"Faces of War" Däumchendrehen in den Ardennen


Immer wenn Opa vom Krieg erzählt, wenden sich die Enkel mit Grausen ab - und spielen den Zweiten Weltkrieg lieber auf dem PC nach. "Faces of War" schickt sie dabei an die wichtigsten historischen Schauplätze.

"Faces of War" zeigt die Gesichter des Krieges aus der Perspektive der Alliierten, der Deutschen und Russlands. Drei Einzelspieler-Kampagnen mit insgesamt 24 Missionen erwarten den unersättlichen Weltkriegs-Taktiker. Eine zusammenhängende Story wie im größten aktuellen Konkurrenten "Company of Heroes" erzählen die Szenarien in Ubisofts Schlachtensammlung allerdings nicht. Stattdessen gilt es, eine Unzahl verschiedenster Aufträge zu absolvieren. Mal wollen Brücken gesichert, mal gegnerische Panzer erobert, dann wieder heimtückische Hinterhalte abgewehrt werden.

Weder im Westen noch im Osten tut sich in dieser Hinsicht also viel Neues. Anders als in vergleichbaren Titel steuert der Spieler in "Faces of War" jedoch keine großen Kampfverbände, sondern nur einen überschaubaren Trupp aus sechs Soldaten. Das bedeutet aber nicht, dass es auf den Schlachtfeldern immer "intim" zugeht. "Faces of War" inszeniert durchaus monumentale Gefechtsszenarien wie etwa die Landung der Alliierten in der Normandie. Der Squad des Spielers ist in solchen Fällen dann lediglich Bestandteil eines riesigen, vom Computer gesteuerten Kampfverbands.

Während in den meisten einschlägigen Strategie-Titeln seit der Initialzündung "Command & Conquer" eine bescheidene Einheiten-KI zu den häufigsten Kritikpunkten zählt, übertreibt es "Faces of War" schon fast mit der Intelligenz der Soldaten. Sie gehen völlig selbstständig in Deckung und nehmen ohne Anweisung ihre Gegner aufs Korn. Als Spieler fühlt man sich dabei des Öfteren beinahe zum Zuschauer degradiert, der nur gelegentlich in den direkten Steuerugsmodus wechselt, um wie in einem Shooter mit Maus und Cursortasten korrigierend in die Kampfhandlungen einzelner Einheiten einzugreifen.

Ausreichend Beachtung erfordert hingegen das Mikromanagement. Jeder Kämpfer hat ein eigenes, reichlich bedienerunfreundliches Inventar, in dem er Waffen und Munition mit sich herumschleppt. Pulver-Nachschub, neue Waffen und Medi-Packs finden sich in einschlägigen Kisten oder in den Habseligkeiten besiegter Gegner. Komischerweise kümmern sich die sonst so selbstständigen Jungs nicht selber darum, mit genügend Feuerkraft ins Feld zu ziehen.

Kein Zweifel: "Faces of War" sieht toll aus und die Kamerasteuerung über die detailreichen Maps funktioniert butterweich. Die meisten Objekte sind zerstörbar - Panzer walzen Mauern nieder, und Geschosse legen Häuser effektvoll in Schutt und Asche. Probleme bereitet allenfalls vereinzelt die Wegfindung und bei der direkten Einheitensteuerung die Neigung der Spielfiguren, an Wänden und Hausecken hängen zu bleiben. Anders als bei den meisten Mitbewerbern im Genre vermisst man in "Faces of War" einen Skirmish-Modus - ein dicker Minuspunkt für die Langzeitmotivation! Auch bei der Lokalisierung wurde geknausert: Ubisoft hat die englische Sprachausgabe lediglich mit deutschen Untertiteln versehen.

Faces of War

Hersteller/Vertrieb

1C Company/Ubi Soft

Genre

Strategie

Plattform

PC

Preis

ca. 50 EUro

Altersfreigabe

ab 16 Jahren

Fazit: "Faces of War" ist spannend, gibt dem Spieler aber oft das Gefühl, nicht wirklich Herr über das Geschehen zu sein. Dass auf einen Gefechts-Modus verzichtet wurde, erscheint völlig unverständlich. Hier haben die Entwickler an der falschen Stelle gespart - so ist "Faces of War" keine echte Alternative zum neuen Genre-Primus "Company of Heroes"!

Herbert Aichinger/Teleschau TELESCHAU

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