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"Juiced 2 - Hot Import Nights": Rennen unter der Disco-Kugel

Während das neue "Need for Speed"-Game "ProStreet" noch etwas auf sich warten lässt, nutzt THQ die Gunst der Stunde, um "Juiced 2" auf den Markt zu bringen. Eine Vollgas-Sause mit gehörigem Pimp- und Proll-Faktor, aber auch Schwächen unter der Haube.

Kaum Neues in der illegalen Straßenrennszene: Der Arcade-Racer, den THQ nahezu für jedes verfügbare System veröffentlicht, wartet mit der bewährten Mischung aus tiefer gelegten Schlitten, qualmenden Reifen, prall gefüllten Nitrotanks und zahlreichen Tuning-Optionen auf, die das Herz eines jeden Autonarren höher schlagen lassen. Dem schönen Schein wird hier allerdings wesentlich mehr Platz eingeräumt als einer ausgefuchsten Leistungsoptimierung. Letztere beschränkt sich allenfalls auf zwei freispielbare Komplettpakete in den Kategorien Motor, Handling und Gewicht. Die Auswahl an Spoilern, Stoßstangen, Felgen, Motorhauben, Lackierungen und Türen im Lambo-Stil ist hingegen ungleich größer ...

Ähnliches gilt für das Erstellen des Alter Egos am Anfang einer Karriere. Von der Breite des linken Nasenflügels bis zum passenden Outfit darf so ziemlich alles bestimmt werden - was allerdings auch ziemlich überflüssig ist, weil der Schützling eh meist nur aus der Ferne auf dem Siegertreppchen zu sehen ist oder vor dem Start vor der eigenen Karre steht. Ein bisschen symptomatisch für das ganze Spiel: THQ hat bei "Juiced 2" so manche Feature-Teile verbaut, deren Sinn und Zweck sich nicht so recht erschließen wollen. Bestes Beispiel hierfür ist die groß angekündigte Fahrer-DNS. Wie in einem genetischen Profil soll sich in ihr sich das Fahrverhalten von Freund (später dürfen noch Teamkameraden kommandiert werden) und Feind widerspiegeln. Auch von den Spielern werden derartige Charakteristika angelegt, die sich online up- und downloaden sowie auf die vom Computer gesteuerten Kollegen übertragen lassen. Nur: Die Folgen halten sich meist in Grenzen, zumal am Ende meist eh alle geschlagen werden müssen, um in den insgesamt acht Ligen weiterzukommen ...

Immerhin: Die Herausforderungen könnten abwechslungsreicher nicht sein. Vom normalen Rennen über Elimination-Sessions (der jeweils Letzte in einer Runde scheidet aus) bis hin zu Drift-Contests reicht die Palette an Wettbewerben. Das alles findet auf 32 ebenso abgefahrenen wie abgesperrten Strecken statt. Es besteht also keine Gefahr, dass wie bei "Need for Speed" urplötzlich ein Sonntagsfahrer auftaucht und den sicher geglaubten Sieg gefährdet.

Wer will, kann vor den Rennen durch London, Tokio, Rom, Paris, San Francisco oder bayerische Bergdörfer auch noch auf die eigenen Fahrkünste wetten oder - für die ganz Mutigen - in speziellen Duellen mit allerlei Promis (unter anderem ist Fußballer Djibril Cissé am Start) den eigenen Boliden aufs Spiel setzen. Apropos: Rund 90 Original-Flitzer von Audi, Honda und Co. finden sich im Spiel wieder, die schön modelliert wurden und hässlich verbeult werden können. Allerdings hat das Schadensmodell rein optische Auswirkungen und zum Glück keine spielerischen. Die Steuerung ist ohnehin schon nervös genug ausgefallen.

Dafür hinterlässt "Juiced 2" grafisch einen schicken Hochglanz-Eindruck - dank unzähliger Licht-, Leucht-, Spiegel- und Verwischeffekte. Erkauft wird das grelle Farbgewitter durch elendslange Ladezeiten und variable Bildwiederholungsraten. Überflüssig zu erwähnen, dass die PS2-Version den Next-Gen-Vertretern deutlich hinterherfährt.

Juiced 2 - Hot Import Nights

Hersteller/Vertrieb

Juice Games/THQ

Genre

Rennspiel

Plattform

PS2, PC, Nintendo DS, PSP, PS3, Xbox 360

Preis

ca. 50 bis 70 Euro

Altersfreigabe

ab 6 Jahren

Trotz Lachgaseinspritzung und Vollgas-Mentalität gibt sich "Juiced 2" am Ende sogar noch ein bisschen öko: Denn zwischen all den getunten Reisschüsseln, Muscle Cars und Volkswagen taucht der Fanta-4-Rapper Smudo mit seinem BioConept Mustang auf. Natürlich ist der Auftritt des schnellen Stuttgarters mehr PR-Gag als ernstzunehmender Appell zum Spritsparen. Immerhin kann man ihm die Karre streitig machen und fortan mit Raps-Diesel über die Pisten heizen ...

Gerd Hilber/Teleschau / TELESCHAU
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