Volkswagen Der Käfer nimmt Abschied


Jetzt ist es endgültig: Am Mittwoch wird im VW-Werk in Puebla in einer Feierstunde der allerletzte Käfer produziert und dann in das Volkswagen-Museum nach Wolfsburg verschifft.

Ende einer Legende: Am Mittwoch wird im VW-Werk in Puebla in einer Feierstunde der letzte Käfer produziert und dann in das Volkswagen-Museum nach Wolfsburg verschifft. Damit geht eine Erfolgsgeschichte vorbei, wie es sie in der deutschen Nachkriegsindustrie kein zweites Mal gegeben hat: 69 Jahre ist das Auto alt geworden, 21,5 Millionen Stück wurden produziert. Der Käfer machte die Deutschen mobil und ließ Volkswagen zu einem Weltkonzern aufstiegen.

Käfer war Besatzungskind

Entwickelt wurde der Käfer auf Anweisung von Adolf Hitler, aber seine Karriere begann erst nach der Befreiung: Nach dem Krieg schaufelten Ende 1945 rund 7.000 Arbeiter im Wolfsburger Werk den Schutt weg, als die britische Besatzungsmacht beschloss, die Produktion wieder anzufahren. Der Käfer sollte Dienstfahrzeug für Armee und Verwaltung werden. 1948 bestellten die Briten Heinrich Nordhoff zum Direktor, der VW zum größten Automobilwerk Europas und zum bedeutendsten Autoexporteur machte.

Wenig äußere Änderungen

Der Volkswagen war das Auto, nach dem die Zeit verlangte: Billig, einfach zu reparieren und zuverlässig. Nordhoff setzte auf nur ein Modell, das kostengünstig in großen Massen hergestellt werden konnte. Während die Technik ständig verbessert wurde, blieb das Äußere des Käfers weitgehend unangetastet. Schon 1949 ließ er ein Exportmodell mit Chromstoßstangen und besserer Polsterung herstellen, 7.000 Wagen gingen ins Ausland. "Die westdeutsche Nachkriegswirtschaft hatte einen tadellosen Motor. Er war luftgekühlt und saß im Heck des VW-Käfer", brüstet sich Volkswagen in einem Büchlein über den Käfer.

Exportwunder "Typ 1"

Nordhoff hatte erkannt, das der noch schwache deutsche Markt allein nicht reichen würde. Ende 1953 wurde der Wagen schon in 88 Länder exportiert. Nordhoff senkte die Preise, die Massenproduktion machte es möglich: 1954 kostete das Standardmodell 3.950 Mark. Ein Jahr später lief der millionste Käfer vom Band. Werksintern war der Kosename übrigens verpönt, man sprach vom "Typ1".

"Er läuft und läuft und läuft..."

Die Produktion eilte von Rekord zu Rekord: 1957 die zweite Million Käfer, 1959 die Dritte. Im Käfer entdeckten die Deutschen Italien, der 34-PS-Motor keuchte sich über die Alpenpässe, das Baby schaukelte in der Kofferablage hinter der Rückbank, von Rauschen der kühlenden Luftschraube im Motor beruhigt. Immer weiter feilten die Ingenieure in Wolfsburg am Käfer: Größere Heckfenster, 12-Volt-Elektrik, stärkere Motoren und mehr. Und VW entdeckte die Werbung: "Er läuft und läuft und läuft..." ist ein Klassiker geworden.

Technisch überlebt

Ende der 60er Jahre kam die Wende. Technisch hatte sich der Käfer längst totgelaufen: Die Luftkühlung kam an die Grenze, das Fahrverhalten des Heckmotors wurde bei immer höheren Geschwindigkeiten gefährlich, der Stauraum war zu klein. Trotzdem gingen die Verkaufszahlen nicht schlagartig zurück, weshalb VW in eine Sackgasse steuerte, denn technisch moderne Wagen schafften es nicht ins Programm. Erst lange nach dem Tod von Käfer-Fan Nordhoff 1968 kam 1974 die Rettung mit dem Golf.

Nach 1978 ging's in Mexiko weiter

Der Käfer selbst lief derweil noch munter weiter: Am 17. Februar 1972 lief der 15.007.034. Käfer vom Band, damit war das Model T von Ford überholt, der Käfer ein paar Jahre der meistverkaufte Wagen der Welt. Am 19. Januar 1978 lief in Emden der letzte in Deutschland produzierte Käfer vom Band. Doch im VW-Werk Puebla in Mexiko ging es weiter. Der Wagen wurde nun in Deutschland im- statt exportiert - bis zum 17. August 1985. Damals kamen die letzten 3.150 offiziellen Käfer im Hafen von Emden an. In Mexiko war der runde Krabbler aber noch Jahrzehnte gefragt, ein billiger, robuster Wagen kam gut an.

New Beetle soll Aura auffangen

Heute versucht der VW-Konzern mit dem New Beetle von der Aura des alten Käfers zu profitieren. Die rundliche Karosserie auf dem Golf-Fahrwerk soll unter anderem alt gewordene VW-Fans ansprechen, die in klapprigen Käfer ihre Jugend verbracht haben.


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