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"Rock Band": Was kostet die Welt?

Solange Geld keine Rolle spielt, ist "Rock Band" das Party-Erlebnis schlechthin. Aber mal ehrlich, EA: 170 Euro für das Basispaket und bis zu 320 für das komplette Instrumentarium? Wer soll das bezahlen?

Der angesichts der horrenden Preise gerechtfertige Zorn der Gamer-Gemeinde lässt sich insofern besänftigen, dass bereits vorhandene Hardware wie gängige USB-Mikros (etwa aus der "SingStar"-Reihe) oder die Gitarren-Kontroller der "Guitar Hero"-Konkurrenz weitestgehend kompatibel sind. Im Idealfall sind also "nur" 70 Euro für das Spiel und 80 Euro für Schlagzeug zu berappen ... Peanuts.

Nüchtern betrachtet, ist "Rock Band" ein auf Hochglanz poliertes Sammelsurium bereits vorhandener Spielideen. Zum bekannten Klampfenpart aus "Guitar Hero" packte der von MTV Games für 175 Millionen Dollar übernommene Entwickler Harmonix noch Drums und Vocals - fertig ist das Multiplayer-Brett, das seinen Reiz vornehmlich aus der Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit bezieht: Bei "Rock Band" darf man sich - obwohl man mit Kumpels zuhause vor dem Fernseher sitzt, anstatt durch die Clubs der Stadt zu ziehen - eine zeitlang absofuckinglutely cool fühlen.

Apropos Fernseher: Der sollte groß sein. Richtig groß. Denn das erweiterte Instrumentenspektrum fordert seinen Tribut. Die Tonspuren von Leadguitar, Bass und Drums sind nebeneinander angeordnet, am Bildschirmrand werden noch die Lyrics für den Sänger eingeblendet. Und die können auf kleinen Bildschirmen unleserlich werden. Am ebenso bewährten wie unverwüstlichen Spielprinzip hat sich indes nur wenig geändert. Für alle bislang Unrockbaren da draußen heißt das: Während eines Songs wird auf Laufbändern angezeigt, welche Saiten oder Drums angeschlagen angeschlagen werden soll. Wird der Einsatz verpasst oder der falsche Ton gespielt, schallt aus den Boxen nur schiefes Schrammeln.

"Rock Band" lässt sich zwar auch alleine bestreiten. Spaß und Sinn macht das aber nur bedingt. "Guitar Hero" wäre für Solisten klar vorzuziehen. Das Hauptaugenmerk liegt aber auf dem Multiplayer-Modus. Bis zu vier Spieler bilden hier gemeinsam eine Band und ziehen los, um die Musikwelt zu erobern. Sind die ersten Gigs noch leicht zu bewältigen, müssen später Songlisten erstellt und den Wünschen der Fans angepasst werden. Nahe des Rockolymps sind schließlich ganze Konzerte mit rund 20 Songs zu stemmen, ohne zwischenspeichern zu können. Geht im echten Leben ja auch nicht ...

Wer ordentlich performt, bekommt nicht nur Geld, Fans und Ruhm - sondern auch "Overdrive"-Power. Wird diese aktiviert, vervielfacht sich die Punkteausbeute. Sie kann aber auch dafür genutzt werden, um Bandmitglieder wieder ins Spiel zu holen, sollten sie sich zu viele Fehlgriffe geleistet haben. Allerdings lässt sich ein stockbesoffener Bassist nicht den ganzen Abend durchschleppen - sprich: Wer dreimal versagt, ruiniert den Gig - und verprellt die Fans. Deren Gesamtzahl öffnet jedoch den Weg zu neuen Locations und Songs.

67 Tracks wurden von Harmonix auf die Scheibe gepackt - von 60er-Jahre-Rock der Rolling Stones ("Gimme Shelter") über 90-er-Hymnen von Radiohead ("Creep"), Metallica ("Enter the Sandman") und den Beastie Boys ("Sabotage") bis hin zu Aktuellem von The Killers ("When You Were Young") und Fall Out Boy ("Dead on Arrival"). Manche Songs kennt man bereits aus den "Guitar Hero"-Spielen, andere sind nur als Coverversion vorhanden. Speziell für die europäische Fassung wurden zudem neun Exklusiv-Songs mitgeliefert, wobei die Deutschrock-Fraktion mit den Toten Hosen, H-Blockx, Juli und Tokio Hotel ziemlich stark vertreten ist.

Nicht genug? Auf der Online-Plattform "Xbox Live" lassen sich über 200 weitere Songs herunterladen. Jeder schlägt allerdings mit 160 MS-Punkten zu Buche - etwas über zwei Euro ...

Rock Band

Hersteller/Vertrieb

Harmonix / MTV/EA

Genre

Sonstiges / Besonderes

Plattform

PS2, PS3, Wii, Xbox 360

Preis

ca. 70 Euro

Altersfreigabe

o.A.

Fazit: Solange Geld keine Rolle spielt, ist "Rock Band" ein erstklassiges Party-Game mit unglaublichem Suchtfaktor. Wo sonst kann man mitten in der Nacht irgendwo auf der Welt eine andere Combo zum Online-Duell herausfordern? Andererseits: Für den Preis könnte man sich fast zwei Rock-im-Park-Ticket leisten. 16 CDs. Vier andere Games. Oder gar eine echte Gitarre ...

Bernd Fetsch/Teleschau / TELESCHAU
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