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"Command & Conquer: Alarmstufe Rot 3": Die Alarmglocken läuten wieder

Wenn kommunistische Kriegsbären auf japanische Schulmädchen mit PSI-Kräften treffen, wissen "Command & Conquer"-Fans: Es herrscht wieder einmal "Alarmstufe Rot" ...

Die wird zum Auftakt kräftig durcheinander gewirbelt, als Albert Einstein von Russen aus der Zukunft aus dem Raum-Zeit-Kontiunuum verbannt wird. Die Folge: Die Alliierten sind Jahre später für die Sowjetunion keine allzu große Gefahr mehr. Dafür macht sich nun das Reich der aufgehenden Sonne daran, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Anders formuliert: Aus dem ewigen Duell zwischen Ost und West ist nun ein Dreikampf geworden.

Das neue Gegengewicht zu den alten Fraktionen ist ziemlich exotisch ausgefallen. Die technologie-vernarrten Japaner setzen auf Mobilität und schnelle Expansion. Ihre Einheiten sind zwar nicht sonderlich stark, dafür aber wandlungsfähig. Auf Knopfdruck werden aus Hubschraubern Mechs, aus U-Booten flugs Jäger. Und wenn gar nichts mehr hilft, schickt das Reich der aufgehenden Sonne riesige Roboter und kleine Schulmädchen mit verheerenden PSI-Kräften die Schlacht.

Nicht minder skurril ist das Arsenal der Russen. Neben schweren Geschützen fahren die Sowjets zuweilen auch mobile Zirkuskanonen auf, aus denen sie kommunistische Kriegsbären hinter die feindlichen Linien feuern. Selbstredend, dass "Alarmstufe Rot"-Veteranen auch wieder ihre geliebten Zeppeline aussenden und den "Eisernen Vorhang" fallen lassen dürfen. Im Westen dagegen wenig Neues: Die Alliierten versuchen, mit ihrer gewohnt starken Luftwaffe dagegen zu halten, und können sich unter anderem über den Cryocopter freuen, der gegnerische Einheiten per Laserstrahl schrumpft.

So hanebüchen das alles klingen mag, so gewohnt, ja fast schon konservativ spielt sich "Alarmstufe Rot 3" über weite Strecken. Meist folgen die Missionen der drei voneinander unabhängigen Kampagnen dem Echtzeit-Strategie-Schema F: Basis aufbauen, Rohstoffe sammeln, aufrüsten, Gegner überrennen. Eskortierungen, Infiltrationen, die Verteidigung eines Gebäudes über eine gewisse Zeit - auch das kennt man zur Genüge. Umso dankbarer ist man für die wirklich gelungenen Einsätze, die mit abwechslungsreichen Aufgaben, plötzlich erweiterten Gebieten, witzigen Einfällen und dem Einsatz von spektakulär inszenierten, aber nicht übermächtigen Superwaffen überraschen. So dürfen die Russen beispielsweise ihren Weltraummüll gezielt auf ihre Widersacher kippen, die Alliierten dagegen Zeit-Bomben über die gesamte Karten beamen ...

KI-Commander oder Koop-Modus? Das ist bei "Alarmstufe Rot 3" neuerdings die Frage. In jeder Mission bekommen PC- und Xbox-360-Strategen einen Adjutanten zur Seite gestellt, der entweder von einem Kumpel oder dem Computer gesteuert wird. Künstliche Intelligenz und "C&C"? Wie zu erwarten ein Problemfall. Trotz vier rudimentärer Befehle agiert der digitale Partner manchmal etwas unglücklich. Da werden gemeinsam genutzte Rohstoffe in Seestreitkräfte gesteckt, obwohl der Gegner vornehmlich an Land operiert. Und über die unzuverlässige Wegfindung muss man wirklich kein Wort mehr verlieren. Vermutlich ist diese längst ein Markenzeichen der Reihe und wird als solche tunlichst vernachlässigt.

Command & Conquer: Alarmstufe Rot 3

Hersteller/Vertrieb

EA/EA

Genre

Strategie

Plattform

PC

Preis

ca. 55 Euro

Altersfreigabe

ab 16 Jahren

Aber wer sich von "Alarmstufe Rot 3" taktischen Tiefgang erwartet, ist ohnehin fehl am Platz. Das Spiel ist in erster Linie virtuelles Popcorn-Kino mit Strategie-Elementen, was sich nicht zuletzt auch in den ebenso zahlreichen wie schrägen Videosequenzen widerspiegelt. Leider dürfen die Darsteller darin nicht immer so, wie sie können. Besonders deutlich wird das bei J.K. Simmons, der zuletzt im Kino-Hit "Burn After Reading" einen dümmlichen CIA-Bürokraten spielte und hier nun den starrsinnigen US-Präsidenten gibt. Kein Witz: Dazwischen liegen ganze Humorwelten! Oscarverdächtig sind dafür die spektakulären Licht-, Explosions- und Wassereffekte, die die Schwächen des betagten Grafikgerüsts ebenso so gut kaschieren wie die drallen Mädels, die immer wieder bei den Lagebesprechungen zu sehen sind.

Gerd Hilber/Teleschau / TELESCHAU