"Hospital Tycoon" Gähnen, bis der Arzt kommt


Codemasters macht Zocker zu Halbgöttern in Weiß. "Hospital Tycoon" knüpft an Bullfrogs zehn Jahre alte Klinik-Sim "Theme Hospital" an und will außerdem noch TV-Ärzte-Soaps auf die Schippe nehmen.

Eigentlich eine witzige Idee von Codemasters, das Konzept der Krankenhaus-Simulation "Theme Hospital" nach zehn Jahren wieder aus dem künstlichen Koma ins Leben zurückzuholen. Schließlich leben wir im Zeitalter von "Scrubs", "Grey's Anatomy", "Emergency Room", "Dr. House" und "Nip/Tuck" - da werden sich wohl genügend Interessenten für ein Spiel im Klinik-Milieu finden. Doch wie sieht's mit der Umsetzung aus? Nicht zu komplex, werden sich die Designer gedacht haben. Und der eine oder andere Seitenhieb auf die bekannten Doktorspielchen im TV kann auch nicht schaden - lachen ist bekanntlich gesund.

Nun, die Entwickler haben sich dann beim "Hospital Tycoon" auch arg zurückgehalten bei der Komplexität. Das Game ist simpel und für echte "Tycoon"-Veteranen keine Herausforderung. Von Unterhaltung kann aber aufgrund der sich ständig wiederholenden Abläufe auch kaum die Rede sein. Leider hat man es versäumt, das Spiel in eine anständige durchgehende Story zu betten. Die Diagnose deshalb: alles Stückwerk. Gegen diesen Spiele-Simulanten wirkt das betagte "Theme Hospital" frisch wie eine dralle Stationsschwester.

"Hospital Tycoon" funktioniert nach demselben Grundschema wie zahllose andere Wirtschaftssimulationen auch. Der Spieler managt in den zwölf Szenarien des Story-Modus oder im freien Sandkasten-Spiel eine Klinik mit Personal und Patienten. Über ein kompaktes Menü baut man neue Klinikräume, die alle gleich groß sind. Man bestückt sie mit medizinischen Gerätschaften oder banalen Accessoires wie Müllkübeln oder Snackautomaten. Hier gilt es, wie auch beim Einstellen und Entlassen von Mitarbeitern, stets das Budget im Auge zu behalten. Gesteuert werden die Schützlinge primär mit der Maus und aus einer isometrischen Perspektive durchs aseptische Environment. Wer möchte, der darf auch in den Ego-Modus wechseln und das Krankenhaus mit den Augen einer beliebigen Spielfigur unter die Lupe nehmen - nett, dass es möglich ist, Sinn macht es keinen.

Selbstgefällige Ärzte, vollbusige Schwestern, Seuchenexperten und Hausmeister interagieren zwar ähnlich wie die "Sims" miteinander, geben jedoch nur nerviges Baby-Gestammel von sich. Eine vollwertige Sprachausgabe hätte dem Spiel durchaus gut getan. Als echte Motivationsbremse erweisen sich die simplen Aufgaben (Patienten heilen, Mitarbeiter einstellen/entlassen, Räume bauen und ausstatten) und die viel zu geringen Einflussmöglichkeiten, die man auf den Klinikbetrieb hat. Selbst die durchaus witzigen Krankheiten (Mumien-Seuche, Golfplatzsyndrom, Werwolf-Befall), von denen stetig neue hinzukommen und nach anderen Diagnosegerätschaften verlangen, halten den PC-Mediziner dann auch nicht mehr lange an der Maus.

Hospital Tycoon

Hersteller/Vertrieb

DR Studios/Codemasters

Genre

Management

Plattform

PC

Preis

ca. 40 Euro

Altersfreigabe

ab 6 Jahren

Wer das Vorbild "Theme Hospital" kennt, wird "Hospital Tycoon" als müden Abklatsch empfinden - gequält witzig, ohne Tiefgang und ohne Langzeitmotivation. Technisch solide, aber spielerisch nichts Halbes und nichts Ganzes. Da wirkt der stolze Preis schon fast so übertrieben wie so manches Chefarzt-Honorar.

Herbert Aichinger/Teleschau TELESCHAU

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