"Age of Empires 3" Imperien mit Schattenseiten


Microsofts "Age of Empires" und "Age of Kings" haben dem Echtzeitstrategie-Genre echte Glanzpunkte beschert. Bei "Age of Empires 3" halten sich Licht und Schatten die Waage ...

Das Zeitalter der Entdeckungen bildet den historischen Hintergrund für "Age of Empires 3": Am anderen Ufer des großen Teichs werden Kolonien gegründet, Bündnisse mit Indianerstämmen geschmiedet, Piratennester ausgehoben und natürlich Kämpfe gegen andere schlagkräftige Mächte ausgefochten. Acht Nationen (Spanier, Briten, Franzosen, Portugiesen, Russen, Osmanen, Deutsche und Holländer) mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen liefern sich in insgesamt 24 Missionen erbitterte Schlachten.

Noch weniger als in den beiden Vorgängern scheren sich die Entwickler von den texanischen Ensemble Studios um geschichtliche Fakten. Vielmehr lassen sie bei der Mantel-und-Degen-Story, die alle drei Einzelspieler-Kampagnen durchzieht, ihrer Fantasie freien Lauf. Spannend ist das allemal, sorgt aber für den einen oder anderen Stilbruch (Handelswege mit Eisenbahnen!) und gibt der ganzen "AoE"-Reihe eine ganz neue Ausrichtung.

Echtes Gameplay-Neuland betreten die Ensemble-Leute um Mastermind Bruce Shelley in "Age of Empires 3" jedoch nicht. Das Grundprinzip bleibt dem altbekannten Muster treu: Ressourcen abbauen, Siedlungen aufbauen, Karte erforschen und gegnerische Bedrohungen ausschalten. Die Veränderungen liegen eher im Detail. Am augenscheinlichsten sind dabei die Heimatstädte: Über die Missionen hinweg gewinnen die Einheiten eines Volkes an Erfahrung, die dann in die Weiterentwicklung der Heimatstädte fließt. Im Gegenzug stellen diese Nachschub an Rohstoffen, Einheiten oder neuen Technologien bereit. Handelswege dienen ebenfalls der zügigen Beschaffung von Ressourcen - Holz, Nahrung und Gold lassen sich zudem im Austausch gegen Überschüsse aufstocken.

"Age of Empires 3" schränkt die taktischen Möglichkeiten des Spielers im Vergleich zum Vorgänger deutlich ein: Formationen bilden die Einheiten mehr oder weniger automatisch, ohne dass man selbst über die Einstellung "Defensiv" oder "Aggressiv" hinaus noch maßgeblich darauf Einfluss nehmen könnte. Immerhin passen sich die Kämpfer beim Vormarsch ans Tempo der langsamsten Einheit an, sodass Truppenverbände unterwegs nicht "zerfleddern". Auch die Wegfindung hält selbst härteren Bewährungsproben stand. Nützlich: Neue Einheiten wie der spanische Rodelero oder der englische Langbogenschütze lassen sich jetzt auch auf Schiffen ausbilden.

Die Steuerung greift im Wesentlichen das bewährt-intuitive System der Vorgängertitel wieder auf, so dass sich Veteranen auch ohne Durchspielen der hübschen Tutorial-Missionen auf Anhieb zurecht finden.

Grafisch fällt "Age of Empires 3" mit seinen detailreichen, zoombaren 3-D-Karten deutlich opulenter und stimmungsvoller aus als die ersten beiden Titel der Reihe. Die liebevollen Animationen der Einheiten bieten viel fürs Auge - es beeindruckt schon, wenn beispielsweise die Geschosse der Artillerie nach exakt berechneten Flugbahnen das Mauerwerk der gegnerischen Festung zerbröseln. Dafür entwickelt die Grafik bei zugeschalteten Shader- und High-Dynamic-Range-Effekten einen schier unglaublichen Hardware-Hunger, den derzeit wohl nur mit einer GeForce-7800-GTX-Karte bestückte Systeme jenseits der 3,0-GHz-Grenze stillen können.

Age of Empires 3

Hersteller/Vertrieb

Ensemble Studios/Microsoft

Genre

Strategie

Plattform

PC

Preis

ca. 50 Euro

Altersfreigabe

ab 12 Jahren

Alles in allem ist "Age of Empires III" ein anspruchsvolles, sehr unterhaltsames Programm, aber sicher nicht der große Wurf, den alle Welt angesichts der ersten Bilder und Ankündigungen erwartet hat. Technisch solide mit gut ausbalancierten Einheiten und einer zumindest in den höheren Schwierigkeitsgraden herausfordernden KI mangelt es "Age of Empires 3" vor allem an taktischen Möglichkeiten, an Flexibilität und Vielfalt besonders in den Spielarten des Mehrspieler-Modus. Der muss nämlich mit lumpigen zwei Varianten (Vorherrschaft und Deathmatch) auskommen.

Herbert Aichinger/Teleschau TELESCHAU

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