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"Fracture": Pazifikaner sind keine Pazifisten

Die Wüste bebt! In der Endzeit-Ballerei "Fracture" lässt sich auch die Umgebung arg in Mitleidenschaft ziehen. Sonderlich tiefgründig ist das zwar nicht, aber manchmal ein erhebendes Gefühl.

Mittendrin im postapokalyptischen Konflikt zwischen der guten Ost- und bösen Westküste: der vom Spieler aus der Verfolgerperspektive gesteuerte Elitesoldat Jet Brody. Er soll den abtrünnigen und machtbesessenen Anführer der Republik Pazifika mit Hauptsitz San Francisco zur Strecke bringen. Eigentlich kein Problem, würde der nicht seine Armee auf Brody hetzen. Trotz Themen wie Bürgerkrieg, Genmanipulation und Terraforming: Viel tiefgründiger wird die Geschichte des drei Akte umfassenden Shooters nicht. Dafür können sich die zahlreichen eingestreuten Zwischensequenzen wirklich sehen lassen - wie im Übrigen auch das Effektfeuerwerk, das die Grafiker von LucasArts abbrennen.

"Fracture" lebt in erster Linie von seiner ebenso atem- und kompromisslosen Action - und natürlich der Grundidee, mit dem sogenannten "Verformer" die Landschaften komplett umzupflügen. Da werden Anhöhen dem Erdboden gleichgemacht, Mauern untertunnelt oder Wälle aufgeschichtet, um sich vor feindlichem Feuer zu schützen. Neben strategischen Vorteilen im Kampf gegen die "Pazifikaner" (das krasse Gegenteil von Pazifisten) bietet das "Terrain Deformation"-Feature auch ganz neue Wege bei der Lösung diverser Rätsel. Um etwa ein schweres Metallgitter oder eine eingestürzte Brücke anzuheben, wirft Jet kurzerhand eine Stachelgranate darunter, die eine Felsensäule in die Höhe wachsen lässt. Die eignet sich im Übrigen auch prima als Fahrstuhl ...

Ähnlich einfallsreich war LucasArts bei der Entwicklung des abgefahrenen Waffenarsenals, das dem Spieler zur Verfügung steht. Torpedos, die sich durch die Erde wühlen und auf Knopfdruck detonieren, Granaten, die ein kleines Schwarzes Loch erzeugen, und Gewehre, die getroffene Gegner plötzlich sehr anziehend wirken lassen, machen Brody neben diversen Updates seiner Fähigkeiten das Überleben erheblich leichter. Zumal die Gegner zahlenmäßig stets weit überlegen sind und schon auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad eine erstaunliche Zielgenauigkeit an den Tag legen.

Fracture

Hersteller/Vertrieb

LucasArt/Day 1 Studios/Activision Blizzard

Genre

Action

Plattform

Xbox 360

Preis

ca. 60 Euro

Altersfreigabe

ab 16 Jahren

Nach etwa zehn bis 15 Stunden ist der Non-Stop-Action-Trip inklusive kleiner Fahreinlagen und dicker Bossgegner vorbei - "Fracture" aber noch lange nicht am Ende. Zahlreiche Multiplayer-Modi, in denen sich bis zu zwölf Gamer gegenseitig eine Grube schaufeln können, sorgen dafür, dass die grafisch eindrucksvoll in Szene gesetzte Ballerei nicht so schnell aus dem Laufwerksschacht fliegt. Ein Pflichtkauf ist "Fracture" allerdings nicht. Dafür bietet der PS3- und Xbox-360-Titel zu wenig Abwechslung. Auch ein wenig mehr Drama und Epos à la "Halo 3" wäre schön gewesen.

Gerd Hilber/Teleschau / TELESCHAU