"Call of Duty 2" Dramatik vorprogrammiert


Ungemein packend präsentiert sich der Shooter "Call of Duty 2" seinem volljährigen Publikum - allerdings auch extrem kurzatmig: Nach zehn bis zwölf Stunden ist der grafisch prächtige Weltkriegs-Trip vorbei.

Wie im ersten Teil schließt sich der Spieler im Verlauf der rund zehn ausgedehnten Missionen gleich drei verschiedenen Armeen an. Zu Beginn schlüpft er in die dünne Uniform eines Rotarmisten, um gemeinsam mit seinen Kameraden Moskau und Stalingrad zu verteidigen. Anschließend findet er sich in den Reihen der britischen Armee wieder und muss sich sowohl in Nordafrika als auch in Frankreich bewähren. Zum Abschluss seiner Reise in die Vergangenheit heuert er bei den US Army Rangers an und muss seinen Teil dazu beitragen, dass der D-Day reibungslos verläuft. Dieses Episoden-Gameplay ist größte Schwäche und Stärke zugleich.

So richtig identifizieren kann und will sich der Spieler mit den Soldaten nicht, den er verkörpert. Zu wenig erfährt man über das virtuelle Alter Ego. Dafür beugt der stete Wechsel Langeweile vor, da just in dem Moment, in dem sich so etwas wie Routine einstellt, eine neue "Karriere" beginnt. Ganz davon zu schweigen, dass in den knapp zehn bis zwölf Stunden virtuellem Weltkrieg die verschiedensten, grafisch allesamt atemberaubenden Schauplätze besucht werden.

Interessant ist, dass die Entwickler von Infinity Ward auf die in 3-D-Shootern übliche Anzeige der Lebensenergie verzichtet haben. Wird der Spieler von einer Kugel getroffen, färbt sich der Bildschirm rot. Die Botschaft ist unmissverständlich: höchste Zeit, in Deckung zu gehen! Gut geschützt vor feindlichem Feuer wartet der Soldat, bis seine Lebensgeister zurückkehren. Medi-Packs oder Sanitäter gibt es in "Call of Duty 2" nicht. Dass dieses Feature dennoch den Realismus erhöht, merkt der Gamer spätestens in der zweiten Teil-Kampagne.

Ebenfalls neu - und nicht minder wichtig - ist die Rauchgranate, die nicht nur im Kampf gegen feindliche Scharfschützen und MG-Nester eine große Hilfe darstellt. Auch in den diversen Multiplayer-Varianten, darunter auch zwei echte Teamplay-Modi, sind die schönen Schwaden oftmals entscheidend.

Visuell überrumpelt "Call of Duty 2" den Spieler mit einer - pardon - bombastischen Sounduntermalung, netten Grafikdetails und teils spektakulären Effekten - sofern die nötige Hardware-Power vorhanden ist. Unterhalb einer GeForce-6600- oder ATI-800XL-3-D-Karte verkommen Szenen, in denen große Soldatentrupps unterwegs sind, gar zur Diashow. Somit gehört "Call of Duty 2" wie etwa auch "Far Cry" zu den seltenen Games, die den Verkauf von Grafikkarten gehörig ankurbeln. Auch der Launch der Xbox-360-Konsole dürfte von dem Titel profitieren, zeigt er doch ansatzweise, welche Kraft der Microsoft-Maschine inne wohnt.

Call of Duty 2

Hersteller/Vertrieb

Infinity Ward/Activision

Genre

Action

Plattform

PC, Xbox 360

Preis

ca. 50 Euro

Altersfreigabe

ab 18 Jahren

Fazit: "Call of Duty 2" spielt sich aufgrund der zahlreichen Skript-Ereignisse wie sein Vorgänger, macht aufgrund optimierter Grafik und neuer Features aber wesentlich mehr Spaß und hat somit das Zeug zur neuen Genre-Referenz. Die Finger vom Abzug lassen sollte nur, wer die Kombination aus kinoreifer Atmosphäre und geballter Action verschmäht - und noch nicht volljährig ist!

Artur Hoffmann/Teleschau TELESCHAU

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