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"Reprobates": Die Langeweile nach dem Tod

Nach tragischen Unfällen finden sich Menschen auf einer einsamen Insel wieder, ohne zu wissen, wie sie da hingelangt sind. Das hat was von "Lost" oder "Akte X". Doch schafft es das Adventure "Reprobates", eine ähnlich dichte Atmosphäre aufzubauen?

Als Adam Raichl in seinen bulligen Offroad-Wagen steigt, ahnt er nicht, dass es eine Fahrt in den Tod werden würde. Der Zusammenstoß mit einem Tanklastzug wird ihm zum Verhängnis. Adam erwacht auf einer fremden Insel. Er fühlt sich völlig gesund und macht sich auf, die Gegend zu erforschen. Überall eigenartige Menschen, die schlimme Schicksale hinter sich zu haben scheinen. Ist das der Himmel? Die Hölle? Das Fegefeuer? Oder etwas ganz anderes?

Die Geschichte hätte bestimmt Potenzial, aber Future Games nutzt es nicht. Die Charaktere bleiben blass, die Dialoge platt. Adam latscht im Schneckentempo von einem Ende der Insel zum anderen und wieder zurück. Er sammelt Stöcke, Steine oder Gras ein und quält sich dann hoch zu einem mysteriösen Glockenturm, der in regelmäßigen Abständen alle Inselbewohner in Tiefschlaf versetzt. Die fürchterlichen Albträume, die Adam dann durchlebt, bringen immerhin ein wenig mehr Abwechslung ins Gameplay nach dem Tod. Leider konnte es sich Future Games jedoch nicht verkneifen, auch ein paar nervige Minispiele mit einzubauen, bei denen man sich auch noch mit Zeitlimit herumärgern muss.

Während die Mimik der Figuren richtig beeindrucken kann, sind die Animationen eher durchwachsen: Nette Details wie kleine Verlegenheitsgesten stehen neben plumpen Massenbewegungen. Grafisch reichlich steril und nicht auf der Höhe der Zeit präsentieren sich die gerenderten Schauplätze, in denen sich die einzusammelnden Gegenstände und Hotspots bestens verstecken.

Reprobates

Hersteller/Vertrieb

Future Games/dtp entertainment

Genre

Adventure

Plattform

PC

Preis

ca 40 Euro

Altersfreigabe

ab 16 Jahren

Fazit: "Reprobates" krankt schon an der kaum ausgearbeiteten Story, nervt mit belanglosen Dialogen, langen Laufwegen und anderen Designsünden. So sucht man etwa eine Hotspot-Funktion, die alle interessanten Gegenstände auf dem Bildschirm einblendet, wie so manchen entscheidenden Hinweis und potenziellen Ansprechpartner vergebens. Letztere schlendern nämlich fast nach Belieben über die Insel. Für Unentwegte mag die Thematik allein schon genug faszinieren, um sich durch Adams umfangreiche Abenteuer zu kämpfen. Allerdings sollten auch sie jede Menge Zeit und noch mehr Geduld aufbringen können.

Herbert Aichinger/Teleschau / TELESCHAU
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