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"Geheimakte Tunguska": Futter für Verschwörungsfreunde

Das klassische Adventure "Geheimakte Tunguska" verzichtet auf großes Brimborium. Stattdessen wird in stimmungsvoller Umgebung gerätselt, um den filmreifen Plot voranzutreiben.

Bis heute beißen sich Forscher am Fall "Tunguska" die Zähne aus: Im Juni 1908 ereignete sich nahe des sibirischen Flusses ein Vorfall, der im Umkreis von 30 Kilometern die Bäume entwurzelte. Man fand weder den Einschlagkrater eines Meteoriten noch Beweise für eine andere Naturkatastrophe. Worauf man allerdings stieß, ist ein Volk in China, das sich als die Nachfahren Außerirdischer sieht. Deren Version der Geschichte handelt von einem verunglückten Rettungs-Raumschiff - gefundenes Fressen für Mythen-Bastler und "Akte X"-Fans.

Wo ist Papi?

Auch die kreativen Köpfe der Entwickler Fusionsphere und Animation Arts ließen ihre Fantasie walten. Um das mysteriöse Tunguska-Ereignis sponnen sie eine reichlich undurchsichtige Verschwörungs-Story mit leichtem "Da Vinci Code"-Beigeschmack. Alles beginnt damit, dass die rothaarige 90-60-90-Schönheit Nina Kalenkow feststellen muss, dass ihr Vater, ein angesehener Forscher, entführt wurde. Schon bald trifft sie auf Max, einen Kollegen ihres Dads, der wie sie einem Modemagazin entliehen sein könnte.

Getrennt, aber doch gemeinsam sammeln die beiden - gesteuert vom Spieler - Indizien und kombinieren Hinweise. Dabei darf meistens Nina gesteuert werden, manchmal Max, an einigen Stellen kann zwischen beiden Figuren hin- und hergesprungen werden. Im Laufe des Software-Krimis werden die zwei in einen Strudel aus Interessenkonflikten, schmierigen Geheimdienst-Agenten und schwarz bekutteten Sektenmitgliedern hineingezogen. Genauso wie das Helden-Duo kann sich vermutlich auch der Tüftler vor dem Bildschirm nicht von der Geheimakte losreißen.

Rätselhaft spannend

Denn die knackigen Kombinationsrätsel und der spannende Plot machen es schwer, die Hand von der Maus zu lösen. In klassischer Point&Click-Manier wird die Umgebung erkundet, um Gegenstände einzusacken, die an anderer Stelle nützlich sind. Bedienerfreundlich ist vor allem die Funktion der Leertaste: Ein Druck zeigt alle interaktiven Objekte im Raum auf einmal an. Somit gehört mühseliges Absuchen des Bildschirms der Vergangenheit an.

Während Nina und Max auf der Suche nach Antworten von Berlin nach Moskau, Kuba, China und in die Antarktis reisen, sieht sich der Spieler mit stetig im Schwierigkeitsgrad steigenden Aufgaben konfrontiert. Unfair wird "Geheimakte Tunguska" jedoch nie. Wenngleich hier und da ein wenig abwegig, sind die Rätsel trotzdem logisch und lösbar. Gelegentlich lädt das lineare Adventure sogar zum Schmunzeln ein: Beispielsweise wird eine Katze mit angebundenem Handy als Abhörgerät eingesetzt.

Gut gemalt, gut gesprochen

Geknobelt wird in realistischen 2-D-Schauplätzen, die dank abwechslungsreichen Blickwinkeln und stimmigem Lichteinfall eine packende Atmosphäre erzeugen. Die 3-D-Charaktere darin sind hübsch animiert und glänzen mit ausgezeichneter Sprachausgabe. Die Dia- und Monologe kommen zwar gelegentlich bemüht locker rüber - die Skip-Funktion leistet jedoch in diesen Fällen Abhilfe. Zwischen den einzelnen Abschnitten treiben äußerst gelungene Sequenzen die Handlung voran.

Geheimakte Tunguska

Hersteller/Vertrieb

Animation Arts & Fusionsphere/Deep Silver

Genre

Adventure

Plattform

PC

Preis

ca. 40 Euro

Altersfreigabe

ab 6 Jahren

Schade nur, dass Profis die "Geheimakte Tunguska" bereits nach rund 15 Stunden Spielzeit wieder schließen dürften. Einsteiger hingegen - und jene begeistert das Game bestimmt - tüfteln mit großer Wahrscheinlichkeit über 20 Stunden an dem filmreifen Adventure.

Gregor Jossé/Teleschau / TELESCHAU
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