"Treasure Island" Virtuell schmökern


Radon Labs, die Macher des mit Spannung erwarteten Rollenspiels "Das Schwarze Auge: Drakensang", präsentieren Stevensons packende Hatz nach dem Piratenschatz jetzt in digitaler Form als Computerspiel.

Jim Hawkins schmeißt die Hafenkneipe seiner Eltern in Bristol mehr schlecht als recht. Die Gäste bleiben aus - nur ein alter Seebär namens Bill Bones besäuft sich dort noch bis zur Besinnungslosigkeit. Er hat auch allen Grund dazu, ist ihm doch ein übler Haufen zwielichtiger Gesellen auf den Fersen. Bill Bones stirbt vor Aufregung an einem Schlaganfall, und nun hat Jim ein Problem mit Bones' Hinterlassenschaft: einer Karte, die den Weg zu einem versteckten Piratenschatz in der Karibik weist.

Gemeinsam mit Trelawney und Dr. Livesey segelt Jim mit der stolzen "Hispaniola" zu der geheimnisumwitterten Südseeinsel, auf der Kapitän Flint seine Reichtümer versteckt haben soll. Die Reise entwickelt sich zum lebensbedrohlichen Albtraum - und am Ende weiß Jim nicht mehr, wer auf seiner Seite steht und wer ihm um jeden Preis den Schatz abjagen will.

Die Entwickler von Radon Labs orientieren sich in ihrem in sechs Kapitel unterteiltem Spiel nah an Stevensons Vorlage und sind mit eigenen Zutaten wie Hawkins' weiblichem Gegenpart Antoinette erfreulich zurückhaltend. Wer das Buch kennt, wird folglich auch im Spiel keine allzu großen neuen Wendungen erleben, darf sich aber über ein paar gelungene Gags und Slapstick-Einlagen freuen.

Spätestens hier wird klar: "Treasure Island" setzt mehr auf die stimmungsvolle Umsetzung der Geschichte als auf anspruchsvollen Puzzles. Die meisten Rätsel ergeben sich direkt aus der Handlung, sind logisch aufgebaut und auch für Einsteiger ohne Probleme zu meistern.

In Sachen Atmosphäre kann "Treasure Island" fast rundum überzeugen: Die liebevoll gestalteten Schauplätze schaffen die perfekte Szenerie für eine wilde Piratenmär. Lediglich die mitunter holprigen Animationen der Charaktere und die wenig lippensynchrone Sprachausgabe stören ein wenig. Trotzdem: Die Sprecher von Jim, Long John Silver und Co. liefern exzellente Arbeit ab.

Gesteuert werden sämtliche Aktionen und Dialoge mit der Maus - selbsterklärend, unkompliziert und einsteigerfreundlich. Wer nicht lange suchen möchte, kann sich via Leertaste die Hotspots auf dem Bildschirm anzeigen lassen. Angesichts der simplen Rätsel machen erfahrene Spieler von diesem Feature aber nur wenig Gebrauch. Und wer Hilfestellungen in Anspruch nimmt, verkürzt sich den ohnehin nicht allzu umfangreichen Rätselspaß noch zusätzlich: "Treasure Island" lässt sich auch von gemächlichen Abenteurern in weniger als zehn Stunden durchspielen.

Treasure Island

Hersteller/Vertrieb

Radon Labs/HMH Interactive

Genre

Adventure

Plattform

PC

Preis

ca. 40 Euro

Altersfreigabe

ab 6 Jahren

"Treasure Island" ist kein Adventure-Schwergewicht, sondern richtet sich vor allem an Gelegenheitsspieler, denen Atmosphäre wichtiger ist als fordernde Aufgaben. Wer einfach nur eine gute Geschichte nacherleben möchte, ist gut bedient. Mit rund 40 Euro sind die zwei, drei spannenden Abende vor dem Monitor jedoch ein überteuertes Vergnügen.

Herbert Aichinger/Teleschau TELESCHAU

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