Schlafen. Der Camper ist zwar auf vier Schlafplätze ausgelegt, wer aber an vier ausgewachsene Menschen denkt, sollte sich bewusst sein, dass wirklich niemand dieser Erwachsenen klaustrophobisch sein sollte. Das untere Bett ist nur einen Meter breit. Geeignet ist das dann doch eher für zwei Kleinkinder oder für Frischverliebte.

Richtig attraktiv wird der Urban aber erst durch das "Comfort"-Modell, das gibt es ab 70.000 Euro. Denn der hat anstelle des fest eingebauten Küchenblocks eine herausnehmbare Outdoorküche an Bord, die sich auf beiden Seiten des Fahrzeugs anschließen und benutzen lässt. Was in der Theorie nett klingt, die Küche ist aber alles andere als leicht und der Aufbau ist mit sehr viel Geduld und Frickelei verbunden. Wir haben es deshalb gar nicht erst ausprobiert, auch weil es bis auf einen Nachmittag durchgängig geregnet hat. Aber dazu mehr später. 

Die untere Sitzbank wird mit einem Topper zu einem gemütlichen Bett für eine Person, oder zwei kleine. Der Fußboden dient als Spielwiese.
Die untere Sitzbank wird mit einem Topper zu einem gemütlichen Bett für eine Person, oder zwei kleine. Der Fußboden dient als Spielwiese.
© privat

Standheizung to the rescue

Das Fahrzeug hat viele weitere Annehmlichkeiten oder auch Spielereien zu bieten, um im Spielplatz-Sprech zu bleiben: ein Halter für zwei Kaffeebecher oder Trinkflaschen, schwarze Verglasung im hinteren Bereich. Es wird wirklich stockdunkel im Inneren, was gut ist, wenn der Nachbar-Camper mit Flutlicht den Platz beleuchtet. Dazu zwei Schiebetüren, eine Klimaanlage, eine Zweitbatterie, die während der Fahrt oder mit Stromanschluss geladen werden kann. Zum Glück gibt es auch eine Standheizung, sonst wären wir nach der ersten Nacht wieder nach Hause gefahren, eine Kühlbox, ein Spülbecken mit Abwassertank darunter und einen 70-Liter-Tank für Sprit. Das Erfreuliche: Wer gemäßigt fährt, verbraucht etwa acht Liter auf 100 Kilometer, das ist eine gute Bilanz für einen Camper und fürs Portemonnaie.

Aber wie war's denn jetzt?, wollen Sie vermutlich endlich wissen. Sagen wir so: Unsere Zweijährige hat den Trip sehr genossen, was aus ihrer Perspektive verständlich ist, denn es war ja der besagte riesengroße Spielplatz. Die erste Nacht standen wir auf einem Parkplatz an der dänischen Nordsee und hatten Angst, dass uns der Wind wegpustet und uns das Meer verschluckt. An Tag zwei hat mein Mann bereits den allseits bekannten Camperkoller bekommen: zu eng, zu kalt, zu nass. Er schlief allein im Aufstelldach, dessen Wände nach den heftigen Regengüssen feucht wurden, aber auch schnell wieder getrocknet sind. Campen ist einfach nicht seins. Ich mag die Camping-Atmosphäre, wenn der Regen aufs Dach prasselt und wenn man sich eng aneinander kuschelt, kann es auch sehr gemütlich sein. Ich bin aber auch lang erprobte Camperin. Meine Eltern sind mit meinen Geschwistern und mir mit dem Wohnwagen durch ganz Europa getucktert. Aber genug von der Camperromantik. 

Schlapflatz unterm Dach: Unter diesem Deckenknäuel versteckt sich unsere Zweijährige.
Schlapflatz unterm Dach: Unter diesem Deckenknäuel versteckt sich unsere Zweijährige.
© privat

Das perfekte Campingerlebnis gibt es nicht

Wenn wir ehrlich sind, ist Camping Arbeit. Ständig muss man etwas umräumen, aufräumen, umstellen, sodass man schlafen, essen, abfahren kann. Es hält einen beschäftigt, wer's braucht. Erholung? Fehlanzeige. Zudem ist es frustrierend und man entwickelt ständig Neid auf andere Camper: das perfekte Campingerlebnis ist unerreichbar. Weil man nicht alles haben kann. Wer auf Flexibilität wert legt, muss auf Komfort verzichten und andersherum. Sehnsüchtig haben wir während des prasselnden Regens und bei neun Grad auf die großen Wohnmobile auf dem Campingplatz geschielt, die es sich mit Satellitenschüssel und viel Platz im Inneren gemütlich gemacht haben. Schön wäre es auch gewesen, eine Camping-Toilette an Bord zu haben, und nicht ins Waschhaus durch Windböen und peitschenden Regen laufen zu müssen. Dafür konnten wir an Tag drei in wenigen Minuten alles fix zusammenpacken und dem schlechten Wetter entkommen.

So sieht der Van Tourer Urban mit aufgestelltem Dach aus.
So sieht der Van Tourer Urban mit aufgestelltem Dach aus.
© privat

Wäre das Wetter so gut gewesen, dass wir die meiste Zeit draußen hätten verbringen können, würde das Fazit vermutlich anders ausfallen. Ein Camper ist eine feine Sache, wenn man flexibel reisen will und das nötige Kleingeld hat. Denn seien wir ehrlich, Campen ist mittlerweile genauso Luxus geworden wie ein Aufenthalt in einem schicken Hotel. Natürlich gibt es aber auch gebrauchte Camper auf dem Markt, die erschwinglich sind. Oder aber man hat ein handwerkliches Talent für einen eigenen Ausbau.

Der Van Tourer Urban ist sehr gut ausgestattet und der Fahrkomfort ist voll da, wie man es von einem Mercedes gewohnt ist. Im Idealfall sollte man nicht zu lange unterwegs sein, ein verlängertes Wochenende vielleicht oder mit Unterbrechungen in einem Ferienhaus. Zusätzlich sollte das Wetter gut sein. Meistens zumindest, auch wenn eine regenreiche Nacht ganz romantisch sein kann. Nicht aber drei. Wir hatten einfach Pech. Ob es einen nächsten Trip geben wird? Unsere Tochter kann diese Frage ganz klar mit "Ja" beantworten. Aber um meinen Mann zu zitieren: "Ich werde nie wieder campen". 

Hinweis: Der Van Tourer Urban wurde von Eurocaravaning über Freeway Camper in Hamburg zur Verfügung gestellt.

Mehr zum Thema

Newsticker