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Verlegung der US-Botschaft: So reagiert die islamische Welt auf Trumps Jerusalem-Pläne

Donald Trumps Jerusalem-Pläne lassen in der islamischen Welt die Alarmglocken läuten. Die Türkei befürchtet einen interreligiösen Konflikt. Saudi-Arabien sieht eine Provokation der Muslime weltweit.

Die Pläne von US-Präsident Donald Trump zur Anerkennung von Jerusalem als Hauptstadt Israels stoßen in der islamischen Welt auf scharfen Widerstand. Die türkische Regierung warnte am Mittwoch vor einem neuen interreligiösen Konflikt. Ministerpräsident Binali Yildirim sagte bei einem Besuch in Seoul nach Angaben der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu, sowohl eine Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt als auch eine Verlegung der US-Botschaft dorthin wären "rechtswidrig". 

Palästinensische Jugendliche im Gaza-Streifen verbrennen ein Bild von US-Präsident Donald Trump

Palästinensische Jugendliche im Gaza-Streifen verbrennen als Reaktion auf die angekündigte Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem ein Bild von US-Präsident Donald Trump


Yildirim betonte: "Es ist sowohl in Anbetracht der Zukunft der Region als auch des Weltfriedens von zentraler Bedeutung, dass der Präsident der USA keine Erklärung in diese Richtung abgibt." Außenminister Mevlüt Cavusoglu warnte vor einem "großen Fehler". Cavusoglu sagte laut Anadolu in Brüssel: "Statt Stabilität und Frieden wird das Chaos in die Region bringen. Nicht nur die muslimische Welt, sondern die ganze Welt ist dagegen." Er habe diese Position bereits zuvor seinem US-Amtskollegen Rex Tillerson mitgeteilt und werde das erneut tun. 

Saudi-Arabien: Weltweite Provokation von Muslimen

Bereits am Dienstag hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan mit einem Abbruch der Beziehungen zu Israel gedroht und gesagt: "Herr Trump, Jerusalem ist die rote Linie der Muslime." Syriens Außenministerium erklärte am Mittwoch nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Sana, die Pläne stellten "eine Krönung des Verbrechens der Usurpierung Palästinas und der Vertreibung des palästinensischen Volkes" dar. Der "gefährliche Schritt" zeige deutlich die Geringschätzung der USA für internationales Recht. 

Zahlreiche arabische Länder hatten sich bereits am Dienstag vehement gegen die US-Pläne ausgesprochen. Der saudische König Salman sagte in einem Telefonat mit Trump, eine Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels ohne eine abschließende Regelung mit den Palästinensern schade dem Nahost-Friedensprozess und erhöhe die Spannungen in der Region. Ein solch "gefährlicher Schritt" würde Muslime weltweit provozieren.

Geschlossene Ablehnung für Trumps Pläne

Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi drängte Trump in einem Telefongespräch, die Lage in der Region nicht durch Schritte komplizierter zu machen, die die Chancen auf einen Frieden im Nahen Osten untergrüben, wie ein Sprecher des ägyptischen Staatsoberhauptes erklärte. Marokko äußerte nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur MPA "tiefe Sorge und scharfe Ablehnung".

Der Iran wertete das Vorhaben Trumps als Zeichen der Schwäche. Dieser Schritt werde die Befreiung Palästinas von israelischer Besetzung nicht stoppen, betonte Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei. "Jerusalem zur Hauptstadt des besetzten Palästinas zu erklären, zeigt lediglich die Verzweiflung und Handlungsunfähigkeit (der USA und Israels)." 

Auch Iraks Ministerpräsident Haidar al-Abadi lehnte eine Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem ab und warnte vor den Auswirkungen. Jordanien forderte eine Dringlichkeitssitzung der Arabischen Liga. 

fin/DPA