"Mario Strikers Charged Football" Marios skurrile Welt des Fußballs


Die Regeln sind vom Platz geflogen, dafür hat Nintendo beim neuen Wii-Gebolze "Mario Strikers Charged Football" einen Online-Modus ins Team aufgenommen.

Wir haben es schon immer geahnt: Mario, dieser dauergrinsende Vorzeige-Italiener mit Pizza-Wampe, Schnurrbärtchen und Trapattoni-Rhethorik ("It's a me") - kann eine verdammt fiese Sau sein. Wie er Prinzessin Peach da von hinten angeht, ist schon gelbwürdig. Quatsch! Rot müsste er für diese Blutgrätsche sehen! Doch kein Pfiff ertönt. Warum auch? In "Mario Strikers Charged Football" gibt es keinen Schiri, geschweige denn Regeln - bis auf die vielleicht: Das Runde muss ins Eckige - notfalls auch mitsamt dem Keeper.

Ansonsten tritt "Mario Strikers Charged Football" eherne Fußballgesetze mit den Füßen: Ein Spiel dauert hier nicht 90 Minuten, sondern allenfalls zehn. Reicht aber, denn öde Mittelfeldgeplänkel gibt es in diesem hektischen Anarcho-Gebolze nicht. Dafür aber gnadenlose Tacklings, schnelle Passstaffagen, spektakuläre Torszenen und fiese Tricks in Form von Bananenschalen, Kettenhunden und anderen Nintendo-typischen Power-Ups. Wer will, darf den gegnerischen Abwehrriegel auch mit ein paar Bomben sprengen ...

Auch die fälschlicherweise Sepp Herberger zugeschriebene Weisheit "Elf Freunde müsst Ihr sein" verliert rasch an Bedeutung, da die Teams lediglich aus einem Torwart und drei frei wählbaren Feldspielern mit unterschiedlichen Fähigkeiten bestehen. Angeführt werden sie von ihren Kapitänen Mario, Luigi und Co., denen eine besondere Rolle zukommt: Sie können Spezialfähigkeiten einsetzen (Mario pumpt sich beispielsweise zu einem Riesen auf, Peach schießt erst Fotos dann Tore, Bowser spuckt Feuer) und einen nur schwer zu haltenden "Megaschuss" vom Stapel lassen. Ein Mordspfund: Wer lange genug ausholt und ein gewisses Timing besitzt, befördert die Pille spektakulär in den Kasten und kassiert dafür auch noch bis zu sechs (!) Zähler.

Aber auch Seitfallzieher, Hechtkopfbälle und andere Feinheiten befinden sich im Repertoire der Nintendo-Promis und gehen dank simpler Steuerung leicht von der Hand. Die ähnelt dem GameCube-Vorgänger weitestgehend. Nur Gegner werden mit einem kurzen Rütteln der Wiimote buchstäblich abgeschüttelt ...

Ganz in der Tradition von Titeln wie "Mario Kart" oder "Mario Tennis" steht bei "Mario Strikers Charged Football" der Multiplayer-Aspekt im Vordergrund. Bis zu vier Zocker dürfen gegeneinander antreten und sich erbitterte Matches liefern, bei denen dank der witzigen Inszenierung garantiert kein Auge trocken bleibt - und das neuerdings auch online! Nintendos Gekicke ist der erste Wii-Titel in Europa, der die WiFi-Connection der Konsole nutzt und neben Freundschaftsbegegnungen auch so genannte "Punktspiele" mit Liga-Charakter bietet.

Solisten treten dagegen in einer Reihe von Cups an, um weitere Teams, Captains und insgesamt 17 Fußballtempel freizuschalten, die zum Teil mit ihren Eigenheiten den Ausgang einer Partie beeinflussen können. So fliegen einem auf der Gewitterinsel Kühe und andere Trümmerstücke um die Ohren, während in der Wüstengruft das Flügelspiel weitaus sicherer ist, als durch die Mitte zu preschen ... Darüber hinaus wartet auf Einzelspieler noch ein Dutzend vorgegebener Herausforderungen darauf, gemeistert zu werden.

Mario Strikers Charged Football

Hersteller/Vertrieb

Nintendo/Nintendo

Genre

Sport

Plattform

Wii

Preis

ca. 50 Euro

Altersfreigabe

ab 6 Jahren

Technisch ist die fein animierte Nintendo-Clique etwas ins Hintertreffen geraten. Das quietschbunte Ganzen kommt etwas arg detailarm daher, nur die Effekte können sich sehen lassen. Schlachtengesänge der Fans? Fehlanzeige. Der Sound bietet allenfalls die übliche Nintendo-Endlosschleifen-Dudelei.

Gerd Hilber/Teleschau TELESCHAU

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