Computerspiel "Port Royale 2": Karibischer Kapitalismus


Die historische Wirtschaftssimulation "Port Royale" geht in die zweite Runde. Es gilt, in 60 karibischen Städten den Überblick zu behalten und nebenbei noch Bäume zu pflanzen.

Logbuch-Eintrag, 8. August 1570: Die Kakao-Plantage in Santa Marta hat jetzt alle 30 benötigten Arbeitskräfte. Nun bietet sich noch der Bau einer Rumbrennerei an, für die aber zusätzliche Arbeiter angeworben werden müssen. Da trifft es sich gut, dass in der benachbarten Gouverneursstadt Cartagena neue Einwanderer aus Europa eingetroffen sind. Mit dem nächsten Handelsschiff können sie nach Santa Marta gebracht und dort angesiedelt werden.

Zwei Jahre nach dem Erscheinen von "Port Royale" gibt es jetzt den zweiten Teil der historischen Wirtschaftssimulation mit einer Reihe von neuen Ideen, die das Handeln und Wandeln in der Karibik noch vielfältiger machen. Die Grundidee ist unverändert: In der Rolle eines abenteuerfreudigen Geschäftsmanns baut der Spieler das eigene Unternehmen aus, knüpft Handelsbeziehungen in der gesamten Karibik, schickt Schiffe auf große Fahrt und kümmert sich um ihre militärische Absicherung gegen Piraten und feindliche Handelsmächte.

Mit den Augen eines Volkswirtschaftlers

Wem das Spiel am Anfang noch reichlich verwirrend vorkommt, weiß, wie es einem Volkswirtschaftler geht, der viele Bedingungen für Produktion, Marktentwicklung und Preisbildung im Auge behalten muss. In mehreren Einführungsspielen wird dem Spieler der Umgang mit Schiffen, Lagerhäusern und Produktionsstätten näher gebracht.

Der Aktionsspielraum erstreckt sich über 60 Städte von Caracas nach Havanna und New Orleans. An jedem Ort herrschen andere Verhältnisse von Angebot und Nachfrage bei 19 verschiedenen Warengruppen. Eine übersichtliche Tabelle zeigt den jeweiligen Warenbestand mit Einkaufs- und Verkaufspreisen an. Kauft man als Händler große Mengen Holz auf, beginnt der Preis dafür zu steigen. Aber auch das Verhalten der computergesteuerten Mithändler beeinflusst die Preisbildung.

Port Royale 2

Hersteller/Vertrieb

Ascaron/Take 2

Genre

Wirtschaftssimul.

Plattform

PC

Preis

40 Euro

Altersfreigabe

ab sechs Jahren

Durch geschicktes Ausnutzen von Überbeständen im einen und Knappheit im anderen Ort kann man hohe Handelsgewinne erzielen. Haben die eigenen Kapitäne einen bestimmten Erfahrungsgrad erreicht, können sie auch mit automatischen Handelsrouten beauftragt werden.

Bäume pflanzen als Sozialleistung

Werden regelmäßige Handelsbeziehungen gepflegt, erhält man für die belieferte Stadt eine Baukonzession und kann in die eigene Produktion einsteigen. Dabei sollte man aber nicht nur Kosten und Ertrag im Auge haben, sondern auch das Wohlergehen der Arbeiter. Das fängt bereits beim Pflanzen von Bäumen an - denn diese "verschönern die Stadt und machen Stadtbewohner glücklich". Für jede Stadt kann man sich den jeweiligen Entwicklungsstand anzeigen lassen - hier gibt es acht Stufen von der Armut über die Stagnation bis zum Reichtum.

Die Liebhaber von Aufbauspielen können so in den unterschiedlichsten Orten ihre Siedlungen ausbauen und den Bewohnern beim Herumwuseln zuschauen. Die Grafik bietet hierfür drei Zoom-Stufen, aber nur eine Kameraperspektive auf die 3D-Szenerie. Wesentlich verbessert wurde die Darstellung der See - das klare Karibikwasser gibt den Blick auf eine reichhaltige Unterwasserwelt frei.

Liebevoll gestaltet haben die Entwickler des Gütersloher Ascaron-Studios auch die 16 verschiedenen Seglertypen von der schlichten Pinasse bis zum stolzen Linienschiff. Die Schiffe unterscheiden sich unter anderem nach Ladekapazität, Wendigkeit, Tiefgang und Anzahl der Kanonen. Wenn es zur Seeschlacht mit den Schiffen einer gegnerischen Macht kommt, entwickelt sich das beschauliche Aufbauspiel unversehens zum spannenden Action-Game.

Fechtkämpfe mit der Maus

Dabei nimmt immer nur ein Geleitschiff an der Schlacht teil, das sich durch geschicktes Manövrieren in die beste Position bringen muss, um auf das gegnerische Schiff eine Breitseite abzufeuern. Höhepunkt des Enterns ist ein Fechtkampf zwischen den beiden Kapitänen, der im Unterschied zur sonstigen Spielführung allein mit der Maus ausgetragen wird.

"Port Royale 2" verspricht bis zu 300 Stunden intelligenten wie unterhaltsamen Zeitvertreib. Die technischen Anforderungen von "Port Royale 2" sind weniger hoch als bei anderen PC-Spielen. Der Prozessor sollte für das Windows-Spiel (ab 98 SE) eine Taktrate von mindestens 700 Megahertz haben. Auf der Festplatte werden rund 700 MB an Daten abgelegt. Beim Arbeitsspeicher sind unter Windows 2000/XP mindestens 256 MB erforderlich, die Grafikkarte sollte 32 MB an eigenem Speicher mitbringen.

Peter Zschunke, AP AP DPA

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