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"Uncharted: Drakes Schicksal": Bis gleich, Schatz!

Nathan Drake, Held des nur auf der Playstation 3 erscheinenden Schatzsucher-Abenteuers Abenteuers "Uncharted", könnte glatt der uneheliche Sohn von Lara Croft und Indiana Jones sein.

Es gibt bislang nicht viele Gründe, sich eine PlayStation3 anzuschaffen. Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft wartet Sony jedoch mit einem ziemlich guten Argument auf: "Uncharted - Drakes Schicksal". Eine abenteuerliche Schatzjagd, bei der sich Film und die Spiel die Hand geben.

Der Begriff "fotorealistische Grafik" spukt ja bereits seit vielen Jahren durch unzählige Spiele-Rezensionen und Presseankündigungen, doch angesichts des Action-Adventures "Uncharted - Drakes Schicksal" kommt er problemlos über die Lippen. Die Fülle an Zwischensequenzen kombiniert mit den nahezu unmerklichen Übergängen ins aktive Spielen sorgt dafür, dass sich "Uncharted" anfühlt wie Kino zum Mitmachen. An "Ah"- und "Oh"-Momenten mangelt es nicht. Stellt sich also nur noch die Frage, ob auch der Plot das Zeug zum Blockbuster hat.

Die letzte Seite fehlt

In der Rolle von Nathan Drake macht sich der Spieler gemeinsam mit einer vorlauten Reporterin auf die Suche nach dem Schatz El Dorado, den Sir Francis Drake in seinem Tagebuch beschreibt - gemeint ist nicht die Stadt aus Gold, sondern ein gewaltiges Götzenbild. Die gute Nachricht: Der junge Namensvetter des legendären Seefahrers und Freibeuters findet das Tagebuch bei einem Tauchgang. Die schlechte: Ausgerechnet die letzte Seite fehlt. Aber als waschechter Nachfahre von Francis Drake hat Nathan genug Pioniergeist geerbt, um dies nicht als Problem zu definieren, sondern als Herausforderung.

Ein Oscar für die besten Special-Effects wäre dank gelungener dynamischer Lichteffekte, der wunderschönen Darstellung von Wasser sowie einer stylishen Bewegungsunschärfe drin, ebenso für das beste Drehbuch. Aber in der Kategorie Gameplay reicht das jüngste Werk der "Jak & Daxter"-Macher Naughty Dog allenfalls für die Goldene Himbeere. Vieles ist schlicht von der Konkurrenz abgekupfert: Über Abgründe springen, an alten Gemäuern emporklettern, Felsblöcke schieben, Artefakte sammeln, Ruinen erforschen, Rätsel knacken, wie Tarzan an Lianen schwingen - Fans der "Tomb Raider"-Reihe sind mit den grundlegenden Gameplay-Elementen bestens vertraut, ebenso mit der Third Person-Perspektive. Auf den ersten Blick wirkt "Uncharted" deshalb wie Lara Croft nach einer Next-Gen-Geschlechtsumwandlung. Auf den zweiten wie ein hierzulande indizierter Millionseller für die Xbox 360. Denn die Dschungelluft kann verdammt bleihaltig sein.

Im Kampf gegen zahllose Widersacher - Kommentar Nate: "Wo kommen die eigentlich alle her?" - hechtet sich der Spieler von Vorsprung zu Vorsprung, schießt aus der sicheren Deckung oder schleudert Granaten im hohen Bogen. Die Shoot-Outs sind kernig inszeniert und bilden zusammen mit wüsten Verfolgsjagden einen willkommenen Ausgleich zu den Kletter-, Hüpf- und Rätseleinlagen.

Sollten Letztere zu schwer sein, kann man mit der L2-Taste Hinweise zur Lösung einholen - etwa, wenn mit Relief-Mustern versehene Steinblöcke in der richtigen Reihenfolge in die Wand geschoben werden müssen, um einen Geheimgang zu öffnen. Adventure-Profis können diese Funktion allerdings auch deaktivieren. Die Funktionalität des Sixaxis-Controllers kommt ebenfalls zum Einsatz, beispielsweise, wenn die Spielfigur über einen morschen Baumstamm balancieren muss.

Umschauen und genießen

Manche Szenarien sehen derart beeindruckend aus, dass man immer wieder stehen bleibt, um mit dem rechten Stick den 360-Grad-Panoramablick zu genießen. Die Liebe zum Detail geht soweit, dass Drakes T-Shirt entsprechende Falten wirft, wenn der Held in Bewegung ist. Hüpft er ins Wasser, wird seine Kleidung sichtlich nass. Das alles mögen Kleinigkeiten sein, doch sie verdichten sich zu einem Gesamteindruck, der den Spieler tiefer ins Geschehen zieht. Auch der Soundtrack unterstützt maßgeschneidert die Abenteuer-Atmosphäre.

Uncharted: Drakes Schicksal

Hersteller/Vertrieb

Naughty Dog/Sony

Genre

Action-Adventure

Plattform

PlayStation3

Preis

ca. 70 Euro

Altersfreigabe

ab 16 Jahren

Die perfekte Optik, die flüssigen Animationen und die ausgeklügelte Surround-Untermalung sorgen zusammen mit der spannenden Story dafür, dass "Uncharted" zu den bislang wenigen Exklusiv-Highlights für die Sony-Konsole gehört. Leider ist die Hatz nach dem Goldschatz jedoch schon nach sieben bis zehn Stunden vorüber. Danach wartet nur noch das üppige, freischaltbare Bonus-Programm inklusive Making-Ofs und Bildergalerien.

Michael Eichhammer/Teleschau / TELESCHAU
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