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"Def Jam: Icon": Rüpelphrasen und Prügelstrafen

Mit Baggies in den Ring? Sowas gibt's nur bei "Def Jam: Icon", EAs neuestem Beat'em Up, bei dem sich über 20 Rap-Größen gegenseitig die Fresse polieren.

Am Spielprinzip hat sich seit "Fight For NY", das mittlerweile zweieinhalb Jahre auf dem Buckel hat, wenig geändert. Wieder stehen sich zwei Rapstars in einer Kampfarena gegenüber, um sich zu vermöbeln, während Genrehits durch die Boxen wabern. Mit von der Partie ist diesmal - Crunk sei Dank - die gesammelte Dirty-South-Fraktion: Von Joung Jeezy über E-40, T.I. und Ludacris bis hin zu Lil' Jon findet sich beinahe die gesamte ATL-Prominenz ein. Aber auch Oldtimer wie Method Man und Redman sowie Außenseiter Sean Paul schicken ihre Pixel-Ebenbilder in den Ring.

Die Jungs verkloppen sich vor unterschiedlichsten Kulissen, die ohne Weiteres ihren Videos entsprungen sein könnten. Im prall gefüllten Club wird ebenso geschlägert wie auf der Straße in da Hood oder auf einem Helikopterlandeplatz inmitten einer fiktiven Stadt. Obendrein hat jeder Schauplatz seine eigenen Tücken, denn überall gibt es Dinge, die den Kampf mitbestimmen.

Und hier kommt die Musik ins Spiel: Im Takt zum laufenden Track speien Boxen Feuer und es vibriert die Einrichtung. Wird der Widersacher im rechten Moment gepackt und in die Ecke geschleudert, katapultiert ihn eine Explosion womöglich noch einmal quer durch den Raum. Das funktioniert allerdings nur, wenn gerade der persönliche Kampf-Track läuft. Hat der Gegner seine Hymne aktiviert, muss erst in den DJ-Modus gewechselt werden, um per Analogstick, die eigene Platte reinzuscratchen. Das erfordert allerdings einige ruhige Sekunden und reichlich Fingerfertigkeit.

Überhaupt ist die gesamte Steuerung recht schwammig geraten. Während auf den Aktionstasten Standardattacken ausgeführt werden, braucht der User den rechten Stick für Special-Moves, das Steuerkreuz für Würfe und die Schultertasten zum Scratchen und rumprollen. Ein Schelm, wer denkt, er könne sofort seinen Hassrapper ausknocken - besonders zu Anfang ist der Schwierigkeitsgrad happig. Auf ein Tutorial wurde dennoch verzichtet. Stattdessen muss sich der angehende Getto-Kampfsportler im Trainingsmodus auf eigene Faust durchboxen, um das Kampfsystem zu verinnerlichen.

Schade ist auch, dass der Karrieremodus nur auf einer fadenscheinigen Story aufbaut. Durch Zufall wird der im umfangreichen Editor erschaffene Charakter in eine Schlägerei verwickelt, aus der er als Profi-Prügler hervorgeht. Viel Abwechslung bieten die Haudrauf-Aufträge jedoch nicht, auch zwischen den Fights kann allenfalls die Bling-Bling-Kollektion erweitert oder neueste (linzensierte!) XXL-Mode geshoppt werden.

Dafür belohnt "Def Jam: Icon" Zocker mit exzellenter Grafik. Effektgetränkt und ruckelfrei verhauen sich einwandfrei animierte Rapper vor großartigen Kulissen. Nicht mal ein Energiebalken versperrt die Sicht auf das Next-Gen-Spektakel: Wenn es einem MC an den Kragen geht, kennzeichnet das ein Filter, der das Bild grell färbt. Leider trüben die langen Ladezeiten und die teils unübersichtliche Kameraperspektive den Prügelspaß.

Def Jam: Icon

Hersteller/Vertrieb

EA/EA

Genre

Beat'em Up

Plattform

PS3, Xbox 360

Preis

ca. 65 Euro

Altersfreigabe

ab 18 Jahren

Wett macht dies der bombige Soundtrack, der sich allerdings vor allem an Rapfans richtet. Gitarren und stampfende Elektrobeats sucht man bei "Icon" vergeblich. Stattdessen wurde die Playlist randvoll mit den Tracks der Akteure gepackt, unter die sich auch einige Klassiker wie MOPs "Ante Up" und Nas' "Hate Me Now" mischen. Xbox-360-Besitzer dürfen sich sogar zu ihren eigenen Lieblingsliedern kloppen, die ins Spiel integriert werden können. Obendrauf gibt es originalen Trashtalk der Stars, die selbst schwer blutend noch den Gegner dissen.

Gregor Jossé/Teleschau / TELESCHAU