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"Rise & Fall: Civilizations at War": Mitten im antiken Getümmel

Riesige Seegefechte, Belagerungen, Massenschlachten - und wir auf Wunsch mittendrin: "Rise & Fall" verknüpft auf innovative Weise Strategie mit Action-Elementen.

Der Aufmarsch der Griechen vor der persischen Hafenstadt endet in einer Katastrophe. Mit Rammbock und Speerträgern soll die Stadt, die zwar über hohe Mauern, aber keine mechanischen Abwehrwaffen verfügt, erobert werden. Doch da tauchen plötzlich Schiffe am Horizont auf: Sie rammen die Flotte der Eroberer, während die mitfahrenden Bogenschützen bereits die Griechen auf dem Festland beharken. Danach legen sie an, Dutzende Perser strömen von Deck. Die Belagerung muss abgebrochen werden. Das ist die Welt von "Rise & Fall - Civilizations at War", dem neuen Sandalenspektakel von Midway.

Auf den ersten Blick ist "Rise & Fall" ein klassisches Echtzeitstrategiespiel wie "Age of Empires" mit den üblich verdächtigen Aufgaben: Rohstoffe sammeln, Städte errichten, verwalten und mit Hilfe von Ruhmespunkten ausbauen, Armeen aufstellen, den Feind vernichten. Aber bereits nach kurzer Zeit wird klar, dass hier viele neue Ideen und Innovationen Einzug hielten, die es bisher in noch keinem anderen Strategiespiel gegeben hat. Das Problem: Leider wurden diese mal mehr, mal weniger vernünftig umgesetzt.

Die Kämpfe zur See sind in "Rise & Fall" jedenfalls herausragend. Riesige Galeeren bekämpfen da einander - dank leistungsstarker "Titan"-Grafik-Engine inklusive toller Wasser- und Lichteffekte ist das nicht nur eine Augenweide, sondern auch noch ziemlich authentisch geraten: Um etwa einen feindlichen Pott zu versenken, muss er seitlich gerammt werden. Das klappt allerdings nur dann, wenn noch ein gewisser Abstand zur Beschleunigung vorhanden ist und sich das Schiff nicht dreht. Bei Kaperfahrten bietet es sich an, anstelle von Bogenschützen erfahrene Nahkämpfer an Bord zu haben oder kurzerhand zu rekrutieren. Mit Enterhaken werden die Triremen der Gegner herangezogen, eine Brücke wird ausgefahren und die gegnerischen Leichtmatrosen schließlich von Bord geworfen. Was besonders Fans der Antike zunächst fasziniert, kann aber teils auch sehr frustrieren. Denn das Handling der störrischen Schiffe ist nicht immer einfach. Nur allzu oft verhaken sich die gewaltigen Pötte ineinander...

Bollwerke - aber wofür

Ebenfalls neu in einem Echtzeitstrategiespiel: Beim Basisbau dürfen sich Defensivstrategen völlig verausgaben. Riesige Bollwerke lassen sich errichten und mit Katapulten, Kränen und Fernkämpfern bestücken. Zumindest in der Theorie. Denn echte Belagerungen durch die KI gibt es zumindest in den beiden Einzelspielerkampagnen, in denen Alexander der Große und Kleopatra im Mittelpunkt stehen, nur selten. Im Normalfall wartet die KI nur darauf, bis der Spieler angreift. Darum macht der Basisbau erst im gut ausbalancierten Multiplayermodus richtig Spaß. Dabei lässt sich das Einheiten-Maximum in irrwitzige Höhen schrauben, um Massenschlachten vom Feinsten zu führen.

Wesentlich kniffliger als die Verteidigung ist der Angriff - vor allem dann, wenn der Spieler dank Helden-Modus selbst in das Geschehen eingreift und sich wie in einem Action-Spiel durch die gegnerischen Reihen metzelt. Gesteuert werden die Anführer dabei aus der Third-Person-Perspektive. Neben Spezialmanövern (Kleopatra becirct ihre Widersacher, Cäsar lässt einen Katapultreigen auf seine Feinde niedergehen) beherrschen diese auch das Brustschwimmen - was in manchen Missionen recht hilfreich ist. Was nach jeder Menge Kurzweil klingt, wird aufgrund der übermächtigen Helden irgendwann fade. Schade drum...

Rise & Fall: Civilizations at War

Hersteller/Vertrieb

Midway

Genre

Strategie

Plattform

PC

Preis

ca. 50 Euro

Altersfreigabe

ab 16 Jahren

Trotz dieser Schwächen bereichern die Innovationen das Gameplay ungemein und machen "Rise & Fall" zu einer neuen Erfahrung. Atmosphäre kommt vor allem durch einen bombastischen Soundtrack auf, der auch mit der Filmmusik von "Gladiator" konkurrieren kann. Weit weniger cineastisch: die Zwischensequenzen in der Ingame-Optik, die die Story vorantreiben. Dennoch: "Rise & Fall" ist das erfrischend andere Strategie-Spiel und allein schon deshalb einen Blick wert.

Christian Pfeiffer/Teleschau / TELESCHAU
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