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"Xpand Rally Extreme": Vom Fließband gerollt

"Xtreme" ist beim neuen Ableger der "Xpand Rally"-Reihe allenfalls der Schwierigkeitsgrad. Ansonsten hat sich nicht viel geändert. Noch immer wird mit rund 20 Boliden über Stock und Stein geheizt, um Kohle für die anschließend nötigen Reparaturen zu verdienen.

Es geht also mal wieder über Stock und Stein - und darf man den Bekundungen auf der Verpackungsrückseite glauben, bietet das Game eine "Next-Gen Driving Experience". Was genau damit gemeint sein soll, mag selbst nach zig Fahrten durch Malaysia, China, Japan, die USA, England und Korsika nicht so recht klar werden. Zwar behauptet Techland, erstmals in einem Rally-Spiel Bodeneigenschaften realistisch simulieren zu wollen. Das Gefühl, über groben Schotter zu rumpeln oder durch knietiefen Schnee zu pflügen, mag sich aber partout nicht einstellen. Die Boliden scheinen vielmehr über den Untergrund zu gleiten, was erwartungsfrohe Force-Feedback-Lenkrad-Nutzer wohl am deutlichsten zu spüren bekommen - die Rütteleffekte halten sich nämlich arg in Grenzen.

"Xtreme" ist dagegen der Schwierigkeitsgrad. Gleich, ob Arcade- oder Simulationsmodus: Wer nach den ersten siegreichen Rennen des Karrieremodus nicht jeden Cent in das Tuning der eigenen Karre steckt, wird schnell das Nachsehen im Kampf gegen die Konkurrenz haben. Im Gegensatz zu anderen Rally-Games bekommt man diese ausnahmsweise zu Gesicht - bei direkten Duellen oder in Form eines so genannten Ghosts, der als transparenter Geisterfahrer über die Strecke huscht und die Bestzeit repräsentiert.

Lässt der sich auf den teils haarsträubend verwinkelten Kursen nicht schlagen, sollte man zumindest als Zweiter die Ziellinie überqueren, um neue, besser dotierte Turniere freizuschalten. Was auch bitter nötig ist, denn trotz mannigfaltiger Pimp-Möglichkeiten kommt man irgendwann um den Kauf eines Neuwagens nicht herum. Rund 20 Autos haben die Entwickler eingebaut - vom kleinen Flitzer bis hin zum Geländetruck. Eines haben die Schlammschleudern jedoch gemein: Sie sehen ihren realen Vorbildern zwar ziemlich ähnlich, tragen aus Rechtsgründen aber teils ziemlich dämliche Fantasienamen. So mutiert der Golf zum Wolf, der Peugeot wegen seinem Markenemblem zum Lion ...

Ausgetobt haben sich die Entwickler beim Schadensmodell. Das quittiert Fahrfehler und Ausritte in die Pampa mit hässlichen Beulen, demolierten Fensterscheiben und weghängenden Kotflügeln, die teuer repariert werden müssen. Ein Grund mehr, vorsichtig zu fahren. Ein anderer: Die Fahrer können sich in "Xpand Rally Xtreme" ernsthaft verletzen. Die Folge: Mit gebrochenem Bein lässt sich's nur noch schwer Gas geben, eine Gehirnerschütterung nach Seitenaufprall (ohne Airbag) sorgt gerne für Blackouts - fatal bei Tempo 180.

Xpand Rally Extreme

Hersteller/Vertrieb

Techland/Koch Media

Genre

Rennspiel

Plattform

PC

Preis

ca. 30 Euro

Altersfreigabe

o.A.

Technisch kann Techlands Raserei nicht mehr ganz überzeugen. Zwar wurde die zugrunde liegende "Chrome"-Engine ein weiteres Mal überarbeitet. Gegen die kommende Grafik-Granate "Colin McRae Dirt" wirkt sie trotz toller Weitsicht jedoch altbacken. Schuld sind die übermäßig eingesetzten Unschärfeeffekte und schwammigen Texturen sowie das selten aufkeimende Geschwindigkeitsgefühl. Nur schwer zu ertragen sind allerdings die Motorengeräusche. Man möge sich bitte einen Rasenmäher bei 10.000 Umdrehungen vorstellen ...

Gerd Hilber/Teleschau / TELESCHAU
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