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"Easter Eggs": Versteckte Schätze

"Easter Eggs" sind undokumentierte Gags, Grüße, Spiele oder Boni, die pfiffige Programmierer in Software, CDs oder DVDs verbergen. Sie sind teils so gut versteckt, dass nicht einmal der Hersteller von ihnen weiß. stern.de hat Geheimnisse gelüftet.

Von Udo Lewalter

Das Osterfest ist da. Man denkt an bunte Eier, zuckersüße Osternester und strahlende Kinderaugen. Und an glückliche Eltern. Genau wie sie, so bereiten auch Hersteller von Anwenderprogrammen, Betriebssystemen, CDs oder Computerspielen ihren Nutzern regelmäßig große Freuden. Mit Zusatzfunktionen, die in keinem Handbuch vermerkt sind. Mit Erweiterungen, die in der Software ebenso gut versteckt sind, wie die süßen Osterleckereien im Garten. Aus dem christlichen Brauchtum leitet sich auch der Name der Entwickler-Geschenke ab: "Easter Eggs", zu deutsch Ostereier.

Easter Eggs sind zumeist simple Gags. Wortbotschaften von den Programmierern an den Nutzer, eine Liste der Mitarbeiter oder Seitenhiebe gegen die Konkurrenz. Es können aber auch umfassende Zusätze wie ein Bonus-Film auf einer DVD oder ein verstecktes Musikstück auf einer CD sein, die einen echten Mehrwert bieten. Und selbst in öder Anwender-Software lässt sich so manch abgedrehter Gag entdecken. Oder würde man einen Flugsimulator in Microsofts Tabellenkalkulation "Excel 97" erwarten? Um an die Geheimnisse zu gelangen, reichen in der Regel ein paar simple Eingaben.

Der erste Nistplatz

Das erste Osterei dieser Art versteckte 1978 der pfiffige Programmierer Warren Robinett im Computerspiel "Adventure". Er platzierte in seiner digitalen Welt einen Bonusraum, in dem zu lesen stand: "Entwickelt von Warren Robinett". Für Robinett war der digitale Spaß ein Schuss gegen seinen Arbeitgeber, Atari. Damals war es noch streng untersagt, die Entwickler von Spielen zu nennen - aus Angst vor Abwerbungen und Personenkult.

Heute motivieren andere Gründe zum Einbau der Gimmicks. Gerald Köhler, Spiele-Designer von PC-Fußballmanager-Simulationen wie "EA Fußball Manager 07" oder "Anstoß 3", sieht in erster Linie den Spaß für den Nutzer: "Unsere User erinnern sich oft noch nach Jahren an solch besondere Dinge im Spiel. Das ist das eigentlich Coole". Ganz uneigenützig macht man sich die Arbeit aber dann doch nicht. "Ein netter Nebeneffekt ist natürlich die zusätzliche Presse-Coverage", sagt Köhler. Er muss es wissen, denn in seinen Spielen schlummern viele Ostereier. So wurden virtuelle Kicker in seinen Fußball-Simulationen schon mal von Außerirdischen entführt oder es stand ein Trainingslager auf Atlantis an.

Eine aussterbende Spezies

Köhler fürchtet jedoch, dass es künftig nur noch wenige digitale Späße geben wird: "In der guten alten Zeit der völlig freien Entwicklung, ohne strenge Zeitpläne und straff organisierte Tests, war so etwas noch leicht unterzubringen. In Zukunft wird das immer schwieriger".

In welchen Programmen einige der schönsten Easter Eggs zu finden sind und wie man sie frei schaltet, verraten die Beispiele in der Fotostrecke.

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