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ADAC Winterreifen-Test 2011: Viele Reifen zeigen Schwächen auf Schnee

ADAC und Stiftung Warentest haben Winterreifen getestet: Nur neun von 30 Kandidaten schnitten "gut" ab, kein einziger "sehr gut". Vor allem Reifen für Kleinwagen zeigten Schwächen.

Von Gernot Kramper

Keine Spitzenleistung beim gemeinsamen Winterreifentest von ADAC und Stiftung Warentest: Nicht ein Reifen hat die Top-Note "sehr gut" bekommen. Neun der insgesamt 30 Testkandidaten erhielten immerhin die Note "gut". Positiv: Die guten Reifen sind nicht wesentlich teurer als das Mittelfeld und die schlechteren Reifen.

Neben Winterreifen testete der ADAC auch Ganzjahresreifen. Das Ergebnis hier ist enttäuschend: Von sechs Kandidaten schnitt nur einer mit "befriedigend" ab, die anderen fünf erzielten ein "ausreichend" – sind also nicht zu empfehlen.

Trayal Artica fällt beim Winterreifen-Test durch

Bei den Winterreifen testete der ADAC zwei weit verbreitete Größen: 195/65 R 15 passen auf vielen Wagen der Kompakt- und Mittelklasse, die Kandidaten der Größe 175/65 R14 eignen sich für Kleinwagen.

Bei den 16 getesteten Winterreifen der Größe 195/65 R 15 lautete das Urteil sechsmal "gut", der überwiegende Teil der Reifen erhielt die Note "befriedigend", zweimal reicht es nur für ein "ausreichend". Der Trayal Artica zeigte sich insgesamt von allen Testkategorien überfordert. Er war für den höchsten Kraftstoffverbrauch verantwortlich, produzierte am meisten Krach und versagte auf Schnee, Eis und nasser Fahrbahn. Für das Schlusslicht im Test reichte es nur für ein "mangelhaft".

Schwächen zeigten vor allem die vierzehn Reifen, die mit Kleinwagen wie Fiesta, Corsa, Yaris, Clio gefahren werden: Nur drei 175er bekamen ein "gut", zehn wurden mit "befriedigend" bewertet. Schlusslicht ist hier der der Falken Eurowinter HS 349, der auf Schnee nur "ausreichend" fährt und bremst.

Der Preis macht nicht den Unterschied

Erfreulich für den Kunden: Die Preisunterschiede zwischen den Reifen sind vergleichsweise gering. Der beste 195er-Reifen – der Continental Contact TS830 – ist im Handel ab 60 Euro zu haben, die billigsten 195er-Reifen können ab etwa 50 Euro pro Stück bestellt werden.

Trotzdem sollten Verbraucher beim Kauf durchaus auf den Preis achten. Denn die Spanne für den gleichen Reifen kann beträchtlich sein. Der 195er-Tesstieger zum Beispiel wird für 60 aber auch 102 Euro verkauft.

Die Preisangaben beziehen sich immer auf den Preis für einen Pneu, ein Satz kostet daher das Vierfache. Der Kunde muss mit weiteren Kosten für Felgen, Wuchten, Montage und Einlagerung rechnen. Wer sparen will, sollte auf die Haltbarkeit des Reifens achten, die Verschleißwerte der Reifen variieren beträchtlich. Die Empfehlung: Der Michelin Alpin A4 überzeugt in beiden Reifengrößen mit der Note "gut" und sensationeller Haltbarkeit.

Ganzjahresreifen nur ein fauler Kompromiss

Ganzjahresreifen erscheinen auf den ersten Blick als kluge Alternative zu Winter- und Sommerreifen. Man benötigt nur einen Reifen- und Felgensatz, spart sich den Aufwand für den zweimaligen Reifenwechsel im Jahr und erfüllt doch die gesetzlichen Bestimmungen.

Die Testanforderungen an Ganzjahresreifen sind härter, die Reifen müssen sich in Hitze und Kälte bewähren. Im ADAC-Test der Kleinwagengröße 175/65R14 zeigt sich aber, dass Ganzjahresreifen nur ein fauler Kompromiss sind. Im Ergebnis erzielte nur der Goodyear Vector 4Seasons ein befriedigendes Ergebnis, bei den anderen fünf Kandidaten reicht es nur für ein "ausreichend". In der Praxis kommt hinzu, dass die Profile vieler Ganzjahresreifen auf Sommerreifen-Werte heruntergefahren werden. Unterhalb von vier Millimetern Profiltiefe lässt ihre Haftung auf Schnee aber stark nach.