HOME

Neun Gründe für die Krise: Darum trägt der FC Bayern eine Mitschuld am BVB-Chaos

Der BVB ist auf Platz 18 abgestürzt, in Dortmund schrillen die Alarmglocken. Für das Chaos gibt es neun Gründe. Auch der FC Bayern hat seinen Anteil daran.

Von Felix Haas

Der BVB steckt in der Krise - und der FC Bayern wirbt weiter um Marco Reus

Der BVB steckt in der Krise - und der FC Bayern wirbt weiter um Marco Reus

1. Die lange Verletztenliste

Borussia Dortmund fehlen von Saisonbeginn an immer wieder wichtige Spieler. Weltmeister Mats Hummels, vielleicht der zentrale Führungsspieler des Teams, stand bislang erst in drei Bundesliga-Begegnungen über 90 Minuten auf dem Platz. Auch Marco Reus, Sokratis und Jakub Błaszczykowksi fallen aus. Ilkay Gündogan ist zwar wieder fit - nach seiner langen Pause ist er aber längst noch nicht der Alte. Das Problem zudem: Kommt ein Spieler nach langer Verletzungspause in eine verunsicherte Mannschaft zurück, überträgt sich die Verunsicherung erst recht auf ihn.

2. Das Kopfproblem

Am Anfang waren es nur ein, zwei schlechte Spiele in der Bundesliga. Doch plötzlich existiert sie, diese große Lücke zu den Champions-League-Plätzen. Und schon nistet sich der destruktiver Gedanke ein: "Wir laufen den eigenen Ansprüchen meilenweit hinterher." Das weckt Zweifel. Mittlerweile sieht jeder Laie den BVB-Profis ihre Unsicherheit und die Verzweiflung an. BVB-Sportdirektor Michael Zorc benennt das Problem wie folgt: "In den letzten Wochen hat man immer noch geschaut, wie sind die Abstände nach oben." Jetzt fordert er ein Umdenken: "Wir sind mitten im Abstiegskampf angekommen, das muss jedem klar sein"

3. Das Ginter-Durm-Problem

Matthias Ginter und Erik Durm kennt mittlerweile jeder. Sie sind deutsche Weltmeister. Dadurch vergisst man allzu leicht, dass Ginter erst 20 Jahre alt ist und bislang nur eine starke Saison bei einem Abstiegskandidaten (Freiburg) gespielt hat. Erik Durm ist 22 Jahre alt, er kennt das Profigeschäft noch weniger. Erst im Februar beförderte Klopp ihn dauerhaft in die erste Mannschaft. Beide Spieler stehen sinnbildlich für die Krise. Ob sie wirklich einmal Weltklasse-Kicker werden können, müssen sie erst noch beweisen. Momentan deutet einiges darauf hin, dass sie lediglich durchschnittliches Bundesliga-Niveau erreichen.

4. Das Abwehr-Chaos

Acht der 21 Dortmunder Gegentreffer resultierten aus vermeidbaren Abwehr-Patzern. Jürgen Klopp sagte nach den unnötigen Gegentoren im Frankfurt-Spiel: "Die Tore passen in unser Kuriositäten-Kabinett". Individuelle Fehler machen dem BVB das Leben schwer. Doch zur vollständigen Wahrheit gehört auch: Das kollektive Verteidigen hatte die Borussia schon mal besser drauf. Das Gegenpressing ist längst nicht so konsequent wie in den vergangenen Jahren. Zudem erschweren einfache Ballverluste im Spielaufbau die Abwehrarbeit.

5. Stümperei im Passspiel

In der ersten Hälfte gegen Frankfurt brachte der BVB gerade einmal etwas über 60 Prozent aller Pässe an den Mitspieler. Eine solche Passquote haben sonst nur die "echten" Abstiegskandidaten. Kevin Großkreutz leitete mit einem katastrophalen Fehlpass das erste Frankfurter Tor ein. Offensiv-Star Henrikh Mchitaryan dribbelt seit Wochen mit Volltempo in die gegnerischen Abwehrreihen, verliert unnötige Bälle. Es sind die einfachen Dinge, die häufig nicht klappen. Es fehlt jemand, der das BVB-Spiel mit Klarheit und Ruhe ordnet.

6. Der Lewandowski-Abgang

Robert Lewandowski fehlt dem BVB. Er war der Fixpunkt im Dortmunder Spiel, er war mehr als ein Torjäger. Lewandowski hielt Bälle und verteilte sie auf nachrückende Teamkollegen, lieferte wichtige Vorlagen. Lewandowski vereint die besten Eigenschaften - ist Konterstürmer und Strafraumstürmer zugleich. Den Abgang hat der BVB nicht ersetzen können.

7. Das Sturmproblem

Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc und Trainer Jürgen Klopp versuchten, den Lewandowski-Abgang zu kompensieren, indem sie die Aufgaben auf mehrere Schultern verteilten. Ciro Immobile kam im Sommer als bester Angreifer der italienischen Serie A, Adrian Ramos als variabler Stürmer mit viel Potenzial im Spielaufbau. Doch die Rechnung der Verantwortlichen geht bislang überhaupt nicht auf. Immobile und Ramos bleiben weit hinter den Erwartungen zurück. Der BVB hat ein Sturmproblem.

8. Die Bayern-Sticheleien

Der FC Bayern trägt durchaus eine Mitschuld an der Dortmunder Krise. Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge verkündete schon zu Saisonbeginn forsch, dass sich der FC Bayern für Marco Reus interessiere. Die Presse fragte beim Spieler und den BVB-Verantwortlichen nach. Wochenlang gab es kaum ein anderes Fußballthema. Zu aktuellen Gerüchten sagt Rummenigge gegenüber der "Bild"-Zeitung: "Das kann ich nicht kommentieren. Die Dortmunder haben andere Probleme." Das kommt nun zu spät: Der FC Bayern hat dem BVB viel Unruhe eingebrockt.

9. Der Ratlos-Klopp

Es enbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass Jürgen Klopp am Abend in Frankfurt ein Seminar zum Thema "Motivation & Führung - Titel, Thesen, Tore" gibt. Es dürfte spannend zu sehen sein, was Klopp dort berichtet. Im Interview nach dem Debakel in Frankfurt wirkte Klopp angeschlagen. "Wir machen viel für nichts. Die Spielentwicklung führt nicht dazu, dass wir uns Selbstvertrauen holen. Das zu durchbrechen, ist eine große Herausforderung", sagte er zum Sky-Reporter. An einen Rücktritt denkt er noch nicht. Doch so ratlos wie in diesen Tagen hat man den Starcoach noch nie gesehen. Das kann auch für die Mannschaft gefährlich sein.

Wissenscommunity