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Wer steckt hinter ...: ... dem Designstudio Pininfarina?

Manche ihrer Autos sind Ikonen geworden. Die italienische Kreativschmiede, Hausdesigner von Ferrari, entwirft noch immer betörende Modelle - inzwischen auch für Ford und Volvo.

Ein Idyll ist Cambiano nicht. Der Vorort von Turin hat den Charme eines tristen Gewerbegebiets. Vom nahen Autobahnkreuz strömt dichter Verkehr in die Strada Nazionale, vorbei an Autowerkstätten, Reifenhändlern, Möbelhäusern und unscheinbaren Kaffeebars. Einziger Lichtblick: ein weitläufig-eleganter Bürobau in einer großzügigen Parkanlage. Hier residiert die Firma Pininfarina - der Hausdesigner von Ferrari und Schöpfer betörender Traumkarossen, die als Sammlerobjekte Millionen kosten.

Zu Anfang konzentrierte sich Firmengründer Battista Farina in seinem Karosseriebaubetrieb auf Sondermodelle von Fiat, Lancia und Alfa-Romeo. Weil die Linienführung seiner Karossen stets das gewisse Etwas hatte, ging es zügig bergauf. In den 1950er Jahren formte Battista Autos, die heute wie Ikonen verehrt werden: den Lancia Aurelia Spider etwa oder den Alfa Romeo Giulietta Spider. Damals begann auch die Zusammenarbeit Ferraris mit Pininfarina; übrigens die Verschmelzung von "pinin Farina", kleiner Farina - der Kosename Battistas.

Nach seinem Tod 1966 übernahm Sohn Sergio die Geschäfte, von ihm dessen Sohn Andrea. Längst ist das 1930 gegründete Unternehmen nicht nur eine Kreativschmiede, sondern ein Automobilkonzern. Pininfarina entwirft Autos, plant und produziert. Den Umsatz bringen weniger Traumwagen wie Ferrari Maranello oder Maserati Quattroporte, sondern Alltagsmobile wie Ford Streetka, Peugeot 406 Coupé, Volvo Cabrio C70, Ford Focus Cabrio und ein offener Mitsubishi Colt.

Vier Produktionsstätten gehören zur Firma, drei in Turin und eine in Schweden. Produktionskapazität insgesamt: 80 000 Fahrzeuge pro Jahr. In Deutschland gibt es einen Ableger in Renningen bei Stuttgart, der Prototypen unter anderem für Mercedes und Porsche anfertigt. 2003 wurde der Entwicklungsbereich der französischen Traditionsmarke Matra übernommen. Und seit 2004 arbeiten in Casablanca 45 marokkanische Ingenieure ebenfalls an Entwicklungsprojekten mit.

Und dann gibt es noch Pininfarina Extra. Die Mitarbeiter dort beschäftigen sich nicht mit Automobilen, sondern mit Alltagsdesign für Sicherheitsschuhe, Küchen, Türklinken, Kaffeemaschinen oder Telefone. Auch eine Fackel für die olympische Flamme wurde hier entworfen. Doch das Aushängeschild bleiben die Ferraris mit dem Pininfarina-Schriftzug. Im Foyer der Firmenzentrale wird der Besucher gleich von drei der knallroten Renner eingestimmt. Aber weder der "F 50" noch der "Enzo" oder der Prototyp "Mythos" haben je einen Meter auf Asphalt absolviert. Sie sind Attrappen ohne Motoren.

Georg Weindl / print

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